14. Oktober 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Trebbin: Ultimatum abgelaufen

TREBBIN Das Ulti­ma­tum ist abge­laufen: Bis zum ver­gan­genen Fre­itag soll­ten sich die bei­den Feuer­wehrmän­ner Sil­vio Kahle und Stef­fen Thibault “ein­deutig und nach­haltig von Recht­sex­trem­is­mus, Aus­län­der­feindlichkeit, Gewalt gegen Ander­s­denk­ende und Ras­sis­mus” dis­tanzieren, so die Forderung von Burkhard Hein­rich, Chef der Frei­willi­gen Feuer­wehr in Treb­bin (Tel­tow-Fläming). Anson­sten dro­he ihnen der Auss­chluss.


Kahle hat­te daraufhin in einem offe­nen Brief geschrieben, dass er “jegliche Art von Extrem­is­mus, Ras­sis­mus und Radikalis­mus sowie Gewalt und Ter­ror” ablehne. Er wehrte sich, in die Nähe von “braunen Brand­s­tiftern” gerückt wor­den zu sein. “Mir wurde eine Aus­sage untergeschoben, wonach ich das Haus eines Aus­län­ders nur löschen würde, weil es von einem Deutschen erbaut wurde”, so Kahle. “Ich habe niemals eine der­ar­tige Aus­sage getätigt.”

 

Auch Stef­fen Thibault behauptet gegenüber der MAZ, dass er sich bere­its vor vier Jahren von der recht­sex­tremen Szene gelöst habe. Er hoffe auf eine zweite Chance.

 

Eini­gen Mit­gliedern der Ini­tia­tive “Treb­bin Miteinan­der” reicht das nicht. Zu eini­gen Vor­wür­fen hät­ten sie gar nicht Stel­lung bezo­gen, moniert Jut­ta John. So war etwa Sil­vio Kahle im April 2001 am Über­fall auf einen dunkel­häuti­gen Amerikan­er in Witt­stock beteiligt. Über die aktuelle Ein­stel­lung Stef­fen Thibaults berichtete eine Jugendgericht­shelferin erst kür­zlich: Er habe ihr gegenüber Aus­län­der pauschal als “Sozialschmarotzer” beschimpft. “Die Dis­tanzierun­gen sind nicht glaub­würdig”, ärg­ert sich Jut­ta John. “Wir erwarten, dass sich bei­de klar äußern und nicht nur Lip­pen­beken­nt­nisse abgeben.” Auch Rena Ueck­ert von der Ini­tia­tive kri­tisiert, dass nach wie vor viele Fra­gen offen seien. Kri­tik kommt auch aus der Feuer­wehr: Für ihn per­sön­lich seien die Erk­lärun­gen nicht aus­re­ichend, macht Leit­er Hein­rich klar. Doch die Entschei­dung über das weit­ere Vorge­hen müssten nun der Treb­bin­er Bürg­er­meis­ter und der Amts­brand­meis­ter tre­f­fen.

 

Die Debat­te um die bei­den Feuer­wehrleute war eine Reak­tion auf deren kür­zliche Verurteilung vor dem Amts­gericht Luck­en­walde. Der Richter hat­te es als erwiesen ange­se­hen, dass sie an der Treb­bin­er Men­schen­jagd vor sechs Jahren beteiligt gewe­sen seien. Damals wur­den mehrere ital­ienis­che Bauar­beit­er teils schw­er ver­let­zt. Kahle und Thibault erhiel­ten eine Ver­war­nung und müssen Geld­strafen zwis­chen 400 und 600 Euro zahlen.

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