9. April 2008 · Quelle: Opferperspektive

Verfahren kurz vor Abschluss

Am 11. April 2008 soll das Urteil gegen zwei Män­ner verkün­det wer­den, denen vorge­wor­fen wird, sich im Mai 2005 an einem Über­fall auf den Jugend­klub »Frageze­ichen« im Cot­tbuser Stadt­teil Sach­sendorf beteiligt zu haben. Seit dem 9. Jan­u­ar wird gegen Heiko L. und Felix W. vor dem Landgericht Cot­tbus ver­han­delt. Heiko L. ist darüber hin­aus angeklagt, am 8. Mai 2005 einen Mann ras­sis­tisch belei­digt und geschla­gen zu haben.

In den ver­schiede­nen Prozessta­gen wurde deut­lich, was sich am Nach­mit­tag des 14. Mai 2005 abge­spielt hat: Rechte verabre­de­ten sich, zum Teil per SMS, um »Sach­sendorf von der roten Pest zu befreien«, wie ein­er der Angeklagten berichtete. Das erk­lärte Ziel war es, den Jugend­klub »Frageze­ichen« anzu­greifen, in dem an diesem Tag eine Infor­ma­tionsver­anstal­tung über Recht­sex­trem­is­mus stat­tfind­en sollte. Auf einem Video, welch­es von einem Balkon der umliegen­den Häuser zufäl­lig aufgeze­ich­net wor­den war und im Gericht gezeigt wurde, ist die Vor­bere­itung des Über­falls fest­ge­hal­ten: Mehrere Autos fahren auf einen nahe gele­ge­nen Park­platz, Per­so­n­en steigen aus, ver­mum­men sich und warten. Wie auf ein Sig­nal hin laufen sie in Rich­tung Jugend­klub, kehren einige Minuten später zu den Autos zurück und fahren weg.

Aus den Ein­las­sun­gen der Angeklagten sowie weit­eren Zeu­ge­naus­sagen ging her­vor, dass sich zunächst zwei der Recht­en Ein­lass in den Klub ver­schafft hat­ten. Auf deren Sig­nal hin stürmte die Gruppe den Klub. Dabei wur­den im Vor­raum befind­liche Per­so­n­en zu Boden geschla­gen, Mobil­iar und für ein Konz­ert bere­it gestellte Instru­mente zerstört.

Wer sich außer den bei­den Angeklagten an der Tat beteiligt hat, blieb ungek­lärt. Heiko L. und Felix W. waren nur zwei der ins­ge­samt über 20 Angreifer. Ihr Ver­fahren wurde abge­tren­nt, weil bei­de nach der Tat geständig waren. Felix W. hat­te bei sein­er polizeilichen Vernehmung andere Per­so­n­en zum Teil schw­er belastet, diese Aus­sagen vor Gericht jedoch zurückgenom­men. Vor Gericht woll­ten bei­de Angeklagten nichts gese­hen und nie­man­den gekan­nt haben.

Das Ver­fahren, das fast drei Jahre nach der Tat zum Abschluss kom­men wird, kann nur den Anfang der juris­tis­chen Aufar­beitung des Angriffs darstellen. Ankla­gen gegen die Ini­tia­toren des Über­falls sowie weit­ere Beteiligte ste­hen noch aus. Soll­ten diese vor Gericht gestellt wer­den, kön­nten Heiko L. und Felix W. nicht mehr von ihrem Zeug­nisver­weigerungsrecht Gebrauch machen, das ihnen als Angeklagte zustand.

Der let­zte Ver­hand­lungstag mit Plä­doy­ers und Urteilsverkün­dung wird am 11. April 2008 ab 9:00 Uhr im Landgericht Cot­tbus stattfinden.

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