29. Juni 2004 · Quelle: Berliner Zeitung / MOZ

Verschleppt, misshandelt, vergewaltigt

23-jähriger Mann lebens­ge­fährlich ver­let­zt / Polizei sucht flüchtiges Mit­glied ein­er Folterbande

(Berlin­er Zeitung, Katrin Bischoff) FRANKFURT (ODER). Im Kranken­haus Mark­endorf in Frank­furt (Oder) liegt ein
schw­er ver­let­zter Mann. Gun­nar S. ist 23 Jahre alt. Er wurde Opfer
schw­er­ster Mis­shand­lun­gen. Als der Vater eines kleinen Kindes vor drei
Wochen ein­geliefert wurde, diag­nos­tizierten die Ärzte Rippenbrüche,
Ver­bren­nun­gen und einen Dar­m­durch­bruch. Nur eine Not­op­er­a­tion ret­tete ihm
das Leben. Er bekam einen kün­stlichen Dar­maus­gang und wurde wegen seiner
unerträglich starken Schmerzen in ein kün­stlich­es Koma ver­set­zt. Nach
Angaben der Ermit­tler wird Gun­nar S. wohl nie wieder gesund wer­den. Vier
sein­er fünf Peiniger, die der recht­en Szene zuzuord­nen sind, sitzen bereits
in Unter­suchung­shaft. Seit gestern fah­n­det die Polizei bun­desweit nach dem
let­zten Mit­glied der Folter­bande, dem 28-jähri­gen Ron­ny Brettin. 

Die über­aus bru­tale Tat geschah bere­its am 5. Juni. Gun­nar S. sei an diesem
Tag im Frank­furter Stadt­teil Neu­beresinchen “von der Straße weggefangen
wor­den”, sagte Kon­stanze Dali­cho, die Sprecherin der Frankfurter
Staat­san­waltschaft, am Mon­tag. Sie wider­sprach jedoch Angaben
links­gerichteter Grup­pierun­gen, wonach dem Opfer dabei ein Beu­tel über den
Kopf gestülpt wor­den sein soll. Die fünf mut­maßlichen Täter, drei Män­ner und
zwei Frauen, ver­schleppten ihr Opfer in eine Woh­nung in der Thomasiusstraße.
“Dort wurde der Mann stun­den­lang gefoltert und miss­braucht”, sagte Dalicho. 

Gun­nar S. wurde geschla­gen, getreten, mit einem heißen Bügeleisen traktiert.
Auf seinem Kör­p­er wur­den Zigaret­ten aus­ge­drückt. Außer­dem soll er von seinen
Peinigern gezwun­gen wor­den sein, Vogelkot zu essen und Spülmit­tel zu
trinken. Dann wurde er laut Staat­san­waltschaft mit diversen Gegenständen
verge­waltigt. Dabei erlitt Gun­nar S. schw­er­ste Darmverletzungen. 

Nach den Mis­shand­lun­gen über­ließen die Täter ihr blutüber­strömtes Opfer
seinem Schick­sal. Dabei sollen sie dem Mann mit dem Tode gedro­ht haben. Ein
Fre­und, zu dem sich Gun­nar S. noch schlep­pen kon­nte, brachte den
lebens­ge­fährlich Ver­let­zten schließlich in die Notauf­nahme der Markendorfer
Klinik, wo die Ärzte auf der Inten­sivs­ta­tion tage­lang um das Leben des
jun­gen Mannes kämpften. 

Einen Tag nach den Folterun­gen kon­nte der erste Tatverdächtige gefasst
wer­den, der 21-jährige Daniel K.. Wenig später nah­men die Ermit­tler Ramona
P. (24) und Stephanie L. (19) fest. Am ver­gan­genen Son­ntag ging den Fahndern
dann mit David K. (23) der vierte Beschuldigte ins Netz. “Gegen sie wurde
Haft­be­fehl wegen gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung, sex­ueller Nöti­gung und
Verge­wal­ti­gung erlassen”, sagte Staat­san­wältin Dalicho. 

