8. Dezember 2001 · Quelle: Märkische Allgemeine

Schüler an Pfahl festgebunden, SS-Runen ins Gesicht gemalt

Schüler an Pfahl fest­ge­bun­den und zurück­ge­lassen

SS-Runen ins Gesicht gemalt

SPERENBERG Die Polizei ermit­telt seit Mittwochmit­tag
zu ein­er Straftat in Speren­berg. Durch Anzeige wurde
bekan­nt, dass am Mor­gen gegen 8 Uhr an der
Bushal­testelle vor der Schule ein 15-Jähriger von vier
Mitschülern ange­grif­f­en und bedro­ht wurde. Die
Gle­ichal­tri­gen fes­sel­ten den Jugendlichen mit den
Trageriemen seines Schul­ruck­sacks an einen
Lat­er­nenpfahl. Außer­dem ban­den sie ihn mit ein­er
Kordel aus sein­er Jacke in Höhe des Halses an den
Pfahl. Weit­er­hin bemal­ten die Schüler mit einem
Edding-Stift sein Gesicht, unter anderem mit SS-Runen,
die anschließend wieder über­malt wur­den. Eine Lehrerin befre­ite wenig später den am Lat­er­nenpfahl
zurück­ge­lasse­nen 15-Jähri­gen, der an seine Eltern
übergeben wurde.

 

Bei der Anzeigen­er­stat­tung am Vor­mit­tag bei der
Polizei wies der Geschädigte offen­bar durch die Kordel
verur­sachte Würge­male am Hals auf. Die Schulleitung
führte bere­its Gespräche mit den beteiligten
Jugendlichen. Die polizeilichen Ermit­tlun­gen zum
Ver­dacht der Kör­per­ver­let­zung und der Ver­wen­dung von
Kennze­ichen ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen dauern
an. (MAZ 07.12.01)

 

Polizei sieht bish­er kein recht­sex­tremes Motiv für Gewalt­tat an Schule

15-Jähriger wieder wohlauf

SPERENBERG Drei Schüler der Gesamtschule Speren­berg
sind für drei Tage vom Unter­richt sus­pendiert wor­den.
Ein Mäd­chen durfte einen Tag lang das Schul­gelände
nicht betreten. — Am Mittwoch hat­ten die vier
Tatverdächti­gen einen Mitschüler mit den Trageriemen des Ruck­sacks an einen Lat­er­nenpfahl gefes­selt, ihn mit der Kordel des Anoraks in Hal­shöhe ange­bun­den und sein Gesicht unter anderem mit SS-Runen beschmiert,
die anschließend wieder über­malt wur­den.

 

Der 15-jährige Zossen­er war gestern wieder in der
Schule und ist nach den Worten von Schullei­t­erin
Inge­borg Rindt wohlauf. Zwei der Täter hät­ten sich
inzwis­chen bei dem Opfer entschuldigt.

 

“Wir sind alle sehr erschrock­en — die Jugendlichen und
auch wir Lehrer”, so die Schullei­t­erin. Gestern sei
der Diskus­sions­be­darf in den Klassen groß gewe­sen.
“Der Grundtenor ist, dass es zu weit geht, jeman­den
mit Gewalt hil­f­los zu machen und dass dies geah­n­det
wer­den muss.”

 

Der gefes­selte Junge ist laut Schullei­t­erin recht
beliebt. “Diejeni­gen, die das gemacht haben, sind
alles andere als rechts­gerichtete Jugendliche”, meint
die Schullei­t­erin.

 

Auch nach Angaben der Polizei ist bish­er kein
recht­sex­trem­istis­ches Motiv erkennbar. Der Haupt­täter
soll sein Opfer aber schon öfter kör­per­lich trak­tiert
haben. Die Ermit­tlun­gen übern­immt jet­zt die Kripo
Pots­dam. Eine Sta­tis­tik über Gewalt­tat­en an Schulen
wird, wie Nach­fra­gen beim Polizeiprä­sid­i­um Pots­dam und
beim Bil­dungsmin­is­teri­um ergaben, wed­er in der einen
noch in der anderen Behörde geführt. Aus der Wache
Zossen war zu hören, dass solche Fälle im
Wachen­bere­ich eher die Aus­nahme bilden.

 

“Näch­ste Woche wer­den sich die Tatverdächti­gen vor den
Klassen­sprech­ern und den Lehrern äußern müssen”, so
Inge­borg Rindt. (MAZ 08.12.)

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