27. September 2004 · Quelle: PNN

Uriniert und Geld gestohlen?

(PNN 25.9.04) Das Amts­gericht verurteilte Lutz Boede von der Frak­tion Die Andere im Vor­jahr
nach zehn Ver­hand­lungsta­gen und dem Anhören von annäh­ernd 50 Zeu­gen wegen
übler Nachrede zu ein­er Geld­strafe von 40 Tagessätzen. Dies schien der
Staat­san­waltschaft zu milde. Boede wiederum fühlte sich zu Unrecht sank­tion­iert.
Bei­de
Seit­en gin­gen in Beru­fung.

Seit dem 21. Sep­tem­ber rollt das Landgericht den Prozess nun neu auf. Das
Mit­glied der Anti­wehrpflicht-Kam­pagne hat­te der Polizei vorge­wor­fen, ihre
Kom­pe­ten­zen am 26. August 2001 nach Auss­chre­itun­gen anlässlich eines DFB-Pokalspiels
zwis­chen Fans von Babels­berg 03 und Hertha BSC erhe­blich über­schrit­ten zu
haben. Laut Boede hät­ten die an der sich daran anschließen­den Räu­mung des
alter­na­tiv­en Wohn­pro­jek­ts Rudolf-Bre­itscheid-Straße 6 beteiligten Ord­nung­shüter
Wohn­räume ver­wüstet, Mobil­iar absichtlich beschädigt, einen Plat­ten­spiel­er
zertrüm­mert, Haus­be­wohn­er und ihre Fre­unde bei der Fes­t­nahme als “Zeck­en” und ”
Schlam­p­en” betitelt. Zu allem Über­fluss sollen die Polizis­ten in Pol­ster­mö­bel
und den
Par­tyraum uriniert, sich an Bargeld aus der Hauskasse und Getränken bedi­ent
haben. Kaum Zweifel hegten erste und zweite Instanz an der Übereifrigkeit der
Staats­di­ener während der Räu­mung des bun­ten Haus­es. Dazu spricht das während
der Ver­hand­lun­gen mehrfach gezeigte – wen­ngle­ich sichtlich geschnit­tene
Polizeivideo – eine zu deut­liche Sprache. Junge Leute wer­den bru­tal zu Boden
gestoßen,
ihre Hände auf den Rück­en gefes­selt. Wie Schlachtvieh liegen sie auf dem
Asphalt. Dass die Polizis­ten das Haus bei der Durch­suchung absichtlich
ver­wüsteten, gar die von Lutz Boede behaupteten Ver­fehlun­gen beg­in­gen, ist nach
Ansicht
von Staat­san­waltschaft und Gericht durch nichts bewiesen.

Am gestri­gen drit­ten Tag der Beru­fungsver­hand­lung erin­nerte sich der Stu­dent
Andreas S. (28), wie er sein Zim­mer nach dem Polizeiein­satz vor­fand: “Alle
meine Sachen waren auf dem Fuß­bo­den ver­streut. Kaputt war nichts, aber aus der
Kasse für Kohlen­geld, die ich in Ver­wahrung hat­te, fehlten 200 Mark.” Augen­zeuge
Karsten L. (29) kam während des Ein­satzes zufäl­lig am Ort des Geschehens
vor­bei und beobachtete, wie eine junge Frau von einem Beamten als Schlampe
beschimpft wurde. Der Prozess wird fort­ge­set­zt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Die Ini­tia­tive See­brücke Pots­dam bege­ht mit der heuti­gen Kundge­bung vor der let­zten diesjähri­gen Sitzung der Stadtverord­neten­ver­samm­lung den Jahrestag des Beschlusses „SICHERER HAFEN“ mit Anlass zur Freude und zur Mah­nung
Märkisch-Oder­land — Am 2.12.2019 haben vor dem Sozialamt Märkisch-Oder­land in Vier­lin­den mehr als 50 Men­schen demon­stri­ert. Sie forderten die Gesund­heit­skarte für Geflüchtete von Anfang an und die Über­weisung ihrer Sozialleis­tun­gen auf ein Kon­to.
Pots­dam – Ange­li­ka Nguyen liest, zeigt und kom­men­tiert Auss­chnitte aus ihren Tex­ten und
ihrem Doku­men­tarfilm „Brud­er­land ist abge­bran­nt”. Anschließend Gespräch mit Koray Yıl­maz-Günay. Mittwoch, 27.11.2019 um 19Uhr im T‑Werk Schiff­bauer­gasse 4e

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot