5. November 2003 · Quelle: Tagesspiegel

Stadtverordneter der NPD unter Krawall-Verdacht

Witt­stock­er Recht­sex­trem­ist soll sich an Auss­chre­itun­gen in Jugend­club beteiligt haben — Anklage der Staat­san­waltschaft liegt seit einem Jahr vor

(Frank Jansen) Witt­stock. Die Stadt Witt­stock gilt als Hochburg der recht­en Szene, die hier
auch beson­ders dreist auftritt. Das jüng­ste Beispiel: Bei den Kom­mu­nal­wahlen
am 26. Okto­ber gelangte der NPD-Kan­di­dat Math­ias Wirth ins Stadt­par­la­ment,
obwohl er mehrfach strafrechtlich in Erschei­n­ung getreten ist und sich an
einem der schw­er­sten recht­sex­tremen Krawalle in der Geschichte des
Bun­des­lan­des Bran­den­burg beteiligt haben soll. In der Nacht zum 14. Okto­ber
2001 hat­ten sich etwa 80 Recht­sex­trem­is­ten vor dem Witt­stock­er Jugend­club
“Havan­na” eine Schlacht mit der Polizei geliefert. Ein­er der Festgenomme­nen
war Math­ias Wirth, der auch in Unter­suchung­shaft kam und gegen den eine
harte Anklage vor­liegt. Den­noch kan­di­dierte Wirth für die NPD — und wurde
jet­zt mit 509 Stim­men (4,07 Prozent) ins Stadt­par­la­ment von Witt­stock
gewählt.

Den Polizeiein­satz vom 13. und 14. Okto­ber 2001 beze­ich­nete das
Innen­min­is­teri­um als einen der größten gegen die rechte Szene in
Bran­den­burg. Die aus Nord­bran­den­burg und Meck­len­burg-Vor­pom­mern stam­menden
Neon­azis hat­ten im “Havan­na” eine “Geburt­stags­feier” ver­anstal­tet, laut­stark
recht­sex­treme Musik abge­spielt und Parolen wie “Berlin bleibt deutsch”
gegrölt. Als die Polizei die Per­son­alien fest­stellen wollte,
ver­bar­rikadierte sich die Meute und warf mit Tis­chen, Stühlen, Flaschen und
einem Feuer­lösch­er. Etwa 100 Polizis­ten, darunter Beamte der Spezialein­heit
MEGA”, nah­men 58 Extrem­is­ten fest, unter ihnen Math­ias Wirth. Er kam mit
sechs weit­eren Neon­azis in U‑Haft und wurde nach einem Monat ent­lassen. Die
Staat­san­waltschaft Neu­rup­pin hat Wirth und elf weit­ere Extrem­is­ten
angeklagt. Im Fall Wirth laut­en die Vor­würfe Land­friedens­bruch in beson­ders
schw­erem Fall, Wider­stand gegen Voll­streck­ungs­beamte und Ver­such der
gefährlichen Kör­per­ver­let­zung.

Der 38 Jahre alte Kfz-Mechaniker sei außer­dem schon mit poli­tis­chen Delik­ten
und “nor­maler Krim­i­nal­ität” aufge­fall­en, heißt es in Sicher­heit­skreisen.
Wann in dem “Havanna”-Verfahren der Prozess stat­tfind­et, ist indes unklar.
Die Anklage liege seit 2002 vor, sagte der Sprech­er des Landgerichts
Neu­rup­pin, Michael Pul­frich. Die zuständi­ge Kam­mer sei jedoch mit dem
Pot­zlow-Prozess so stark belastet gewe­sen, dass wed­er über die Zulas­sung der
Anklage noch über einen Prozesster­min entsch­ieden wer­den kon­nte.

In Witt­stock selb­st war nur eine flaue Reak­tion zu hören. Der Leit­er des
Ord­nungsamtes, Wal­ter Hah­ne­mann (partei­los), nan­nte die Wahl von Wirth nur
“legit­im”.

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