7. Oktober 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Ultimatum an braune Brandstifter

TREBBIN Im wochen­lan­gen Stre­it um zwei Feuer­wehrmän­ner in Treb­bin (Tel­tow-Fläming), die in der Ver­gan­gen­heit wieder­holt durch recht­sex­treme Ein­stel­lun­gen und Gewalt­tat­en aufge­fall­en sind, kommt Bewe­gung. Der Chef der Frei­willi­gen Feuer­wehr in Treb­bin, Burkhard Hein­rich, hat den bei­den Kam­er­aden Sil­vio K. und Stef­fen T. ein Ulti­ma­tum gestellt: Sie haben bis zum kom­menden Fre­itag Zeit, sich öffentlich “ein­deutig und nach­haltig von Recht­sex­trem­is­mus, Aus­län­der­feindlichkeit, Gewalt gegen Ander­s­denk­ende und Ras­sis­mus” zu dis­tanzieren. Komme es zu kein­er Erk­lärung, gehe man davon aus, dass Treb­bins Bürg­er­meis­ter Thomas Berg­er (CDU) das angekündigte Auss­chlussver­fahren “unverzüglich” durch­führen werde, so Hein­rich.

 

Mit dem Schreiben reagierte Hein­rich auf die jüng­ste Kri­tik der Ini­tia­tive “Treb­bin miteinan­der”. Diese hat­te in einem offe­nen Brief eine Reak­tion der Feuer­wehr einge­fordert. Mehr als zwei Wochen habe man auf eine “Stel­lung­nahme und ein­deutige Abgren­zung von Intol­er­anz, blin­dem Hass und Gewalt gegen Aus­län­der und Ander­s­denk­ende” gewartet, heißt es in dem Schreiben, das unter anderem vom Bürg­er­meis­ter, der Grund­schullei­t­erin, Kirchen­mi­tar­beit­ern und Lehrern unterze­ich­net war. Es sei nicht erk­lär­lich, dass die bei­den Verurteil­ten Siv­io K. und Stef­fen T. zwar am Festzug zum 120-jähri­gen Beste­hen der Treb­bin­er Feuer­wehr nicht teil­nehmen durften, aber beim offiziellen Feuer­wehrball mit­feiern durften.

 

Die Treb­bin­er Men­schen­jagd hat­te vor sechs Jahren weit über die Lan­des­gren­zen hin­aus für Schlagzeilen gesorgt: Am Abend des 30. Sep­tem­ber 1996 hat­te eine Meute von Recht­sex­tremen gezielt Jagd auf ital­ienis­che Bauar­beit­er gemacht und diese teils schw­er ver­let­zt. Doch nur zwei der Schläger mussten damals büßen. Jan Weicht wurde 1997 wegen ver­sucht­en Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er hat­te dem Ital­iener Orazio Giamblan­co mit ein­er Base­bal­lkeule den Schädel zertrüm­mert. Das Opfer über­lebte knapp und ist seit­dem schw­er behin­dert. Francesco Heim, ein weit­er­er Mit­täter, ver­büßt seit 1997 eine achtjährige Jugend­strafe.

 

Der Prozess gegen die restlichen Schläger kam im let­zten Augen­blick: Kurz vor Ver­jährung der Tat pack­te Haupt­täter Jan Weicht aus und belastete sieben sein­er früheren Kumpel aus der “Freien Kam­er­ad­schaft Treb­bin” schw­er. Vor dem Luck­en­walder Amts­gericht wurde der Fall nochmals aufgerollt. Obwohl der Haupt­be­las­tungszeuge nach­weis­lich in eini­gen Punk­ten gel­o­gen hat­te und alle Zeu­gen aus der recht­sex­tremen Szene unter kollek­tivem Gedächt­nisver­lust lit­ten, sah der Richter eine Mit­täter­schaft als erwiesen an.

 

Das Urteil: Sil­vio K. (24) und Stef­fen T. (23) erhiel­ten nach Jugend­strafrecht eine Ver­war­nung und müssen Geld­strafen zwis­chen 400 und 600 Euro zahlen. Die anderen drei Angeklagten erhiel­ten Frei­heitsstrafen zwis­chen vier und acht Monat­en zur Bewährung.

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