20. April 2005 · Quelle: MAZ

Umbenennung vorerst gestoppt

(MAZ, 19.4.) ORANIENBURG Die Umbe­nen­nung der Reichen­bergstraße in Sach­sen­hausen wurde
gestern Abend vom Oranien­burg­er Haup­tauss­chuss zunächst zurück­gestellt. Der
bünd­nis­grüne Stadtverord­nete Hein­er Klemp übte mas­sive Kri­tik an dem
Vorschlag, die Straße nach dem ehe­ma­li­gen öster­re­ichis­chen Bun­deskan­zler
Kurt Schuschnigg zu benen­nen, der von 1941 bis 1945 im KZ Sach­sen­hausen
inhaftiert war.

Schuschnigg sei ein aus­gewiesen­er Anti­demokrat und Anti­semit gewe­sen, so
Klemp. Als Innen­min­is­ter sei er 1933 dafür ver­ant­wortlich gewe­sen, dass in
Öster­re­ich so genan­nte “Anhal­te­lager”, unter anderem nach dem Vor­bild des KZ
Oranien­burg, errichtet wur­den. Der Poli­tik­er sei der Toten­gräber der ersten
öster­re­ichis­chen Repub­lik gewe­sen, auch wenn er später den Anschluss
Öster­re­ichs an Deutsch­land ver­hin­dern wollte und als “feindlich­er
Staats­mann” im KZ Sach­sen­hausen interniert wurde.

Baus­tad­trat Frank Olters­dorf und Stadtverord­neten­vorste­herin Hilde­gard Busse
erk­lärten, dass der Namensvorschlag mit der Gedenkstätte Sach­sen­hausen
abges­timmt wor­den sei. Auch für den Kiefer­n­weg in Lehnitz solle es neue
Recherchen geben. Die Stadt will bei der Lan­des­denkmalpflege nach­hak­en, ob
es Ein­wände gegen die Umbe­nen­nung in Else-Wolf-Weg gibt.

Bei ein­er Gegen­stimme stimmten der Haupt- und ‑Finan­zauss­chuss schließlich
mit den genan­nten Ein­schränkun­gen für die Straßenum­be­nen­nungsliste, die mehr
als 100 Namen in ganz Oranien­burg ein­schließlich aller acht Ort­steile
umfasst.

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