11. September 2005 · Quelle: MAZ

So haben wir überlebt

(MAZ, 10.9.) KÖNIGS WUSTERHAUSEN Zeitzeu­gen­berichte von jüdis­chen Gefan­genen des
KZ-Außen­lagers Königs Wuster­hausen sind erst­mals in einem Buch
veröf­fentlicht wor­den. Es heißt “Kerzen­licht hin­ter Stachel­draht” und wird
vom Vere­in “Kul­tur­land­schaft” her­aus­gegeben.

“Anfangs sollte eine Doku­men­ta­tion über das Außen­lager entste­hen. Nach­dem
wir jedoch 300 Seit­en Über­lebens­berichte aus der Gedenkstätte Yad Vashem in
Israel erhiel­ten, entsch­ieden wir uns für dieses Buch”, sagte
Vere­insvor­sitzende Irm­traud Carl bei ein­er Buchvorstel­lung am Don­ner­stag.
Die Berichte wur­den zumeist direkt nach der Heimkehr der Gefan­genen
aufgeze­ich­net. Stu­den­ten der Pots­damer Uni­ver­sität über­set­zten sie nun aus
dem Hebräis­chen, Jid­dis­chen, Ungarischen und Pol­nis­chen. “Dabei kann man
keine echte Wahrheit über die Ereignisse hier in Königs Wuster­hausen find­en.
Es sind indi­vidu­elle Erleb­nis­darstel­lun­gen, die den Leser zum Nach­denken
anre­gen sollen.” so Carl.

Das Lager existierte von Okto­ber 1944 bis April 1945. Vor allem jüdis­che
Gefan­gene aus dem pol­nis­chen Get­to Lodz kamen nach Königs Wuster­hausen.
Zuerst Män­ner über das KZ Sach­sen­hausen. Später Frauen und Kinder über das
KZ Ravens­brück, unter ihnen ungarische Jüdin­nen. Viele Men­schen star­ben auf
diesem Trans­port oder waren sehr krank. In den ersten Tagen star­ben sieben
Frauen und ein Kind im Außen­lager.

Das Buch ist kosten­los in Buch­hand­lun­gen der Region erhältlich. Unter­stützt
wird das Pro­jekt von der Stadt Königs Wuster­hausen. Bürg­er­meis­ter Ste­fan
Lud­wig würdigte die Arbeit der fünf Mitar­beit­er: “Mit Hil­fe des Vere­ins
haben wir erneut ein Stück Weg in die richtige Rich­tung geschafft.”

Eine öffentliche Buch­premiere find­et mor­gen im Saal der Stadtver­wal­tung
statt. Beginn ist um 12.30 Uhr. Außer­dem wird von Schülern des
Friedrich-Wil­helm-Gym­na­si­ums ein virtueller Gang durch die Anla­gen des
KZ-Außen­lagers dargestellt. Die 3‑D-Ani­ma­tion wurde im Rah­men eines
Geschichtswet­tbe­werbs des Bun­de­spräsi­den­ten erar­beit­et. Vor der Buch­premiere
find­et eine Gedenkver­anstal­tung am Mah­n­mal in der Puschkin­straße für
NS-Opfer statt.

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