5. April 2005 · Quelle: Die Fraktion "Die Andere"

Synode soll Garnisonkirchenkopie ablehnen

Vor der Syn­ode des Kirchenkreis­es Pots­dam hat sich die Frak­tion Die Andere gegen das Nutzungskonzept für die Gar­nisonkirche gewandt. In einem Schreiben fordert der Frak­tionsvertreter im Beirat Pots­damer Mitte, Dr. Wol­fram Mey­er­höfer, die Syn­odalen auf, bei der Errich­tung eines Ver­söh­nungszen­trums einen „echt­en Bruch zu bauen“, also auf die Errich­tung ein­er Gar­nisonkirchenkopie zu verzicht­en. Die Andere hält es für wenig ein­leuch­t­end, für ein neu zu errich­t­en­des Ver­söh­nungszen­trum aus­gerech­net die Kopie ein­er Mil­itärkirche nachzubauen: „Das vorgeschla­gene nachträgliche Abkratzen der Waf­fen wirkt wie eine hil­flose Entschuldigung, nicht wie eine Infragestel­lung der mil­itärischen Funk­tion dieser Kirche.“

Mey­er­höfer ver­weist auf den Umstand, daß die Kirche nicht mehr ste­ht. Würde sie noch ste­hen, dann kön­nten die Verän­derun­gen eine sym­bol­is­che Kraft ent­fal­ten. In ein­er „Organik der Verän­derung“ hätte es vielle­icht einen Zeit­punkt gegeben, an dem eine Gemeinde entsch­ieden hätte, sich auch baulich unter das Nagelkreuz zu stellen. Die Debat­te wäre dann eine inhaltliche gewe­sen und keine darum, ob man mit einem solchen Kom­pro­miss nicht doch noch die TPG-Mil­lio­nen bekommt. Die Kirche ste­ht aber nicht mehr. Dies bringt nicht nur mit sich, daß die Errich­tung ein­er Kopie städte­baulich igno­rant ist und daß das Konzept Nutzun­gen unver­bun­den aneinan­der­rei­ht, die in vorhan­de­nen oder in nutzung­sori­en­tiert ent­wor­fe­nen Gebäu­den stim­miger zu ver­wirk­lichen wären. Es bringt vor allem mit sich, daß der Nach­bau kein Bau ist, der Gestern und Heute im Sinne ein­er Ver­söh­nung baulich inter­pretiert. Eine solche Inter­pre­ta­tion ist auch nicht durch eine Kom­mis­sion zu leis­ten, die einen Nach­bau inhaltlich füllen soll. Eine solche Inter­pre­ta­tion ist ein kün­st­lerisch­er Prozess, der der Offen­heit bedarf. Der Nach­bau, der einen Bruch mit­baut, ist dann nur eine Option von vie­len.

Mey­er­höfer fordert weit­er­hin, die Logik der Zer­störung der Sym­bole des jew­eils let­zten Mächti­gen bzw. Gestürzten zu ver­lassen. Zur Ver­söh­nung gehört auch, daß die dama­li­gen Befür­worter der Zer­störung ihre Gründe dar­legen und rück­blick­end eine Bew­er­tung vornehmen, denn es han­delte sich nicht um eine undurch­dachte Entschei­dung. Er halte es zum Beispiel für denkbar, daß damals eine Bevölkerungsmehrheit den Abriß der Kirche aus ver­schiede­nen Grün­den befür­wortet hat. Ver­söh­nung bedeutet dann Auseinan­der­set­zung mit der eige­nen Rolle im His­torischen. Sie bedeutet auch die Reflex­ion eigen­er Verän­derung und Erfahrung.
Die Frak­tion Die Andere fordert die Syn­odalen auf, ein Ver­söh­nungszen­trum möglichst bald und unab­hängig von einem Nach­bau zu erricht­en und einen Neubau entsprechend den Bedürfnis­sen eines Ver­söh­nungszen­trums zu pla­nen, statt ein Ver­söh­nungszen­trum in die Bedürfnisse eines Nach­baus zu pressen. Und sie fordert, in Respekt und in ern­sthafter Auseinan­der­set­zung mit dem Ver­gan­genen ein Neues zu schaf­fen statt ein Altes lediglich zu kopieren.

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