29. Juni 2005 · Quelle: LR

«Viele Spätaussiedler in Finsterwalde kapseln sich ab»

Ein wenig ent­täuscht war Nina Haas, Lei­t­erin des Jugendmigrationsdienstes
des Land­kreis­es am Sonnabend schon. Aus den Erfahrun­gen der let­zten Jahre
her­aus hat­ten sie und viele fleißige Helfer mit etwa 400 Besuch­ern zum
Som­mer­fest für Spä­taussiedler und Ein­heimis­che im Garten des Haus­es der
Diakonie in Fin­ster­walde gehofft. Gekom­men sind let­z­tendlich etwa 150
Teil­nehmer. Viele hat­ten im Vor­feld zuge­sagt, doch der einsetzende
Pras­sel­re­gen hielt wahrschein­lich etliche ab. 

«Früher waren wir fünf Mitar­beit­er, doch durch die Kürzung der Mit­tel sind
wir jet­zt nur noch zwei Kol­le­gen, die in der Aussiedler­ber­atung tätig sind»
, erläutert Nina Haas. Dadurch sei es ein sehr großer Kraftaufwand gewesen,
wieder so ein Fest auf die Beine zu stellen. Viele Spä­taussiedler haben
mit­ge­holfen, Tis­che und Stüh­le aufgestellt, Kaf­fee gekocht und Getränke und
Kuchen aus­geteilt. Da der Land­kreis in diesem Jahr keine finanzielle
Unter­stützung geben kon­nte, ist das Diakonis­che Werk in die Bresche
gesprungen. 

Für das kul­turelle Pro­gramm sorgten vor allem die Kinder. Die Tanzgruppe
Regen­bo­gen, in der auss­chließlich Spä­taussiedler trainieren sowie andere
Mäd­chen und Jun­gen erhiel­ten viel Beifall für ihre Lieder und Tänze.
Allerd­ings machte der kräftige Regen und Hagelschauer den Auftritt teilweise
unmöglich. Schließlich flüchteten alle in die Räume. 

Das Som­mer­fest ist eigentlich als Begeg­nungsmöglichkeit für Spätaussiedler
und Ein­heimis­che gedacht. Doch mit der Inte­gra­tion ist das eine schwierige
Sache. «Die meis­ten Spä­taussiedler möcht­en sich inte­gri­eren. Doch wegen der
fehlen­den Sprachken­nt­nisse sind viele sehr zurück­hal­tend» , erk­lärt Nina
Haas. Vor allem in den let­zten Jahren seien sehr viele Spätaussiedler
gekom­men, die kein Wort deutsch sprachen. 600 Stun­den Sprachkurs werden
durch Bun­desmit­tel finanziert, danach müssen sich die Fam­i­lien selber
küm­mern. Da kaum ein­er Arbeit hat, fehlt auch das Geld für weitere
Sprachkurse. «Zum anderen fällt das Ler­nen vie­len Spä­taussiedlern sehr
schw­er. Die meis­ten haben kör­per­lich gear­beit­et und seit Jahrzehn­ten kein
Lehrbuch mehr in der Hand gehabt» , weiß Nina Haas aus ihrer Tätigkeit. Den
Kindern falle es dage­gen wesentlich leichter die Sprache zu erler­nen. Durch
Kon­tak­te in der Schule ist es für sie auch ein­fach­er, im dem frem­den Land
Fuß zu fassen. Trotz aller Prob­leme seien die meis­ten Spä­taussiedler froh,
nach Deutsch­land gekom­men zu sein. «Wir müssten viel mehr Aufklärungsarbeit
leis­ten. Neben der Berufs­ber­atung und der Erläuterung des Schul­we­sens gibt
es auch jede Menge ungeschriebene Geset­ze für das Miteinan­der in
Deutsch­land. Auch durch ihre Bek­lei­dung wer­den einige manch­mal schon optisch
aus­ge­gren­zt» , erk­lärt die Lei­t­erin des Jugend­mi­gra­tions­di­en­stes. Sie und
ihre Kol­le­gin führen in Herzberg, Fin­ster­walde und Elster­w­er­da Beratungen
durch. Etwa 40 Leute kom­men am Tag. Da bleibt nicht genü­gend Zeit für
aus­führliche Gespräche. «Wenn man in einem Dorf lebt, ist die Integration
viel ein­fach­er. Doch ger­ade in Fin­ster­walde wohnen fast alle Spätaussiedler
im Süd­kom­plex und kapseln sich ab» , meint Nina Haas. «Inte­gra­tion ist eine
Sache, die nicht aufgezwun­gen wer­den kann. Wir kön­nen lediglich Anregungen
ver­mit­teln» , fügt sie hinzu. 

Swet­lana Fren­zel traut sich anfangs gar nicht, ein paar Sätze deutsch zu
sprechen. Doch dann erzählt sie, dass sie vor drei Jahren mit ihren Eltern
und ihrem Brud­er von Kasach­stan nach Fin­ster­walde gekom­men ist. «Meine
Nach­barn sind sehr nett und fre­undlich. Manch­mal trinken wir zusam­men Kaffee
und sie helfen mir beim Erler­nen der Sprache. Ich bemühe mich deutsch zu
sprechen, doch manch­mal schäme ich mich, weil ich es nicht so gut kann» ,
sagt sie. Zu Hause in Kasach­stan war es nicht erwün­scht deutsch zu sprechen.
Die 42-Jährige ist Diplom-Inge­nieur für Elek­trotech­nik. Trotz der
Anerken­nung ihres Beruf­s­ab­schlusses find­et sie keinen Job. «Ich bin immer
Arbeit gewohnt. Wahrschein­lich werde ich jet­zt zu meinen Ver­wandten nach
Baden-Würt­tem­berg ziehen. Dort ist es vielle­icht etwas leichter Arbeit zu
find­en» , hofft sie.

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