12. Juli 2004 · Quelle: BM / Tagesspiegel

Vergessen wird Marinus nicht”

(BM, 12.07., Sophia-Car­o­line Kosel) Pot­zlow — Das Aus­maß der Grausamkeit hat selb­st die abgebrühtesten
Polizis­ten und Juris­ten erschreckt: In der Nacht zum 13. Juli 2002 wurde der
16-jährige Mar­i­nus im uck­er­märkischen Pot­zlow von drei jun­gen Männern
gefoltert, bis er tot war, und dann in eine Jauchegrube geworfen. 

Erst Monate nach dem Ver­brechen, das sich nun zum zweit­en Mal jährt, fanden
die Ermit­tler nach einem Hin­weis die skelet­tierte Leiche. Die Jugendkammer
am Landgericht Neu­rup­pin verurteilte die Mörder — ein 17 und 23 Jahre altes
Brud­er­paar aus Pot­zlow und ein 18-Jähriger — zu Gefäng­nis­strafen zwischen
zwei und 15 Jahren; der zu ein­er zwei­jähri­gen Jugend­strafe verurteilte
18-Jährige durfte aus dem Gerichtssaal direkt nach Hause gehen. Das Urteil
ist allerd­ings noch nicht recht­skräftig. Staat­san­waltschaft und Verteidigung
gin­gen in Revi­sion, der Fall liegt nun in den Hän­den des Bundesgerichtshofs. 

Das erstin­stan­zliche Urteil nah­men die geständi­gen Mörder so auf, wie sie
den gesamten, fünf Monate dauern­den Prozess ver­fol­gt hat­ten: gleichgültig.
In Pot­zlow hinge­gen bewegt das Schick­sal von Mar­i­nus noch immer die Gemüter.
“Vergessen wird er nicht”, sagt Lin­da Unger, Bürg­er­meis­terin des 570-Seelen-
Dor­fes. An der Fried­hof­s­mauer erin­nert ein Gedenkstein an Mar­i­nus. Oft
liegen frische Blu­men da. 

Das Tre­f­fen des Opfers mit seinen Peinigern war zunächst ein friedliches
Trinkge­lage. Zum tödlichen Ver­häng­nis wurde dem Förder­schüler vor allem sein
Out­fit: Mit seinen blond gefärbten Haaren und den Hip-Hop­per-Hosen habe er
dem Feind­bild der recht­sex­trem ori­en­tierten Gewalt­täter entsprochen, sagte
Rich­terin Ria Bech­er in der Urteils­be­grün­dung; “Ziel war es, Mar­i­nus zu
demüti­gen. Ein Anlass dafür ist nicht ersichtlich.” 

Nach­dem die Täter ihr Opfer bere­its stun­den­lang gefoltert hat­ten, schleppten
sie es zu einem außer­halb gele­ge­nen ehe­ma­li­gen Stall­gelände, wo die
Gewalt­tätigkeit­en eskalierten. Nach dem Vor­bild der Schlüs­sel­szene im Film
“Amer­i­can His­to­ry X” wurde der Junge gezwun­gen, in einen Schwein­trog zu
beißen, dann sprang der jün­gere der Brüder ihm mit Stahlkap­pen bewehrten
Springer­stiefeln auf den Kopf. Schließlich warf er zweimal einen schweren
Stein auf den nur noch röchel­nden, aus Ohren, Nase und Mund blutenden
Mar­i­nus. Nach der Tat prahlte der 18-Jährige mehrfach vor Zeu­gen damit,
einen “Pen­ner” und “Asi” umge­bracht zu haben: “Das war ein gutes Gefühl, das
müsst ihr auch mal machen.” Mit Gle­ichal­tri­gen kehrte er laut Zeu­gen sogar
mehrfach zum Tatort zurück, stocherte mit einem Beil im “Grab” herum und
holte den zertrüm­merten Schädel heraus. 

“Eigentlich gab es keinen Grund dafür, dass mein Man­dant Mar­i­nus tötete”,
sagte sein Vertei­di­ger vor Gericht. “Er begreift diese Hand­lung selbst
nicht.” 

Pot­zlow-Mord: Urteil noch nicht rechtskräftig

(Tagesspiegel) Pot­zlow — Zwei Jahre nach dem grausamen Tod des Schülers Mar­i­nus Schöberl in
Pot­zlow ist das Urteil gegen seine drei Peiniger noch nicht rechtskräftig.
Die Revi­sion gegen die Schuld­sprüche im Mord­prozess am Neuruppiner
Landgericht laufe noch, hieß es beim Bun­des­gericht­shof in Karlsruhe. 

Die drei Täter waren im Okto­ber 2003 zu Gefäng­nis­strafen zwis­chen zwei und
15 Jahren verurteilt wor­den. Sie hat­ten Mar­i­nus in der Nacht zum 13. Juli
2002 stun­den­lang gefoltert, dann mit einem Fußtritt gegen den Kopf getötet
und ihn in ein­er Jauchegrube ver­schar­rt. Erst Monate nach dem Verbrechen
fan­den die Ermit­tler die skelet­tierte Leiche (der Tagesspiegel berichtete).
Nach der Tat prahlte ein­er der Peiniger mehrfach vor Zeu­gen damit, einen
“Pen­ner” und “Assi” umge­bracht zu haben. Mit Gle­ichal­tri­gen kehrte er laut
Zeu­ge­naus­sagen sog­ar mehrfach zum Tatort zurück, stocherte mit einem Beil im
“Grab” herum und holte den zertrüm­merten Schädel heraus. 

In Pot­zlow und in Berlin bewegt das grausame Schick­sal von Mar­i­nus Schöberl
noch immer die Gemüter. “Vergessen wird er nicht”, sagt Lin­da Unger,
Bürg­er­meis­terin des 570-See­len-Dor­fes in der Uck­er­mark. An der
Fried­hof­s­mauer erin­nert ein Gedenkstein an Mar­i­nus. Oft liegen dort frische
Blu­men. In Berlin wird es voraus­sichtlich bald ein The­ater­stück des
Filmemach­ers Andres Veiel (“Black Box BRD”) über das Ver­brechen geben. Er
ver­han­delt derzeit mit dem Berlin­er Max­im Gor­ki The­ater und dem Theater
Basel.

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