18. Januar 2005 · Quelle: Tagesspiegel

Staatsschutz ermittelt nach Schießerei

(Tagesspiegel, Michael Mara) Rüdersdorf/Frankfurt (Oder) — In die Ermit­tlun­gen zur Aufk­lärung eines
Anschlags auf ein Tre­f­fen des Lan­desver­bands der Grü­nen Jugend am
Woch­enende hat sich jet­zt der Staatss­chutz eingeschal­tet. In der Nacht
zum Son­ntag war ein Gebäude in Rüder­s­dorf, in dem 14 Nachwuchspolitiker
der Grü­nen tagten, aus Luft­gewehren beschossen wor­den. Dabei wur­den acht
Fen­ster­scheiben beschädigt oder zer­stört, Pro­jek­tile drangen laut
Teil­nehmern in die Wände des Tagungsraums ein. 

Gestern set­zte das Polizeiprä­sid­i­um Frank­furt (Oder) eine fünfköpfige
Ermit­tlungs­gruppe ein. Sprech­er Peter Sal­en­der erk­lärte, dass es bisher
keine Anhalt­spunk­te für eine poli­tisch motivierte Tat gebe, diese aber
nicht aus­geschlossen wer­den könne. Unklar ist bish­er, wie viele Täter
beteiligt waren. Nach Sal­en­ders Angaben wer­den die Ermit­tlun­gen jetzt
auch wegen Ver­dachts der ver­sucht­en Kör­per­ver­let­zung und des Verstoßes
gegen das Waf­fenge­setz geführt. 

Grü­nen-Lan­deschef Joachim Gessinger hat­te zuvor scharf kri­tisiert, dass
zunächst nur wegen Ver­dachts der Sachbeschädi­gung ermit­telt wurde: “Wenn
offen­bar mehrere Täter mit durch­schlagsstarken Luft­druck­gewehren mit
mehr als 100 Schüssen über eine Stunde lang gezielt auf Personen
schießen, die sich in den einzi­gen erleuchteten Räu­men eines ansonsten
dun­klen Gebäudes aufhal­ten, nehmen die Täter die Ver­let­zung dieser
Per­so­n­en zumin­d­est bil­li­gend in Kauf.” Die Jugendlichen hat­ten nach
Gessingers Darstel­lung erst nach ger­aumer Zeit bemerkt, dass sie
beschossen wur­den und sich darauf in andere Räume geflüchtet. Als sie
später mit ein­er Taschen­lampe durch das Haus gegan­gen seien, hät­ten die
Schüsse wieder eingesetzt. 

Gessinger kri­tisierte auch “die lange Zeit zwis­chen Alarmierung und
Ein­tr­e­f­fen der Polizei”. Dies zeuge nicht davon , dass sie “die akute
Not­lage der Jugendlichen richtig ein­schätzte. Nach Angaben der Polizei
ging der Notruf um 1.15 Uhr ein, die Beamten seien um 1.40 Uhr am Ort
gewe­sen. Den Zeitverzug begrün­dete der Sprech­er des Schutzbereichs
Märkisch-Oder­land, Thomas Wilde, so: “Es war kein Fahrzeug frei, weil
andere Ein­sätze abgewick­elt wer­den mussten.” Nach seinen Angaben wurde
in der­sel­ben Nacht auch auf Scheiben und Straßen­later­nen im benachbarten
Muse­umspark Rüder­s­dorf geschossen. Ob ein Zusam­men­hang beste­ht, werde
geprüft. 

In Rüder­s­dorf gibt es einen recht aktiv­en Schützen­vere­in, in dem eine
größere Jugend­gruppe trainiert. Ob in diese Rich­tung ermit­telt wird,
wollte die Polizei nicht sagen.

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