4. Oktober 2006 · Quelle: PNN

Töpfern in der Fahrradwerkstatt

Das unab­hängige „Soziale Zen­trum“ in Babels­berg wächst: Seit Mon­tag ist ein Werkhaus für Kreative geöffnet

Babels­berg — Ein paar Holzspäne liegen bere­its auf der wuchti­gen Kreis­sä­gen-Maschiner­ie. Und auch die Elek­tro-Fräse daneben sieht benutzt aus. Doch sind die bei­den Geräte nagel­neu, wie Tobias Schultze ver­sichert. Der selb­st­ständi­ge Tis­chler ist ein­er der acht Fach­ber­ater im seit Mon­tag geöffneten Werkhaus des „Sozialen Zen­trums“ Pots­dam. In dem Bau neben dem eigentlichen Haupt­ge­bäude soll sich eine Art Werk­statt für jed­er­mann etablieren, in der selb­st Laien­handw­erk­er unter Auf­sicht beispiel­sweise selb­st Regale zim­mern kön­nen. „Mit diesen Werkzeu­gen sind selb­st anspruchvolle Heimw­erkar­beit­en möglich“, sagt Schultze.

Der nun offene rund 350 Quadrat­meter große Raum ist für den Vere­in zur Förderung inno­v­a­tiv­er Wohn- und Lebens­for­men (Inwole) e.V. der näch­ste Schritt hin zur Umset­zung sein­er Ideen, in der Rudolf-Bre­itscheid-Straße 164 ein weit­ge­hend selb­st finanziertes und unab­hängiges soziokul­turelles Zen­trum aufzubauen (PNN berichteten). „Es gibt schon viele Anfra­gen von Leuten, die das Werkhaus nutzen wollen“, gibt sich Hol­ger Zschoger von Inwole opti­mistisch. So könne sich das Ober­lin­haus vorstellen, in der Werk­statt einige sein­er Pro­jek­te mit behin­derten Jugendlichen durchzuführen. Denn nicht nur Holzarbeit­en sind im Werkhaus des Inwole-Vere­ins möglich. Gle­ichzeit­ig lässt sich hier das eigene Fahrrad repari­eren oder Keramik erst auf der Töpfer­scheibe gestal­ten und dann im eigens dafür angeschafften Ofen bren­nen. „Die Mate­ri­alien kön­nen wir nach Absprache selb­st stellen – oder die Leute brin­gen sie mit“, sagt Zschoger. Noch in Pla­nung ist etwa eine Fotow­erk­statt in der Etage darüber, Extra-Kurse für Kinder sowie der Ein­bau eines Brot- und Pizzaofens.

Für die Koor­di­na­tion des Betriebs sei bis jet­zt eine Stelle geschaf­fen, der Rest funk­tion­iere noch ehre­namtlich. Die Idee für so ein Mod­ell kommt von der Forschungs­ge­sellschaft „Ans­tiftung“ aus München, die auch einen Teil der Werkzeuge finanziert hat. „Das Mod­ell des Sozialen Zen­trums hier gefällt uns deswe­gen gut, weil diese jun­gen Leute völ­lig eigen­ständig ver­suchen ihre Träume zu ver­wirk­lichen“, sagt Kurt Horz, der aus München zur Eröff­nung des Werkhaus­es angereist ist. Und er macht Mut: Mit einem Mix aus Pro­jek­t­förderun­gen, bezahlten Kursen und pri­vater Kund­schaft sei so ein Werkhaus irgend­wann finanziell unab­hängig – zumal es nur ein Teil der Gesamtvi­sion „Soziales Zen­trum“ Pots­dam sei.

Denn auch an den anderen Bere­ichen des Pro­jek­ts wird weit­er gear­beit­et. Zurzeit werde mit der Pots­damer Arbeits­ge­mein­schaft zur Grund­sicherung für Arbeitssuchende und der Stadt über qual­i­fizierende ABM-Stellen berat­en, mit denen bis zu zehn Jugendliche das Haupthaus mit sanieren helfen kön­nten. Keine Lösung muss sich der Inwole-Vere­in dage­gen für die anfal­l­en­den Holzspäne im neuen Werkhaus aus­denken: Diese wer­den im Öko-Ofen nebe­nan zu Wärme für den Haupt­bau umgewandelt.

Das Werkhaus im Inter­net: www.werkhaus-potsdam.de

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