26. Dezember 2004 · Quelle: MAZ

SchülerInnen entschuldigen sich beim KZ-Überlebenden

Mäd­chen und Jun­gen der Klasse 9a der Polth­i­er-Gesamtschule in Witt­stock haben sich dieser Tage mit einem Brief (siehe rechts) beim KZ-Über­leben­den Pavel Stran­sky entschuldigt. Der 83-jährige Tscheche war vor einem Monat bei einem Zeitzeu­genge­spräch der 9. Klassen von einem Ein­drin­gling aus der 7. Klasse mit den Worten: “Ist das der Jude?“angepöbelt wor­den (MAZ berichtete). Eine Schü­lerin aus ein­er 9. Klasse hat­te zudem Stran­skys Vor­trag durch Zwis­chen­rufe gestört und war des Raumes ver­wiesen wor­den. Das Mäd­chen hat­te sich schriftlich bei dem KZ-Über­leben­den entschuldigt und damit war für sie der Fall abgeschlossen.

Den 14-Jähri­gen indes traf die volle Härte des Schulge­set­zes. Zunächst wurde er von ein­er Lehrerin bei der Polizei angezeigt. Dann tagte die Klassenkon­ferenz, in der alle diese Klasse unter­rich­t­en­den Lehrer, je zwei Sprech­er von Schülern und Eltern sowie der Junge und seine Eltern anwe­send waren. Dem 14-Jähri­gen wurde ein Ver­weis vor der Klassenkon­ferenz aus­ge­sprochen. Weil dies offen­bar nicht fruchtete, ist er später wegen ander­er Delik­te für fünf Tage aus der Schule ver­wiesen wor­den.

Indes set­zten sich Mäd­chen und Jun­gen der Klasse 9a in einem Pro­jekt mit dem Konzen­tra­tionslager Sach­sen­hausen auseinan­der. Es fand vom 13. bis 17. Dezem­ber in der Jugend­bil­dungsstätte des DGB in Fleck­en Zech­lin statt. “Dieses The­ma inter­essierte uns sehr, und wir woll­ten mehr darüber erfahren, nach­dem wir vor kurzem in der Schule Her­rn Stran­sky, einen ehe­ma­li­gen Häftling des KZ There­sien­stadt, gehört hat­ten”, schrieben die Schüler jet­zt an die MAZ. Er habe alle sehr beein­druckt, “und an dieser Stelle möcht­en wir beto­nen, dass die Stören­friede dieser Ver­anstal­tung nicht aus unser­er Klasse kamen. Im Gegen­teil, wir waren über das Ver­hal­ten von zwei Schülern aus anderen Klassen empört.” In Fleck­en Zech­lin hät­ten die Betreuer viel darüber berichtet, was Deutsche den Juden und anderen unschuldigen Men­schen Schreck­lich­es antat­en. Da habe es sich jed­er viel bess­er bildlich vorstellen kön­nen, als wenn es immer nur im Unter­richt erzählt wird.

Die Schüler fuhren auch ins ehe­ma­lige KZ Sach­sen­hausen. Dort wur­den Infor­ma­tio­nen für ein Plakat und die Pro­jek­tzeitung, gesam­melt, die mit­tler­weile fer­tig gestellt wor­den ist. “Wir waren sehr erschüt­tert über die Bilder, Fotos und Plakate, die das grauen­hafte Lager­leben zeigten”, berichteten die Neun­tk­lässler.

Sie seien immer stiller und nach­den­klich­er gewor­den, obwohl sie eigentlich schon vieles über KZ wussten.

Zurück in der Jugend­bil­dungsstätte wur­den die Ein­drücke aus­gew­ertet und der Brief an Pavel Stran­sky ver­fasst. In dieser Woche in Fleck­en Zech­lin lern­ten die Mäd­chen und Jun­gen auch, wie sie der MAZ schrieben, “dass miteinan­der Reden die beste Voraus­set­zung für ein friedlich­es Zusam­men­leben ist”.

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