18. September 2002 · Quelle: berliner zeitung

Stadt würdigt Engagement gegen Neonazis

EBERSWALDE. Seit Jahren kämpft die Stadt, die wegen des ersten Neon­azi-Mords an einem Aus­län­der nach der Wende in Ost­deutsch­land berühmt wurde, gegen sein Neg­a­tiv-Image. In Eber­swalde hat­ten am 25. Novem­ber 1990 etwa 50 Neon­azis so bru­tal auf den Angolan­er Anto­nio Amadeu eingeschla­gen, dass der 28-Jährige elf Tage später starb. “Seit­dem haben sich Dutzende Vere­ine und Ini­tia­tiv­en gebildet, um gegen Aus­län­der­feindlichkeit zu kämpfen”, sagte der Leit­er der Eber­swalder Koor­dinierungsstelle für Tol­er­anz und gegen Frem­den­feindlichkeit, Mohamed Ham­dali. Um diese Ini­tia­tiv­en zu würdi­gen, hat die von der Stadt finanzierte Koor­dinierungsstelle jet­zt eine 32-seit­ige Broschüre mit dem Titel “Gesicht(er) zeigen in Eber­swalde” her­aus­gegeben. Sie soll anderen Men­schen im Land zudem Mut machen, sich eben­so zu engagieren und den Kom­munen zeigen, dass es sich lohnt, solche Ini­tia­tiv­en zu unter­stützen. “Wir stellen beispiel­hafte Pro­jek­te vor, bei denen sich Schüler oder Vere­ine gegen Neon­azis und Frem­den­feindlichkeit engagieren”, sagte Ham­dali.
“Sie alle haben dazu beige­tra­gen, dass Eber­swalde seinen zum Teil ungerecht­fer­tigten Ruf als Stadt mit recht­sradikalen Ein­flüssen wesentlich verbessern kon­nte”, sagte Bürg­er­meis­ter Rein­hard Schulz (CDU). Gle­ichzeit­ig dürften die bish­eri­gen Erfolge nicht zur Leicht­fer­tigkeit ver­leit­en und die noch immer vorhan­de­nen Prob­leme mit Recht­sradikalen ignori­ert wer­den.
Wichtig ist für Ham­dali, dass die Vere­ine nicht nur nach aus­län­der­feindlichen Über­grif­f­en reagieren, son­dern präven­tiv und aufk­lärerisch in den Schulen aktiv sind, um sich recht­sex­trem­istis­chen Gedanken ent­ge­gen­zustellen. “Es ist rel­a­tiv ein­ma­lig im Land, dass sich bei uns viele Polizis­ten ein­brin­gen”, sagte Ham­dali. “Aber nicht in ihrer Funk­tion als Strafver­fol­ger, son­dern als engagierte Bürg­er in den Vere­inen.” Eben­so sel­ten sei, dass sich eine Stadt eine haup­tamtliche Koor­dinierungsstelle für die Arbeit der anti­ras­sis­tis­che Grup­pen leiste.
In der Broschüre kommt unter anderem die ehe­ma­lige Eber­swalder Polizeipräsi­dentin und jet­zige Extrem­is­mus­beauf­tragte des Lan­des Uta Leich­sen­ring zu Wort, aber vor allem die Vertreter der Vere­ine. “Hin­ter jed­er Ini­tia­tive ste­hen Men­schen, deren Arbeit mit dem Buch ein Gesicht gegeben wer­den soll”, sagte Ham­dali. (bla.)
Bezug über: Koor­dinierungsstelle für Tol­er­anz, Stadtver­wal­tung, Dr.-Zinn-Weg 18, 16225 Eber­swalde.
Infor­ma­tio­nen im Inter­net unter:
www.tolerantes_eberswalde.de

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