22. Oktober 2004 · Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten

Sich den Neonazis in den Weg

Pots­dam - Etwa 5000 Bürg­er aus Pots­dam und der Umge­bung wären ide­al, erk­lärte Jörg Fis­ch­er auf der gestri­gen Pressekon­ferenz zu den geplanten Aktio­nen gegen die angemeldete Neon­azi-Demon­stra­tion am 30. Okto­ber in Pots­dam. 5000 Bürg­er die sich an diesem Tag spätestens um 10 Uhr vor dem Haupt­bahn­hof ver­sam­meln, die Wege versper­ren und mit dieser Form des gewalt­freien „zivilen Unge­hor­sams“ den geplanten Marsch der Recht­sradikalen in die Stadt ver­hin­dern kön­nten. Denn wenn die Polizei fest­stellen muss, dass die Demon­stra­tion unter diesen Umstän­den nicht durchzuführen sei, erk­lärte Fis­ch­er, dann müsste sie den Auf­marsch been­den, ohne das „die Nazis auch nur einen Zen­time­ter vor­angekom­men“ seien.

Unter dem Mot­to „Pots­dam beken­nt Farbe! Gemein­sam für Tol­er­anz, Gewalt­frei­heit und ein friedlich­es Miteinan­der“ hat­te das Pots­damer Aktions­bünd­nis, beste­hend aus ver­schiede­nen Vere­inen und der Stadt, zum gewalt­freien Protest­marsch aufgerufen. Am 30. Okto­ber, um 12.30 Uhr, soll der Demon­stra­tionszug am Platz der Ein­heit starten und teil­weise die Strecke des Neon­azi­auf­marsches, die auch am ehe­ma­li­gen Stan­dort der Gar­nisonkirche vor­bei führen soll, nachge­hen. Sozial­beige­ord­nete Elona Müller betonte, dass dieser Protest vor allem gewalt­frei bleiben müsse. Denn Ran­dale würde nur den Nazis nützen. Diese Befürch­tung kon­nte Jörg Fis­ch­er bestäti­gen.

Fis­ch­er, der seit seinem 13. Leben­s­jahr in der recht­en Szene unter anderem als Mit­be­grün­der der DVU und Führungskad­er der NPD aktiv war und seit seinem Ausstieg vor neun Jahren Aufk­lärung über die Struk­turen der recht­en Szene betreibt, erk­lärte, dass dies eines der Ziele der Demon­stra­tion sei. Von dem bekan­nten Neon­azi Chris­t­ian Worch angemeldet, soll hier unter dem Mot­to „Gegen Het­ze und Ter­ror von Links“ provoziert wer­den. Nach dem Mot­to „Kampf um die Straße“ wer­den von Worch bewusst Städte oder Stadt­teile aus­ge­sucht, die unter anderem stark von ein­er linken Kul­tur geprägt sind. Ein selb­st­be­wusst-arro­gantes Auftreten, dass der eige­nen Szene als Erfol­gser­leb­nis dienen und bei den Anwohn­ern durch regelmäßige Wieder­hol­ung eine Art „Gewöh­nungsef­fekt“ erre­ichen solle.

Kri­tik an der geplanten Demon­stra­tion „Pots­dam beken­nt Farbe“ übten vor allem Vertreter des Arbeit­skreis­es Antifa Pots­dam. Sie nan­nten diesen einen „zahn­losen Protest“ und ein „buntes Begleit­pro­gramm“, da hier keine direk­ten Aktio­nen gegen die marschieren­den Nazis zu erwarten seien.

Darauf ange­sprochen erk­lärte Jörg Fis­ch­er, dass er zwar nicht für die Stadt Pots­dam antworten könne, Gegen­demon­stra­tio­nen in Berlin und Köln aber gezeigt hät­ten, dass mit „zivilem Unge­hor­sam“, dem spon­ta­nen Beset­zen von Plätzen und Straßen, gewalt­frei Nazi­aufmärsche ver­hin­dert wer­den kon­nten. Seinen Vorschlag für Pots­dam beze­ich­nete auch Elona Müller als „faszinierend“, betonte aber, dass es sich hier um ihre „per­sön­liche“ Mei­n­ung han­dle.

Lutz Boede von der Frak­tion die Andere äußerte eben­falls Kri­tik. Das einige der anwe­senden Vere­ine dieses interne Gespräch als „Kum­merkas­ten“ hin­sichtlich fehlen­der finanzieller Unter­stützung und „Wer­bung in eigen­er Sache“ miss­braucht­en, befremdete ihn sehr. Gegenüber den PNN äußerte Boede Befürch­tun­gen, dass der aus­geprägte Hang der ver­schiede­nen, nicht im Aktions­bünd­nis „Pots­dam beken­nt Farbe“ einge­trete­nen Vere­ine zu Einze­lak­tio­nen die geplanten Protes­tak­tio­nen am 30. Okto­ber wirkungs­los machen kön­nten.

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