26. September 2005 · Quelle: MOZ

Trommelwirbel hinter Gittern

Wriezen (MOZ) Beim ersten Anti-Ras­sis­mus-Tag in der Jus­tizvol­lzugsanstalt haben die aktuell 135 inhaftierten Straftäter gemein­sam mit 16 Kün­st­lerin­nen und Kün­stlern aus Brasilien, Kana­da, Litauen, Georgien, Israel, Burk­i­na Faso und Deutsch­land musiziert, getanzt und The­ater gespielt. Zuvor waren die Gefan­genen eine Woche lang in der Schule hin­ter Git­tern auf die Pre­miere vor­bere­it­et wor­den — in einem fächerüber­greifend­en Pro­jekt, bei dem es vor allem um Strate­gien dafür ging, Kon­flik­te gewalt­frei zu lösen. Auch die Kul­tur­of­fen­sive vom Sonnabend wird im Unter­richt ausgewertet. 

“Es beein­druckt mich immer wieder, welche ver­bor­ge­nen Tal­ente in den jun­gen Män­nern steck­en”, sagte Anstalt­sleit­er Wolf-Dieter Voigt, nach­dem er die gemein­samen Auftritte der Kün­stler mit den Insassen der JVA beobachtet hat­te. Wie schon beim im Gefäng­nis erar­beit­eten The­ater­stück “Die Räu­ber von Wriezen” hat­te sich so manch­er schwere Junge mit einem Mal wie ver­wan­delt gezeigt. 

Dass der Anti-Ras­sis­mus-Tag hin­ter Git­tern wichtig sei, habe mit dem hohen Gewalt­po­ten­tial zu tun, das bei den Gefan­genen herrsche, betonte der Leit­er. Dies hätte draußen zu Straft­tat­en geführt und wirke sich in der JVA auf den Umgang der Inhaftierten miteinan­der aus. 

Ras­sis­mus und Gewalt ließen sich nur schw­er tren­nen, fand Til Dellers. Der Geschäfts­führer des Berlin­er Vere­ins “Interkun­st” hat­te die Sänger, Tänz­er und Schaus­piel­er nach Wriezen ein­ge­laden. Über­zo­gene Reak­tio­nen hät­ten oft mit Scheu und Angst vor Unbekan­ntem zu tun, urteilte er. “Was wir ken­nen, das respek­tieren wir eher”, sagte Til Dellers. Dies sei im Knast nicht anders als in der Freiheit. 

Nach einem mitreißen­den Kurza­uftritt vor den Gefan­genen war das erste Eis gebrochen. 

Schnell fan­den sich daher Frei­willige für die Work­shops mit den Kün­stlern. “Wir haben uns genau angeschaut, wie weit sich die Einzel­nen darauf ein­ge­lassen haben, Neues zu pro­bieren”, ver­ri­et der Anstaltsleiter. 

Es sei dur­chaus gewollt gewe­sen, mit dem Auftritt der Akteure aus den anderen Kul­turkreisen die Insassen der JVA maßvoll zu provozieren, erk­lärte Voigt: “Wer von den Jungs wäre von sich aus denn auf die Idee gekom­men, sich von einem Afrikan­er das Trom­meln zeigen zu lassen und dabei auch noch Spaß zu haben?” 

Weit­ere Aktio­nen gegen Ras­sis­mus sind geplant.

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