8. März 2005 · Quelle: MAZ

Schon immer hart im Nehmen

(MAZ) Ameri­ka ist das Land der Frei­heit. Doch Frei­heit hat ihren Preis. Deswegen
ist Ameri­ka zugle­ich auch das Land der Todesstrafe. “Dieser Staat war schon
immer hart im Nehmen. Aber härter noch im Austeilen”, heißt es folgerichtig
auch im neuesten Stück der Comédie Soleil. “Death Row Val­ley oder Gilmores
let­zter Gang” passt insofern her­vor­ra­gend zur derzeit verbreiteten
Anti-Amerika-Stimmung. 

Auf der Bühne zwei große Käfige. Nicht für Tiere, für Men­schen. Guantanamo
lässt grüßen. Damit jed­er gle­ich weiß, in welchem Film er ist, hängt am
Git­ter die Fahne der Vere­inigten Staat­en. In der linken Zelle lässt sich ein
Häftling die Hosen runter und sitzt auf dem Klo. Die rechte Gefängniszelle
ist leer. Zwei Polizis­ten führen einen weit­eren Inhaftierten in seine Zelle
zurück. Wieder ein­mal ist die Hin­rich­tung des zweifachen Mörders Gilmore in
let­zter Sekunde abge­blasen worden. 

Wärter Jack find­et das nicht gut. Schüt­telt den Kopf. Nenad Zan­ic überzeugt
in der Rolle als Cop. Sieht mit Kotelet­ten und Kinnback­en­bart aus wie der
Polizist von den Vil­lage Peo­ple (YMCA) und ist streng, aber gerecht. Wärter
Bill wird von Gior­gio Vin­di­ni dage­gen als sarkastis­ch­er Nazi gespielt, der
die Gefan­genen am lieb­sten selb­st umle­gen würde: “Mörder sind Abschaum. Und
Abschaum spült man in den Gul­li”, grinst er. 

Zwei Men­schen hat Gilmore umge­bracht. Einen Tankwart und einen Motelmanager.
Warum, wird eigentlich den ganzen Abend nicht klar. Über­haupt nimmt man Marc
Marc­hand den bru­tal­en Schw­erver­brech­er nicht ab. Er ist wed­er kalt noch irr.
Will zwar endlich die Strafe, die er ver­di­ent. Ist aber nicht verzweifelt
oder lebens­müde, weil das Todesurteil ein ums andere mal aufgeschoben wird.
Ein paar mal wird er am Abend abge­führt und wieder zurück in die Zelle
gebracht. Licht aus, Licht an. Selb­st­mord­ver­such. Misslingt. Zweimal. 

Dazwis­chen träge Dialoge und Sätze wie: “Weißt du wie es ist, einen Menschen
zu töten? Es ist nicht schön. Es ist grauen­haft.” Draußen vor dem Todestrakt
demon­stri­eren Men­schen dage­gen, dass seit zehn Jahren in Utah erstmals
wieder ein Todesurteil voll­streckt wird, andere melden sich frei­willig, um
die Hin­rich­tung auszuführen. Drin­nen gibt der zweite Häftling (Sebas­t­ian
Wirnitzer) den debilen Affen. So sehen Verge­waltiger also aus! Am Ende wird
Gilmore dann doch noch umge­bracht und alles hört so auf, wie es begonnen
hat. Zäh. 

Die von Michael Klemm geschriebene Vor­lage wirkt über weite Pas­sagen ein
wenig unmo­tiviert, die behäbi­gen Schaus­piel­er ger­at­en ein­fach nicht ins
Spie­len. Mit einem Gefäng­nis-Stück hat sich das Hin­ter­hofthe­ater das Leben
allerd­ings auch selb­st schw­er gemacht. Dabei hät­ten sie doch alle
Frei­heit­en. Man ist hier ja nicht in den USA

Death Row Val­ley oder Gilmores let­zter Gang. Comédie Soleil, Feuerbachstr.
3, näch­ste Vorstel­lun­gen 10. bis 13. und 17. bis 20. März jew­eils 20 Uhr.

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