7. Mai 2003 · Quelle: MAZ

Studenten untersuchen rechte Tendenzen unter Oranienburgs Jugend

ORANIENBURG Wie ist es um den Recht­sradikalis­mus in Oranien­burg bestellt? Dieser Frage gin­gen die Berlin­er Stu­den­ten Lisa Wandt, Tan­ja Lakkeit und Ingo Gras­torf nach. Zusam­men mit ihrem Koor­di­na­tor Gabriel Ralf macht­en
sich die drei vom Otto-Suhr-Insti­tut an der Freien Uni­ver­sität Berlin ein Jahr lang in der Stadt auf Spuren­suche. So sprachen sie neben recht­sradikalen
Jugendlichen und einem NPD-Mit­glied auch mit Opfern recht­sradikaler Gewalt­tat­en sowie Poli­tik­ern, Polizei und Jugend­ver­bän­den.

Die Ergeb­nisse ihrer Arbeit präsen­tierten sie gestern auf der Eval­u­a­tion­sta­gung vom Jugend­pro­jekt Xenos “Auf den Busch gek­lopft” im Kreistagssaal des Land­kreis­es Ober­hav­el. Ihr Faz­it: In Oranien­burg gibt es zwis­chen 80 und 100 recht­sex­treme Jugendliche. Rund 40 von ihnen sind nach
Auf­fas­sung der Stu­den­ten gewalt­bere­it.

Grund­lage ihrer Unter­suchung ist die 1996 erschienene Studie “Ich will mich nicht daran gewöh­nen” von Hajo Funke. Darin befasst sich der Pro­fes­sor von der FU Berlin mit Recht­sradikalis­mus in Oranien­burg. “Wir woll­ten sehen, wie
sehr sich die Sit­u­a­tion in der Stadt seit­dem verän­dert hat”, erzählt Tan­ja Lakkeit.

Ein Großteil der Bürg­er nehme den Recht­sradikalis­mus in der Stadt immer
noch
stillschweigend hin, stell­ten die vier in ihrem Vor­trag fest. So säßen
viele
rechte Jugendliche unbe­hel­ligt in T‑Shirts mit recht­en Slo­gans in
lokalen
Cafés oder auf öffentlichen Plätzen. Der Hass der Jugendlichen richte
sich
vor allem gegen Aus­län­der, Schwule, Behin­derte und Juden. Für die
Betrof­fe­nen sei die Leben­squal­ität in der Stadt deshalb erhe­blich
eingeschränkt, weil sie die Tre­ff­punk­te der Jugendlichen umge­hen
müssten.

Aber nicht nur ein Großteil der Bevölkerung reagiere mit Ver­drän­gung
auf das
Prob­lem. Auch Poli­tik­er, Polizei und Ver­bände set­zten sich nicht
aus­re­ichend
mit den recht­en Jugendlichen auseinan­der. “Die meis­ten begrün­den das
mit der
Ver­gan­gen­heit. In den Neun­zigern wäre der Recht­sex­trem­is­mus schließlich
viel
schlim­mer gewe­sen. Da sei die heutige Sit­u­a­tion doch kein so großes
Prob­lem”, so Lisa Wandt in ihrem Vor­trag. “Zudem wird gerne auf andere
Regio­nen ver­wiesen, in denen es größere Schwierigkeit­en mit recht­en
Jugendlichen gäbe. Oder es wer­den andere Prob­leme der Stadt als
drin­gen­der
dargestellt”, kri­tisierte die Poli­tik-Stu­dentin.

Lobend erwäh­nt wurde dage­gen Oranien­burgs Bürg­er­meis­ter Hans-Joachim
Laesicke. “Er set­zt sich aktiv gegen Ras­sis­mus ein und beteiligt sich
auch
an Demon­stra­tio­nen”, so die Stu­dentin.

Auch die örtlichen Schulen standen in der Kri­tik. Zwar gäbe es Schüler-
Pro­jek­te wie die “AG gegen rechts”, all­ge­mein gäbe es an den
Lehranstal­ten
aber zu wenig Aufk­lärungsar­beit.

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