Nur die Fah­n­dung nach Ron­ny Bret­tin blieb bish­er erfol­g­los. Der Mann ist
laut Staat­san­waltschaft wegen divers­er Kör­per­ver­let­zun­gen und Raubtaten
vorbe­straft und hat schon mehrere Jahre im Gefäng­nis gesessen. Zulet­zt war
er zu ein­er Jugend­strafe von sechs Jahren verurteilt wor­den. Nach­dem er
einen Teil davon ver­büßt hat­te, wurde ihm der Rest der Haft­strafe zur
Bewährung aus­ge­set­zt. “Die Bewährungszeit gilt derzeit noch”, sagte Dalicho. 

Noch ist unklar, warum Gun­nar S. gefoltert wurde. Zwar gab ein­er der
Beschuldigten als Motiv an, die Tat sei ein Racheakt gewe­sen. “Das Opfer
soll ange­blich eine junge Frau verge­waltigt haben”, so Dali­cho. Doch dafür
gebe es kein­er­lei Anhalt­spunk­te. Vor allem die beschuldigten Män­ner sollen
in der Oder­stadt als Neon­azis bekan­nt sein. Laut Staat­san­waltschaft sind sie
wegen Gewalt­de­lik­ten und wegen des Ver­wen­dens von Kennzeichen
ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen vorbe­straft. Die Frauen sind nach
Erken­nt­nis­sen der Ermit­tler bish­er noch nicht straf­fäl­lig geworden. 

Ein Folter­er wird noch gesucht

(MOZ) Frank­furt (Oder) (MOZ) Vier von fünf Folter­ern, die einen 23-jährigen
Frank­furter am 5. Juni ent­führt und grausam mis­shan­delt und vergewaltigt
hat­ten, sind gefasst. Nach Angaben der Staat­san­waltschaft Frank­furt (Oder)
ging am Mon­tag der 22-jährige David K. der Polizei ins Netz. Zuvor waren
bere­its der 20-jährige Daniel K., die 19-jährige Stephanie L. und die
24-jährige Ramona P. inhaftiert worden. 

Flüchtig allerd­ings ist noch immer der laut Staat­san­waltschaft “erhe­blich
vorbe­strafte” Ron­ny Bret­tin. Bret­tin, geboren am 8. Jan­u­ar 1976 und zuletzt
in Frank­furt (Oder), Langer Grund 42, ansäs­sig, sei unter­ge­taucht. Für
Hin­weise, die zu sein­er Ergrei­fung führen, ist eine Beloh­nung in Höhe von
1500 Euro aus­ge­set­zt. Laut Staat­san­walt Michael Neff ist Bret­tin extrem
gewalt­bere­it und habe schon bish­er “die ganze krim­inelle Palette” von
recht­sex­trem­istis­chen poli­tis­chen Delik­ten bishin zu Raub aufzuweisen
gehabt. Er sei erst im vorigen Jahr aus der Haft ent­lassen worden. 

Das Opfer schwebe zwar nicht mehr in Lebens­ge­fahr, habe aber erhebliche
bleibende Schä­den davonge­tra­gen. Der 23-Jährige war auf am hel­licht­en Tag in
der Thoma­siusstraße von hin­ten niedergeschla­gen, ver­schleppt und gefoltert
worden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Am 25. Novem­ber, dem „Inter­na­tionalen Tag zur Besei­t­i­gung von geschlechtsspez­i­fis­ch­er Gewalt an Frauen*“, laden Women in Exile&Friends und lokale Ini­tia­tiv­en zu ein­er Kundge­bung in Eisen­hüt­ten­stadt vor der Erstauf­nah­meein­rich­tung ein.
Unter dem Mot­to „Für die Auf­nahme aller Schutz­suchen­den und gegen rechte Het­zte“, rufen „Kein Ort für Nazis in Frank­furt (Oder)“ und die Ini­tia­tive „No Bor­der­lands“ am 7. Novem­ber 2021 ab 11:00 Uhr zur gemein­samen Demo vom Frank­furt (Oder) auf
Am 28.10., um 17 Uhr wird ein sehr großes Ban­ner an der Grenzbrücke nach Slu­bice im Rah­men ein­er Ver­samm­lung zu sehen sein. Dazu gibt es eine Mah­nwache mit Rede­beiträ­gen in deutsch­er, belaru­sis­ch­er und pol­nis­ch­er Sprache. 

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot