17. August 2004 · Quelle: Junge Welt

Städtische Ignoranz angeprangert

(Junge Welt, Christoph Schulze) Wie reagiert man auf einen Neon­azian­griff von solch unge­heuer­lich­er Bru­tal­ität, wie er sich Anfang Juni im bran­den­bur­gis­chen Frankfurt/Oder ereignete? »Zumin­d­est darf man nicht ein­fach schweigen, wie es die Stadtrepräsen­tan­ten tun«, sagte eine Frank­fur­terin, die am Fre­itag abend an der antifaschis­tis­chen Demon­stra­tion in der Stadt teil­nahm. Ins­ge­samt gin­gen rund 350 Men­schen, zumeist autonome Antifaschis­ten aus Bran­den­burg und Berlin, auf die Straße, um gegen Gewalt von rechts zu protestieren. 

Die Tat, die den Anlaß zur Demo gab, war auch für bran­den­bur­gis­che Ver­hält­nisse ungewöhn­lich grausam: Stun­den­lang war Gun­nar S. von fünf Recht­en gefoltert wor­den, nach­dem sie ihn auf offen­er Straße im Frank­furter Plat­ten­bau-Stadt­teil Neube­ser­inchen ent­führt hat­ten. Der 32jährige wurde geschla­gen, Zigaret­ten wur­den auf sein­er Haut aus­ge­drückt, er wurde gezwun­gen, Vogelkot zu essen, man verge­waltigte ihn mit einem Besen­stiel. Nach­dem Gun­nar S. gefun­den wurde, mußten ihn die Ärzte zeitweise in ein kün­stlich­es Koma ver­set­zen, so schlimm waren seine Schmerzen. Immer noch ist ein­er der Tatverdächti­gen, der Neon­azi Ron­ny Bret­tin, flüchtig. Das Motiv ist weit­er­hin unklar. Fest ste­ht, daß Gun­nar S. früher der Frank­furter Punkszene ange­hörte und seine Peiniger stadt­bekan­nte Recht­sex­treme sind. Schon 2003 war ein ehe­ma­liger Punk in Frank­furt von Recht­en über­fall­en und gefoltert wor­den. Das Opfer starb. 

Gle­ich zu Beginn der Demon­stra­tion am Fre­itag kam es zu Pro­voka­tio­nen durch Rechte und bald darauf zu Rangeleien mit der Polizei. Die Ord­nung­shüter hat­ten schon im Vor­feld klargemacht, daß sie von dem Antifa-Aufzug nichts hiel­ten. In Rede­beiträ­gen war­fen die Antifas der Stadt Igno­ranz im Umgang mit rechter Gewalt vor. So wür­den die recht­en Umtriebe, etwa die ras­sis­tis­chen Angriffe in der Nähe der Diskothek »B5«, kaum thematisiert. 

Am Sonnabend gab es im süd­bran­den­bur­gis­chen Fin­ster­walde eine weit­ere Demon­stra­tion von rund 200 Antifas, die mit der Forderung »Linke Freiräume schaf­fen!« antrat­en. Alter­na­tive Kul­tur sei notwendig, um den Recht­en Ein­halt zu gebi­eten. Süd­bran­den­burg ist seit Jahren als Rück­zugs­ge­bi­et für Rechte bekan­nt. Offen­bar set­zt die Bran­den­burg­er Antifa generell ver­stärkt auf Demon­stra­tio­nen als poli­tis­ches Mit­tel. Waren es son­st um die fünf Kundge­bun­gen jährlich, so gab es 2004 bis jet­zt schon zehn. Weit­ere sechs sind bis zum Jahre­sende geplant. Beden­klich nur, daß zeit­gle­ich mit der Fin­ster­walder Demon­stra­tion in Witt­stock Neon­azis ungestört zu Ehren des Nazikriegsver­brech­ers Rudolf Heß aufmarschierten.

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