23. April 2006 · Quelle: Nowawes

Veranstaltung im Nowawes Potsdam mit Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann

Wegen ein­er Erkrankung kann Kurt Gold­stein lei­der am Dien­stag, dem 25.04. 19 Uhr
nicht zu unserem Gespräch ZUR PERSON in die Stadt­teilkneipe Nowawes
(Babels­berg, Großbeerenstr.5) kom­men. Wir hof­fen, dass es ihm bald wieder so gut
geht, dass wir die Ver­anstal­tung nach­holen kön­nen.

Stadt­teilkneipe Nowawes statt:

Wir freuen uns, dass Lud­wig Bau­mann seine Teil­nahme sehr kurzfristig zuge­sagt hat:

Lud­wig Bau­mann wurde am 13. Dezem­ber 1921 in Ham­burg als Sohn eines
Tabak­großhändlers geboren. Er erlernte den Beruf des Mau­r­ers.

Nach der Machter­grei­fung der Nation­al­sozial­is­ten in Deutsch­land trat er als junger
Mann wed­er der Hitler-Jugend noch der NSDAP bei. Als 19jähriger wurde Lud­wig Bau­mann
in die Wehrma­cht einge­zo­gen. Am 03.06.1942 desertierte er gemein­sam mit seinem
Fre­und Kurt Old­en­burg bei Bourdeaux/Frankreich aus Hitlers Armee. Zu seinen Motiv­en
erk­lärt Lud­wig Bau­mann heute: “Ich hat­te erkan­nt, daß es ein ver­brecherisch­er,
völk­er­mörderisch­er Krieg war.”

Bere­its am fol­gen­den Tage wur­den die bei­den Fre­unde von deutschen Gren­z­posten
gestellt. Obwohl Lud­wig Bau­mann und Kurt Old­en­burg bewaffnet waren, ver­mocht­en sie
es nicht, ihre Waf­fen gegen andere Men­schen einzuset­zen. Bau­mann: “Men­schen töten,
das kon­nten wir nicht.” Lud­wig Bau­mann wurde am 30.06.1942 wegen “Fah­nen­flucht im
Felde” zum Tode verurteilt. Von der Umwand­lung der Todesstrafe in eine 12jährige
Zuchthausstrafe erfuhr er erst nach Monat­en täglich­er Tode­sangst. Jeden Mor­gen
rech­nete er mit sein­er Hin­rich­tung. Lud­wig Bau­mann wurde in das KZ Ester­we­gen, eines
der berüchtigten Moor­lager im Ems­land, und später in das Wehrma­chts­ge­fäng­nis Tor­gau
trans­portiert. In Tor­gau erlebte Lud­wig Bau­mann, wie Tausende andere Deser­teure
hin­gerichtet wur­den. Seine Angst ver­ließ ihn seit­dem nicht mehr.

Wie viele andere Deser­teure wurde Lud­wig Bau­mann in das soge­nan­nte
Bewährungs­batail­lon 500 an die Ost­front gezwun­gen. Den­noch über­lebte Bau­mann den
Krieg. Nach Rück­kehr aus der sow­jetis­chen Kriegs­ge­fan­gen­schaft hat­te er es schw­er in
ein­er Gesellschaft, in der Deser­teure noch immer als “Fei­glinge” geächtet wur­den. Er
ver­trank sein Erbe in kurz­er Zeit.

Erst als seine Frau bei der Geburt des sech­sten Kindes starb, gelang es ihm, sich
vom Alko­hol zu lösen. Er war von nun an für seine Kinder allein ver­ant­wortlich. In
dieser Zeit begann Lud­wig Bau­mann, sich in der Friedens- und “3.Welt”-Bewegung zu
engagieren. 1989 grün­dete er mit etwa 40 noch leben­den Wehrma­chts-Deser­teuren die
“Bun­desvere­ini­gung Opfer der NS-Mil­itär­jus­tiz”, um eine Aufhe­bung der
Unrecht­surteile gegen Deser­teure, “Wehrkraftzer­set­zer und Selb­stver­stüm­mel­er”
durchzuset­zen und deren voll­ständi­ge Reha­bil­i­tierung zu erre­ichen. Dieses Ziel ist
inzwis­chen weit­ge­hend erre­icht.

Lud­wig Bau­mann engagiert sich für das Recht auf Kriegs­di­en­stver­weigerung und für
eine Gedenk- und Geschicht­spoli­tik, die die Unter­schiede zwis­chen Tätern und Opfern
nicht ver­wis­cht. Ob er mit der Wehrma­cht­sausstel­lung durch Europa tourt, auf dem
Bre­mer Bahn­hof zu ein­berufe­nen Rekruten spricht oder gegen eine ahis­torische
Gle­ich­set­zung von DDR- und Naz­i­un­recht in Tor­gau ein­tritt — es gibt vieles, was
Lud­wig Bau­mann bewegt und worüber wir mit ihm sprechen möcht­en:

Im Jahre 1994 wurde Lud­wig Bau­mann mit dem “Siev­er­shäuser Frieden­spreis” und 1995
mit dem “Aach­en­er Frieden­spreis” aus­geze­ich­net. Die eigens dafür gegrün­dete
“Pots­damer Ini­tia­tive” schlug ihn zur Nominierung für den Frieden­sno­bel­preis­es im
Jahre 1996 vor.

Die Ver­anstal­tung wird organ­isiert durch Fre­unde der Pasteurstr.33 e.V. und durch
die Lan­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung gefördert.

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