26. Februar 2019 · Quelle: Presseservice Rathenow

Templin widersteht menschenfeindlicher Stimmungsmache

In Tem­plin demon­stri­erte am Mon­tagabend eine extrem rechte Mis­chszene. Akteure aus NPD/JN, parteilose Neon­azis, Hooli­gans und AfD Klien­tel betrieben aggres­sive Stim­mungs­mache unter dem Deck­man­tel sozialpoli­tis­ch­er Forderun­gen. Ein buntes Bünd­nis Tem­plin­er Ini­tia­tiv­en und Parteien set­zte dem extrem recht­en Aufzug vielfältige Protest­for­men, wie ein­er „Schüler_innendemo“, eine antifaschis­tis­che Sitzblock­ade, Live­musik oder ver­bale Proteste in Hör- und Sichtweite ent­ge­gen.

Aggres­sive Stim­mungs­mache durch extrem rechte Mis­chszene

2019.02.25 Templin - Extrem rechter Aufmarsch und Proteste (13)

Gegen „Sozial­ab­bau“ sollte ursprünglich protestiert wer­den. Am Ende blieb auf der extrem recht­en Demon­stra­tion in Tem­plin nur men­schen­feindliche Het­ze.

Die Däm­merung set­zte bere­its ein, als sich am Mon­tagabend die Sym­pa­thisieren­den der angemelde­ten extrem recht­en Demon­stra­tion an der Egelp­fuhl-Schule in der Rosa-Lux­em­burg-Straße Ecke Straße der Jugend im uck­er­märkischem Tem­plin sam­melten. Die etwa 80 Teil­nehmenden waren einem Ver­anstal­tungsaufruf unter dem Mot­to: „Sozial­ab­bau stop­pen – Zukun­ft gestal­ten“ gefol­gt, um sich – gemäß einem A5 Flug­blatt – zu unter­schiedlichen The­men, wie zur „GEZ“, zu „Hartz 4 Sank­tio­nen“, zur soziale Gerechtigkeit,  zu ange­blich­er „Über­frem­dung“, einem gerecht­en Gesund­heitssys­tem, Mei­n­ungs­frei­heit, gerecht­en Löh­nen, bezahlbaren Wohn­raum, bezahlbaren Kita-Plätzen, gegen „Kriegstreiber“ und den Migra­tionspakt zu posi­tion­ieren.

Tat­säch­lich dominierten während des Aufzuges durch die Stadt jedoch Parolen wie „Asylflut stop­pen“ oder „wer Deutsch­land nicht liebt, soll Deutsch­land ver­lassen“. Die Demon­stri­eren­den gaben somit zu ver­ste­hen, dass ihr Antworten auf den „Sozial­ab­bau“ lediglich grup­pen­be­zo­gene Men­schen­feindlichkeit und Aus­gren­zung sind. Diese Ver­samm­lung hat­te somit einen deut­lich extrem recht­en Charak­ter.

Neon­azis waren darüber hin­aus auch in die Organ­i­sa­tion­struk­tur der Ver­anstal­tung einge­bun­den. Der Demowa­gen wurde vom Vor­sitzen­den des NPD Kreisver­ban­des Ober­hav­el, Burkhard Sah­n­er, gestellt. Ein bekan­nter JN Funk­tionär aus dem Land­kreis Ober­hav­el verteilte Bran­den­burg Fah­nen, seine Begleit­er hiel­ten ein Ban­ner mit der Auf­schrift: „Wir für Deutsch­land – gegen Über­frem­dung“. Die Eröff­nungsrede hielt der bun­desweit bekan­nte Neon­azi Dieter Riefling aus Hildesheim (Nieder­sach­sen).

2019.02.25 Templin - Extrem rechter Aufmarsch und Proteste (11)

Auch ein Tem­plin­er Stad­trat der AfD wurde auf der extrem recht­en Demon­stra­tion erkan­nt

Darüber hin­aus rei­ht­en sich in die Demon­stra­tion auch Per­so­n­en, die der in Bran­den­burg extrem rechts auftre­tenden AfD nahe ste­hen­den. Viele Gesichter waren bere­its bei den Protesten gegen Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel zu sehen, als diese am 8. Feb­ru­ar 2019 zu Ehren­bürg­erin von Tem­plin ernan­nt wurde. Die Demon­stri­eren­den tru­gen damals ein Ban­ner mit der Auf­schrift: „Nicht meine Kan­z­lerin – nicht meine Ehren­bürg­erin“. Das­selbe Stoff­stück diente auch gestern einem Demon­stra­tions­block als Aus­drucksmit­tel. Als einen der in diesem Block Demon­stri­eren­den wollen Szeneken­ner den frak­tion­slosen Tem­plin­er Stadtverord­neten Arib­ert Christ (AfD) erkan­nt haben. Der Stad­trat hat­te bere­its während ein­er Kundge­bung der AfD-nahen Ini­tia­tive „Heimatliebe Bran­den­burg“ am 9. Feb­ru­ar 2019 in Eber­swalde (Land­kreis Barn­im) zur Teil­nahme an der gestri­gen Demon­stra­tion in Tem­plin aufgerufen.

Wider­spruch durch unter­schiedliche Aktions­for­men

2019.02.25 Templin - Extrem rechter Aufmarsch und Proteste (1)

Antifaschis­tis­che Demon­stra­tion in Tem­plin

Doch Men­schen wie Arib­ert Christ haben in Tem­plin nicht die alleinige Deu­tung­shoheit über gesellschafts- und sozialpoli­tis­che The­men. Dem frak­tion­slosen Abge­ord­neten sowie den extrem recht­en Demon­stri­eren­den im Ort, ste­ht ein starkes Bünd­nis viel­er in der Tem­plin­er Stadtverord­neten­ver­samm­lung vertreten­er Parteien sowie außer­par­la­men­tarisch­er Ini­tia­tiv­en gegenüber.

Auch gestern mobil­isierte das Bunte Bünd­nis Tem­plin zu vielschichti­gen Protesten gegen den extrem recht­en Aufzug.

Eine „Schüler_innendemo“ demon­stri­erte beispiel­sweise in der Darg­ers­dor­fer Straße mit knapp 100 Teil­nehmenden gegen Ras­sis­mus und die AfD.

In der Nähe des Bah­nüber­gangs in der Robert-Koch-Straße ver­sucht­en unge­fähr 15 Antifaschis­ten den Aufzug der extrem Recht­en durch eine Sitzver­samm­lung zu block­ieren.

Im Bere­ich eines Super­mark­tes sowie in einzel­nen Straßen­zü­gen protestieren Pas­san­ten außer­dem spon­tan sowie in Hör- und Sichtweite gegen den extrem recht­en Auf­marsch.

Eine zen­trale Gegenkundge­bung fand zudem auf dem Mark­t­platz in der his­torischen Alt­stadt von Tem­plin statt. Dort ver­sam­melten sich min­destens hun­dert Teil­nehmende zu Rede­beiträ­gen und Live­musik für Weltof­fen­heit und Demokratie.

Den extrem recht­en Demon­stri­eren­den wurde somit die in ihrem Mobil­isierungs­flug­blatt abge­druck­te Behaup­tung, sie seien „das Volk“ und somit das alleinige Sprachrohr der Bewohnen­den Tem­plins, wider­legt.

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