18. Dezember 2001 · Quelle: Märkische Allgemeine

Schönbohms 2. Kamera in Rathenow aktiv

Alles im Blick

RATHENOW Gestern Vor­mit­tag, 10.30 Uhr: Ran­dale auf dem Park­platz der Diskothek Dance­house. Zwei Män­ner, kurzgeschoren und mit schw­eren Stiefeln, wer­fen mit Bier­büch­sen um sich, belästi­gen eine Frau und entreißen ihr die Hand­tasche. Doch bevor sie flücht­en kön­nen, sind Ein­satzkräfte der Polizei schon am Ort und nehmen die Ran­dalier­er fest.

 

Die Szene war gestellt: Mitar­beit­er der Rathenow­er Polizei­wache hat­ten sich kurzzeit­ig in Ver­brech­er ver­wan­delt, um die Effizienz der neuen Videoüberwachung zu demon­stri­eren. Denn das Geschehen flim­merte live über die drei Bild­schirme, die gestern Vor­mit­tag in der Rathenow­er Wache in Betrieb genom­men wur­den. Die bei­den Beamten an den Mon­i­toren hat­ten das Geschehen jed­erzeit im Blick, die Alarmierung der Kol­le­gen war in weniger als ein­er Minute auf den Weg gebracht.

 

Inter­essiert ver­fol­gt wurde die Demon­stra­tion von Vertretern der Stadt sowie der ver­sam­melten Polizeispitze Bran­den­burgs. Bruno Küp­per, Inspek­teur der Polizei im Lande, hat­te sich per­sön­lich in die Kreis­stadt begeben, um die Feuer­taufe zu erleben. Auch Peter Kir­mße, Chef des Oranien­burg­er Polizeiprä­sid­i­ums, sowie Uwe West­en, Leit­er der Abteilung Ein­satz und Ermit­tlung, hat­ten den Weg ins Havel­land gefun­den.

 

Drei so genan­nte Kup­pelka­m­eras mit einem Blick­winkel von 360 Grad sind auf dem Gelände rund um die Diskothek instal­liert. Sie deck­en den Park­platz sowie einen Teil der Berlin­er Straße ab. Zwei Beamte überwachen in einem Raum der Rathenow­er Polizei­wache die drei Mon­i­tore. Mit­tels eines Schalt­pults kön­nen sie die Kam­eras steuern, kön­nen den Bild­winkel verän­dern und kön­nen an bes­timmte Per­so­n­en oder Objek­te her­an­zoomen. Pri­vate Bere­iche — Woh­nung­se­ingänge, Fen­ster, Haustüren — wer­den automa­tisch mit ein­er soft­wareges­teuerten Blind­leiste über­zo­gen. Ein Ein­blick ist den Beamten hier nicht möglich.

 

Ins­ge­samt fünf Beamte wur­den für den Mon­i­tor­ein­satz geschult. Unter ihnen wer­den die Ein­sätze am Woch­enende aufgeteilt. Auch während der Woche wer­den die Mon­i­tore überwacht, allerd­ings nicht von zwei Beamten gle­ichzeit­ig. Für die bei­den Polizis­ten, die gestern am Ter­mi­nal saßen, war es der erste Dienst über­haupt. Fin­ger­spitzenge­fühl brauche man, sagte der eine. Und meinte dies ganz wörtlich. Denn die Kam­eras wer­den über einen Track­ball, eine kleine Plas­tikkugel, ges­teuert, die mit den Fin­gerkup­pen bewegt wer­den muss.

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