25. Mai 2005 · Quelle: MOZ

Schnelles Netz – langsame Ermittlungen

Kien­baum (MOZ) Das Inter­net boomt. Und mit der Zahl User steigt stetig auch die Zahl der schwarzen Schafe, die die gren­zen­lose und anonyme Ver­net­zung für ihre krim­inellen Machen­schaften nutzen. Von Kinder­pornografie über Deal­er, die Ahnungslosen mit teuren Num­mern verbinden, bis hin zu Schein­ver­steigerun­gen im Inter­ne­tauk­tion­shaus – die Lis­ten der Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tion­skrim­i­nal­ität (IuK) ist lang.

Doch die Bran­den­burg­er Polizei kommt mit den Ermit­tlung nicht mehr hin­ter­her. „Per­son­ell und in der Ausstat­tung ist unser Bun­des­land Schlus­slicht“, sagte gestern Andreas Rin­tisch vom Lan­deskrim­i­nalamt (LKA) Bran­den­burg bei ein­er Fach­ta­gung des Bun­des Deutsch­er Krim­i­nal­beamter in Kien­baum (Märkisch – Oder­land). So käme es bei den Ermit­tlun­gen sichergestell­ter Disket­ten und Fest­plat­ten zu Eng­pässen: „Die Dat­en kön­nen oft erst zwei Jahre später unter­sucht wer­den“, kri­tisierte Rin­tisch. So dro­he manche sog­ar Ver­jährung. Oder Gerichte ord­neten die Her­aus­gabe der kon­fiszierten Com­put­er an, weil die Beschlagnahme zu lange dauere, so der LKA-Beamte. Als Beispiel nan­nte er die Kam­er­ad­schaft aus Rathenow , auf deren Rech­n­ern man recht­sradikale Pub­lika­tio­nen ver­mutete. „Wir waren gar nicht in der Lage, die rund 60 Fest­plat­ten zu unter­suchen“, sagte Rin­tisch.

2004 wur­den in Bran­den­burg erst­mals 46 Polizis­ten auf den Gebi­et der Com­put­erkrim­i­nal­ität geschult. „Die drei­wöchige Fort­bil­dung waren keines­falls aus­rechend, um die Kol­le­gen auf die neuen Auf­gaben vorzu­bere­it­en“, monierte Rin­tisch. Zum Ver­gle­ich wur­den Zahlen aus Nieder­sach­sen genan­nt. Dort dauern die Spezial­isierung bis 23 Wochen. Rund 80 Beamte seien auss­chließlich mit den Ermit­tlung von IuK-Straftat­en beschäftigt. „Unsere Kol­le­gen müssen dage­gen noch viele andere Auf­gaben erledi­gen“, so Rin­tisch. Auch sei die Tech­nik oft schon beim Kauf nicht mehr auf den neusten Stand .

Let­zterem wider­sprach Roger Höpp­n­er, Krim­i­naldirek­tor aus dem Bran­den­burg­er Innen­min­is­teri­um, vehe­ment: „Die Ausstat­tung in Bran­den­burg ist erstk­las­sig.“ Ger­ade erst sei wieder ein Handy-Ortungs­gerät angeschafft wor­den. Kosten­punkt: 250.000 Euro. Von dem bemän­gel­ten Eng­pass bei den Ermit­tlun­gen im IT-Bere­ich zeigten sich Höpp­n­er jedoch über­rascht. „Im Moment wird sowieso über­legt, das Mod­ell von Nieder­sach­sen bun­desweit einzuführen“, sagte er. Entsch­ieden wird das auf der Bun­desin­nen­min­is­terkon­ferenz.

In einem Punkt waren sich in Kien­baum alle einig: Com­put­er und Tele­fone wer­den immer häu­figer als virtuelle Tat­waf­fen einge­set­zt. „Bei uns sind in den ersten drei Monat­en dieses Jahres 517 Anzeigen einge­gange. 214 davon sind IuK-Delik­te“, so Diet­mar Zieschow vom Kom­mis­sari­at Cot­tbus/Spree-Neiße. Er kon­nte aber auch einen Fah­n­dungser­folg ver­melden. Vor kurzem sind zwei Betrüger ins Netz gegan­gen. Sie hat­ten mit frem­den Kon­tendat­en an ebay-Ver­steigerun­gen teilgenom­men und einen Schaden von 45.000 Euro angerichtet. Für ihre 140 Straftat­en haben die Täter sog­ar Com­put­er in öffentlichen Ein­rich­tun­gen, wie der Cot­tbuser Stadt­bib­lio­thek, genutzt.

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