16. November 2008 · Quelle: ND

Tatort Rüstung und Militärstudien

(Vom 15.11.2008)

Peter Nowak

Vor den Toren der MAN-Fil­iale im Bran­den­burg­er Indus­triege­bi­et spiel­ten sich am
Don­ner­sta­gnach­mit­tag selt­same Szenen ab. Men­schen mit weißen Over­all hantierten mit
Mess­geräten. Auf einem Absper­rband klebten Schilder mit der Auf­schrift“ Bitte Tatort
nicht betreten“.
Hier waren Aktivis­ten der „anti­mil­i­taris­tis­chen Tatortin­spek­tion“ bei der Arbeit.
Anti­mil­i­taris­ten aus Berlin und Bran­den­burg haben am Don­ner­stag Orte besucht, die
mit Krieg und Mil­i­taris­mus in Verbindung ste­hen. Der Besuch der MAN-Fil­iale hat­te
mehrere Gründe. Es han­delt sich um einen weltweit agieren­den Rüs­tungskonz­ern. Hinzu
kommt ein aktueller Grund. Am 31.7.2007 sind drei Män­ner ver­haftet wor­den, denen von
der Polizei vorge­wor­fen wird, Brand­sätze unter auf dem MAN-Gelände gepark­te
Mil­itär­fahrzeuge gelegt zu haben. Zur Zeit wird gegen die Män­ner vor dem Berlin­er
Amts­gericht nicht nur wegen ver­suchter Brand­s­tiftung ver­han­delt. Die Anklage wirft
ihnen auch Mit­glied­schaft in der mil­i­tan­ten gruppe (mg) vor. Die anti­mil­i­taris­tis­che
Tour begann am Don­ner­stag­mit­tag vor dem Amts­gericht. Zuvor wurde auf ein­er
Kundge­bung kri­tisiert, dass in dem Ver­fahren die Tren­nung zwis­chen Polizei und
Ver­fas­sungss­chutz zunehmend aufge­hoben werde. „Die Akten wer­den zwis­chen den
eigentlich aus guten Grund getren­nten Instanzen hin- und hergeschoben“, kri­tisierte
eine Red­ner­in. Prozess­be­such­er berichteten über schikanöse Ein­lasskon­trollen. Selb­st
die Mit­nahme von Kugelschreiber und Notizblock sei oft nicht möglich. Mit der
anti­mil­i­taris­tis­chen Tour wolle man die Angeklagten unter­stützen, erk­lärte ein
Red­ner. Dabei wolle man nicht über Schuld oder Unschuld spekulieren son­dern betone
generell Berech­ti­gung von anti­mil­i­taris­tis­chen Wider­stand. Der sei nicht auf
Mil­itärein­rich­tun­gen beschränkt.
Deswe­gen hat­ten die Aktivis­ten vor der MAN-Fil­iale den Cam­pus der Pots­damer
Uni­ver­sität einen ein­stündi­gen Besuch abges­tat­tet. Mit ein­er Spon­tankundge­bung
wurde über den Stu­di­en­gang Mil­i­tary Stud­ies informiert. Nach Ansicht ein­er Red­ner­in
wird dort unter dem Deck­man­tel von Sicher­heits- und Kon­flik­t­forschung
Kriegsakzep­tanz betrieben. Allerd­ings waren nur wenige Kom­mili­to­nen bere­it, mit den
Aktivis­ten zu disku­tieren. Einige beschw­erten sich, dass sie durch die Kundge­bung
beim Essen gestört wer­den.
Allerd­ings hat­te es in der Ver­gan­gen­heit auch uni­ver­sitätsin­tern schon Kri­tik an den
Stu­di­en­gang Mil­i­tary Stud­ies gegeben“ . Die let­zte Sta­tion der Tour führte vor die
Hen­ning von Treschkow-Kaserne in Gel­tow. Dort werde ein Ein­satzkom­man­do der
Bun­deswehr aufge­baut, kri­tisierten Kriegs­geg­n­er auf ein­er Kundge­bung. Damit sollen
die weltweit­en Ein­sätze der Bun­deswehr koor­diniert wer­den.
Am Ende der Tour zeigten sich die Aktivis­ten mit der Aktion. Nur über die geringe
Res­o­nanz an der Uni­ver­sität und die Abwe­sen­heit von Arbeit­ern in der MAN-Fil­iale sei
man etwas ent­täuscht gewe­sen.

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