29. Oktober 2003 · Quelle: ProzessbeobachterInnen

Urteil im Potzlow-Prozess

Heute wurde im Landgericht Neu­rup­pin das Urteil zum Mord an Mar­i­nus verkün­det. Die drei Angeklagten Mar­co Sch., sein Brud­er Mar­cel Sch. und Sebas­t­ian F., standen seit Mai gemein­sam vor Gericht. In 24 Prozessta­gen wurde ver­sucht, die Geschehnisse des Som­mer­abends vom 12. Juli zum 13.Juli 2002 zu rekon­stru­ieren und zu erfahren, was dort geschehen ist.

 

Mar­cel und Sebas­t­ian haben sich in Bukow bei einem Berufsvor­bere­i­t­en­dem Jahr ken­nen gel­ernt. Mar­cel lud ihn zu sich ein, auch weil er meinte, Sebas­t­ian und sein Brud­er, der ger­ade aus eine Haft­strafe abge­sessen hat­te, kön­nten sich ver­ste­hen.

 

Sie trafen sich und vertru­gen sich gut. Abends, gegen 19 Uhr fuhren sie mit Fahrrädern ins Nach­bar­dorf Strehlow zu einem Bekan­nten bei dem viel getrunk­en wurde, um zu feiern, oder ein­fach nur Alko­hol zu trinken. Dort traf auch Mar­i­nus später ein, zu der Zeit eben­falls nicht allein. Allerd­ings wollte dieser irgend­wann schlafen gehen und warf den Rest, der noch bei ihm geblieben war raus.

 

Mar­co, Mar­cel, Sebas­t­ian und Mar­i­nus zogen zusam­men weit­er zu ein­er Fam­i­lie, bei denen sie keine Skru­pel hat­ten mit­ten in der Nacht Ein­lass zu fordern, um dort weit­er zu trinken.
Mit Gewalt schafften sie dies dann auch. Und die Feier ver­legte sich in die dor­tige Veran­da.

 

Hier began­nen sie nach einiger Zeit von Mar­i­nus zu ver­lan­gen, zu sagen er sei Jude. Anfangs weigerte er sich, aber nach dem er den Rat der Hausbewohnerin(er solle es doch ein­fach zugeben, dann hören sie schon auf) bekom­men hat­te. Und ihm gewalt­sam Alko­hol einge­flößt wurde, gab er nach. Aber das ret­tete ihn nicht. Sie began­nen ihn zu schla­gen und als er raus gezo­gen wor­den war, um sich zu übergeben, urinierte ein­er von ihnen auf seinen Oberköper.

 

Mar­co, Mar­cel und Sebas­t­ian hat­ten sich schon auf den Rück­weg gemacht, als Mar­co meinte, sie kön­nten Mar­i­nus dort nicht liegen lassen, das kön­nte die Fam­i­lie stören. Sie fuhren also zurück und holte ihn. Und luden ihn auf eins ihrer Fahrräder. Als sie an dem alten LPG Gelände vor­bei kamen hat­te ein­er von ihnen die Idee Mar­i­nus noch etwas Angst einzu­ja­gen. Sie klet­terten mit ihm über das Tor und war­fen ihn zuerst ein­mal in die Jauchegrube, um zu sehen oder unterge­ht. Dann holten sie ihn immer wieder raus, schlu­gen ihn.

 

Bis er dazu aufge­fordert wurde, in die Kante des Stein­tro­ges zu beißen und Mar­cel mit seinen Springer­stiefeln auf seinen Kopf sprang. Das Gesicht war zer­quetscht wor­den, aber er röchelte noch und man stellte fest „er könne keinem Arzt mehr vorgestellt wer­den“. Also sucht­en sie etwas, um ihm den Rest zu geben. Mar­cel fand einen Gas­be­ton­stein, den er Mar­i­nus zweimal auf den Kopf warf. Darauf hin ver­bud­del­ten sie ihn in der Jauchegrube und ließen ihn dort liegen, bis Mar­cel begann damit anzugeben und den Tatort seinen Fre­un­den zeigte. Auch Fre­unde von Mar­i­nus erfuhren davon und macht­en eine Anzeige nach­dem sie sich selb­st überzeugt hat­ten.

 

Der Saal 2 im Neu­rup­pin­er Landgericht war heute über­füllt, viel Presse, einige ständi­ge Beobach­terIn­nen des Prozess­es, Antifas und drei Rechte waren anwe­send.
Fast Punkt 12.00 Uhr wurde das Urteil ver­lesen.

 

Mar­cel Sch.: 8 Jahre und 6 Monate

Mar­co Sch.: 15 Jahre

Sebas­t­ian F.: 2 Jahre

 

Die Rich­terin hat zwar deut­lich gemacht, dass Mar­co und Sebas­t­ian sich in der recht­en Szene aufhal­ten. Aber lei­der machte sie nicht deut­lich, dass dies ein alltäglich­es Prob­lem in Bran­den­burg ist.

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