20. Oktober 2007 · Quelle: PNN

Toleranzedikt fertig

(Hen­ri Kramer) Die Neu­fas­sung des Pots­damer Tol­er­anzedik­ts ist geschrieben. Dies bestätigte der Autor, Heinz Kleger, Pro­fes­sor für Poli­tis­che The­o­rie an der Uni­ver­sität Pots­dam, gestern den PNN. Eine Experten­gruppe werde den vor­liegen­den Entwurf jet­zt disku­tieren und weit­er aus­feilen, sagte Dieter Jetschmanegg, Ref­er­ent von Ober­bürg­er­meis­ter Jann Jakobs. Die Gruppe ist mit promi­nen­ten Pots­damern beset­zt: Unter anderem gehört ihr Uwe-Karsten Heye an, der ehe­ma­lige Sprech­er der Bun­desregierung und nun Vor­sitzen­der des Vere­ins „Gesicht Zeigen! – Aktion weltof­fenes Deutsch­land e.V.“ Eben­so in dem Gremi­um vertreten ist Fach­hochschul­rek­torin Helene Klein. Alle Mit­glieder leben in Potsdam. 

Ist der Entwurf des Edik­ts von der Experten­gruppe über­ar­beit­et, soll er Anfang 2008 öffentlich vorgestellt und disku­tiert wer­den, hieß es. Ziel soll ein umfan­gre­ich­es The­sen­pa­pi­er sein, mit dem sich möglichst viele öffentliche Insti­tu­tio­nen Pots­dams zu Tol­er­anz verpflicht­en und das in der Lan­deshaupt­stadt möglichst weite Ver­bre­itung find­et. Das Pro­jekt entste­ht dabei in Anlehnung an das his­torische Bran­den­burg­er Tol­er­anzedikt von 1685. Damals erließ Kur­fürst Friedrich Wil­helm das Edikt von Pots­dam, mit dem er die Ansied­lung von geflüchteten franzö­sis­chen Hugenot­ten in Bran­den­burg erle­ichterte. „Wir möcht­en mit der Neu­fas­sung des Pots­damer Edik­ts kein Event pro­duzieren, son­dern eine inhaltliche Auseinan­der­set­zung mit dem The­ma Tol­er­anz“, sagte Kleger den PNN

Die Idee zu dem Pro­jekt ent­stand kurz nach dem Angriff auf den Pots­damer Ermyas Muluge­ta am Oster­son­ntag 2006. Zunächst war man damals von einem ras­sis­tis­chen Motiv der Tat aus­ge­gan­gen, bei der der Deutsch-Äthiopi­er lebens­ge­fährlich ver­let­zt wurde. Danach hat­te Ober­bürg­er­meis­ter Jann Jakobs mit einem Maß­nah­menkat­a­log für die Stadt reagiert, in dem auch die Neu­fas­sung des Edik­ts genan­nt wurde. Im Früh­jahr war das Pro­jekt Teil der gescheit­erten Bewer­bung Pots­dams zur Stadt der Wis­senschaft – allerd­ings hat­te der aus­rich­t­ende Stifter­ver­band der deutschen Wis­senschaft eine Extra-Förderung in bis­lang unbekan­nter Höhe für das neue Edikt angekündigt. 

Und auch ein andere Pro­jek­tidee aus der Zeit der Bestürzung nach dem Angriff auf Muluge­ta kann nun offen­bar ange­gan­gen wer­den: Nach PNN-Infor­ma­tio­nen will die Europäis­che Union eine inter­na­tionale Kon­ferenz fördern, bei der Pots­dam und seine sieben Part­ner­städte gemein­sam über Strate­gien gegen Ras­sis­mus disku­tieren können.

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