20. April 2005 · Quelle: MAZ

Tafel erinnert an KZ-Häftlinge

(MAZ, 19.4.) BABELSBERG Eine pro­vi­sorische Gedenk­tafel, die an die 100 Häftlinge des
Pots­damer Außen­lagers des KZ Sach­sen­hausen erin­nert, wurde gestern auf dem
Cam­pus Grieb­nitzsee vor der Bib­lio­thek enthüllt. Die Ver­anstal­ter, der
Fre­undin­nenkreis des Sach­sen­hausen-Komi­tees, forderten ins­beson­dere die
Uni­ver­sität Pots­dam auf, sich mit der Geschichte des Gelän­des auseinan­der zu
set­zen. Die Pots­damer His­torik­erin Almuth Püschel mah­nte in ihrer Rede, das
KZ-Außen­lager habe wed­er in der Region­algeschichte, noch in der Pots­damer
Gedenkkul­tur Nieder­schlag gefun­den.

Öffentlich bekan­nt ist die Exis­tenz des Außen­lagers bere­its seit 1961, als
es in ein­er Broschüre des Sach­sen­hausen-Komi­tees erwäh­nt wurde. Seit 1969
wird es auch vom Inter­na­tionalen Such­di­enst in Bad Arolsen genan­nt,
erläutert Püschel. Hin­weise auf das Außen­lager fand die His­torik­erin Anfang
der 90er Jahre, als sie zur Entste­hung der Ufa in Babels­berg recher­chierte.
In ihrem 2002 erschienen Buch “Zwangsar­beit in Pots­dam” wies sie auf das
Lager hin. In der vom Zen­trum für Anti­semitismus­forschung an der TU Berlin
her­aus­gegebe­nen Pub­lika­tion “Orte des Ter­rors — Die Geschichte der
nation­al­sozial­is­tis­chen Konzen­tra­tionslager” soll voraus­sichtlich im
kom­menden Jahr ein län­ger­er Beitrag erscheinen.

Danach bestand das Außen­lager zwis­chen dem 1. Juli 1944 und März 1945 auf
dem Gelände des Zen­tralde­pots des Deutschen Roten Kreuzes. Wie Marek Win­ter
vom Fre­undin­nenkreis berichtet, ent­standen gegen Kriegsende in Berlin und
Bran­den­burg eine Vielzahl dieser so genan­nten Außenkom­man­dos, in denen die
Häftlinge zur Zwangsar­beit in der Kriegspro­duk­tion einge­set­zt wur­den. Im
Pots­damer Außen­lager ließ das Bau­un­ternehmen Polen­sky und Zöll­ner von
Häftlin­gen und ein­er nicht bekan­nten Zahl von Zwangs- und Frem­dar­beit­ern
Luftschutzan­la­gen für das Per­son­al des DRK sowie die Babels­berg­er
Zivil­bevölkerung erricht­en, sagt Püschel. Herkun­ft und Schick­sal der
Häftlinge liegen weit­ge­hend im Dunkeln. Ein Insasse gab 1946 an, es habe
Über­griffe durch Wärter auf pol­nis­che, ukrainis­che und deutsche Häftlinge
gegeben.

Püschel ver­mutet, das Vergessen sei durch die nach­fol­gende Geschichte
begün­stigt wor­den: Bis 1952 befand sich auf dem Gelände das Oberkom­man­do der
rus­sis­chen Stre­itkräfte. Später die Akademie für Staats- und
Rechtswis­senschaft, die im Kalten Krieg im schw­er zugänglichen Gren­zge­bi­et
lag. Wie der Ref­er­ent des Rek­tors der Uni­ver­sität, Rico Jahnke, gestern
mit­teilte, plane die Hochschule, die Geschichte aller Stan­dorte umfassend
aufzuar­beit­en. Dann werde entsch­ieden, “wie der Opfer auf Dauer angemessen
und würdig gedacht wer­den kann” .

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