21. Mai 2007 · Quelle: ND

Schlosspark darf kein Volkspark sein

(Andreas Fritsche) Auf der Liegewiese im Pots­damer Park Babels­berg ist das Liegen ver­boten und auf dem Dri­ve ist Radeln nicht erlaubt. Dabei klingt der englis­che Name dieses Rundweges doch sehr nach Fahren. Nicht ein­mal schieben darf man seinen Draht­e­sel dort. Peter Moser schüt­telt mit dem Kopf. Der 41-Jährige gehört der Bürg­erini­tia­tive Babels­berg­er Park an. 100 Anwohn­er kämpfen dafür, dass sie die weitläu­fige Grü­nan­lage wie bish­er nutzen dür­fen. Heute soll das erste offizielle Gespräch mit der Stiftung Preußis­che Schlöss­er und Gärten (SPSG) stat­tfind­en.

Die Stiftung pocht seit April auf die Parko­rd­nung. Wächter ver­hän­gen Bußgelder, wenn Spaziergänger den Rasen betreten oder Hunde von der Leine gelassen wer­den. In die Ped­ale treten darf man nur vom Ein­gang an der Gren­zs­traße bis zum Kleinen Schloss. Hier muss man absteigen und bis zum Aus­gang Lankestraße schieben. Über­all son­st sind Fahrräder tabu. Immer­hin, das ist mehr als früher zuge­lassen war. Radeln ver­bot die zu DDR-Zeit­en gültige Parko­rd­nung kom­plett und Rasen­latschen war offiziell auch nicht erlaubt. »Aber es hat sich kein­er darum geküm­mert«, erzählt Moser. Erst jet­zt greife die Schlöss­er-Stiftung durch.

Moser stammt aus Öster­re­ich und lebt seit 20 Jahren in Pots­dam. Seine drei Kinder haben die Natur lieben und bewahren gel­ernt, »ger­ade weil sie im Babels­berg­er Park auf den Rasen gehen kon­nten«, sagt der Sozialpäd­a­goge. »Die reißen keine Blu­men ab.«

Rodeln und Eis­laufen im Win­ter, Baden im Som­mer und Eier suchen am Oster­son­ntag – das alles kon­nte die Stiftung im Park beobacht­en und will es nun nicht mehr sehen. Der­gle­ichen schränke eine Nutzung das Erleb­nis Gartenkun­st ein, begrün­det Heinz Berg, Direk­tor der SPSG-Gen­er­alver­wal­tung.

Ober­bürg­er­meis­ter Jann Jakobs (SPD) springt ihm bei: Man habe ja einen Volkspark in Pots­dam, wo man grillen und baden kann, näm­lich den auf dem Gelände der Bun­des­garten­schau im Born­st­edter Feld. Doch der Weg dahin ist den Babels­berg­ern zu weit, per Rad zu gefährlich und außer­dem kostet das Born­st­edter Feld Ein­tritt. Für den Babels­berg­er Schloss­park wird lediglich um eine Spende gebeten. Die Land­tagsab­ge­ord­nete Ani­ta Tack (Linkspartei) ver­ste­ht die Sor­gen und Bedürfnisse der Leute und ver­langt, dass der Babels­berg­er Park ein Platz bleibt, wo die Pots­damer sich erholen kön­nen.

Moser berichtet von der »Wut« der Anwohn­er und wirft der Stiftung »Gut­sher­re­nart« vor. Dabei ist ihm wohl bewusst, dass es inner­halb sein­er Bürg­erini­tia­tive unter­schiedliche Inter­essen gibt. Die Eltern, die sich wün­schen, dass ihre Knirpse auf dem Gras tollen dür­fen, freuen sich zum Beispiel nicht unbe­d­ingt über freilaufende große Hunde. Aber den Hun­de­hal­tern genügt der Aus­lauf­platz vor dem Schloss­park nicht. Wer Schlittschuh auf dem Teich am Freibad fährt, ver­sündigt sich wahrschein­lich an der Umwelt, denn im Schil­fgür­tel leben sel­tene Arten. Aber die Men­schen reden vernün­ftig miteinan­der, suchen sich zu ver­ständi­gen. Die Bere­itschaft dazu ver­misst Peter Moser zurzeit auf Seit­en der Schlöss­er-Stiftung.

Dabei kön­nte sich die Bürg­erini­tia­tive dur­chaus zum Fördervere­in mausern. Wenn man ihn auf den Rasen lässt, dann möchte Moser wie früher Müll ein­sam­meln, und er würde dann auch für zwölf Euro »gern« die frei­willige Jahreskarte kaufen.

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