21. März 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Tomeg Nord schon mit zweitem Erfolgserlebnis

WITTSTOCK Die Straftat ist aufgek­lärt. In der ver­gan­genen Woche wurde der Jugend­klub in Glienicke ver­wüstet. Es gab Schmier­ereien, Zettel mit Beschimp­fun­gen und Hak­enkreuzen lagen herum. Auch am ver­gan­genen Son­ntag wur­den wieder Schmier­ereien und Dro­hzettel ent­deckt. Zunächst gab es keine Hin­weise auf den Täter. Die Witt­stock­er Son­derkom­mis­sion (Soko) “Tomeg Nord” hat ihn jet­zt ermit­telt: einen 13-jähri­gen Jun­gen.

Für Tomeg-Chef Stef­fen Deck­er ein weit­eres Zeichen dafür, wie stark der Recht­sex­trem­is­mus in der Region Fuß gefasst hat. Tomeg ste­ht für “Täteror­i­en­tierte Maß­nah­men gegen extrem­istis­che Gewalt”. Die Son­derkom­mis­sion set­zt sich aus Polizis­ten des Schutzbere­ich­es Ost­prig­nitz-Rup­pin und Prig­nitz zusam­men. Schw­er­punkt der Ermit­tlungsar­beit sind die Witt­stock­er und Pritzwalk­er Region. Aber auch Meck­len­burg-Vor­pom­mern haben die Beamten im Visi­er. Zusät­zlich­es Per­son­al gibt es derzeit nicht. Neu an der Soko ist vor allem, dass kreis- und län­derüber­greifend ermit­telt wird.

Der Soko gehören 15 Polizis­ten, bei Bedarf aber auch 30 oder mehr an. Damit soll auf die Organ­i­sa­tion­sstruk­turen und hohe Mobil­ität der Extrem­is­ten reagiert wer­den. “Wir stellen beispiel­sweise 40 rechte Per­so­n­en in ver­sprengten Grup­pen fest, die sich in kurz­er Zeit an einem Ort ver­sam­meln kön­nen.” Und an Aufmärschen der Recht­sex­tremen in Witt­stock beteili­gen sich Demon­stran­ten aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Berlin, Bre­men und Ham­burg. Rund 90 Per­so­n­en in bei­den Land­kreisen rech­net Deck­er zum Kreis der Extrem­is­ten. 25 Per­so­n­en aus der Witt­stock­er Region hält Deck­er für recht­sex­trem und gewalt­bere­it, 17 rech­net er zum harten Kern. In Pritzwalk sind es 10. Das Alter der Täter bewege sich zwis­chen 14 und 25 Jahren.

Dabei stellt die Tomeg auch Verbindun­gen her: “Wenn jemand in der Dis­co rechte Parolen brüllt und später vor der Tür jeman­den zusam­men­schlägt, wer­den bei­de Delik­te zusam­men an die Staat­san­waltschaft Neu­rup­pin gegeben”, so Deck­er. Tat­fahrzeuge kön­nen beschlagnahmt, Führerscheine ent­zo­gen wer­den.

Allerd­ings sei die Reak­tion auf Delik­te unter­schiedlich. So hat der Tomeg-Chef fest­gestellt, dass Pritzwalk­er eher Anzeige erstat­ten als Witt­stock­er. Der Soko gehe es deshalb auch darum, das Sicher­heits­ge­fühl in der Region wieder herzustellen. “Wir wer­den den Extrem­is­ten ständig auf den Füßen ste­hen und vor­beu­gend arbeit­en, bis in die Eltern­häuser”, so Deck­er. Die Polizei will auch mit Witt­stock­er Ini­tia­tiv­en gegen den Extrem­is­mus wie “Couragiert gegen Rechts” zusam­me­nar­beit­en.

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