17. September 2004 · Quelle: MOZ

Synagoge unvergessen

Wriezen (MOZ) Das Wohnen im Wriezen­er Stadtzen­trum ist beliebt. Und so
ist die stadteigene Woh­nungs­bauge­sellschaft HaGe­Ba auch kein großes
Risiko bei der Entschei­dung einge­gan­gen, den in den 50-er Jahre in der
Garten­straße errichteten Wohn­block gründlich zu sanieren. Für acht
Miet­parteien verbessern sich die Wohn­ver­hält­nisse. Rund 170 000 Euro hat
die Gesellschaft dafür an Eigen­mit­teln investiert, wobei die Mieter mit
dem Pro­jekt ein­ver­standen waren, wie Geschäfts­führer Hart­mut Fahl auf
Nach­frage der MOZ informierte. 

Architek­tin Mar­ti­na Mey­er und die Bau­un­ternehmer Hans-Georg Schlaegel
und Andreas Peter hat­ten bei der Aus­führung auch dem Umstand Rech­nung zu
tra­gen, dass das Wohn­haus an beson­der­er Stelle ste­ht. Genau dort befand
sich bis zur Reich­skristall­nacht im Novem­ber 1938 das Por­tal ein­er der
größten Syn­a­gogen des Oder­lan­des. Ein Naturstein-Mauer­w­erkssock­el und
eine Erin­nerungstafel haben auch nach der Fas­saden­sanierung wieder ihren
Platz an der Hausecke erhalten. 

Grund für Bürg­er­meis­ter Uwe Siebert zur feier­lichen BauÜber­gabe daran zu
erin­nern, dass die jüdis­che Gemeinde zu Wriezen seit dem 16 Jahrhundert
in der Oder­bruch­stadt wirk­te, dort 1730 einen eige­nen Fried­hof anlegte.
Nach­dem die Stadt 1820 das an dieser Stelle befind­liche Haus Num­mer 358
erwor­ben hat­te, erwarb es die jüdis­che Gemeinde 1921 und errichtete dort
ihre Syn­a­goge. Siebert erin­nerte an die Lei­dens­geschichte jüdischer
Wriezen­er, deren Gotte­shaus 1938 von Faschis­ten angezün­det wurde. Die
Feuer­wehr wurde in jen­er Nacht daran gehin­dert, auszurück­en um den Brand
zu löschen. Einige jüdis­che Mit­bürg­er kon­nten noch Ende der 30er Jahre
fliehen. Zu eini­gen wie Fam­i­lie Feller in Israel pflegt die Stadt bis
heute Kon­takt. Erich Bieber und der dama­lige Bürg­er­meis­ter Manfred
Schwab gehörten zu den Ini­tia­toren, die das Anbrin­gen der Tafel am
Wohn­haus ini­ti­ierten. Als Zeitzeu­g­in jen­er Nacht, in der die Synagoge
angezün­det wurde, war Käthe Arnold, Nachkomme ein­er der ältesten
Kolonis­ten­fam­i­lien im Oder­bruch, zur feier­lichen Über­gabe gekom­men. Sie
freute sich darüber, dass auch die Inschrift der Gedenk­tafel noch
restau­ri­ert wird. 

Siebert stellte als jüng­ste Sanierung­spro­jekt in den Zusam­men­hang der
seit Jahren erfol­gre­ichen Auf­bauar­beit in der Stadt. Leis­tun­gen, die
auch Jut­ta Lieske, Bürg­er­meis­terin von Letschin, Respekt abverlangten.

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