31. Oktober 2002 · Quelle: lausitzer rundschau

Viele trauen sich abends nicht mehr aus dem Haus

In Vetschau gibt es eine Anzahl von Jugendlichen, die eine hohe Gewalt­bere­itschaft zeigen und sich mit recht­sex­tremen Emble­men schmück­en. Sie starten aus recht­sex­tremen Motiv­en Über­griffe auf bes­timmte Leute. ” Diese deut­lichen Worte fand Miri­am Schilling vom Mobilen Beratung­steam (MBT) am Dien­stagabend im Sozialauss­chuss der Stadt. Dieser hat­te zu ein­er Beratung zum The­ma Jugendge­walt ein­ge­laden.

Vor allem an manchen Woch­enen­den sei die Sit­u­a­tion für eher links­gerichtete Jugendliche oder aus­ländis­che Ein­wohn­er unerträglich. “Da kom­men dann noch recht­sori­en­tierte Jugendliche aus den umliegen­den Dör­fern nach Vetschau, so dass in der Stadt etwa 50 bis 60 Jugendliche Präsenz zeigen ” , hat Schilling beobachtet. Viele poten­tielle Opfer wür­den sich deshalb abends kaum mehr aus dem Haus trauen, so die MBT-Mitar­bei­t­erin. Ihr Team, das in freier Träger­schaft vom Land Bran­den­burg finanziert wird, war in Vetschau unter­wegs. Die Mitar­beit­er haben mit Sozialpäd­a­gogen, linken Jugendlichen und Aus­län­dern über Erfahrun­gen gere­det. Auch in Schulen haben sie sich umge­hört. Nahezu alle aus­ländis­chen Vetschauer hät­ten dem­nach schon von Drangsalierun­gen in diesem Jahr berichtet. Über­griffe auf dem jüng­sten Stadt­fest, bei dem es mehrere Ver­let­zte gab, wur­den als Beispiele genan­nt. “Da gibt es im Umfeld der Opfer die Frage, warum die Stadt dazu keine Stel­lung bezieht ” , so Schilling. Generell sei man­gel­nder Wider­stand aus der Mitte der Gesellschaft gegen recht­sex­treme Ten­den­zen ein großes Prob­lem. Man solle sich nicht davon täuschen lassen, dass weniger Glatzen im Stadt­bild zu sehen seien als früher. “Man trägt dort nun eher Schei­t­el, aber die Ansicht­en haben sich deshalb nicht geän­dert ” , so die Bera­terin. Man sei in der recht­sex­tremen Szene jet­zt bemüht, sich in der Gesellschaft, etwa in mit­tel­ständis­chen Unternehmen, zu etablieren. Und Schillings Kol­lege Dirk Wilk­ing ergänzt: “In Schulen haben wir vor Ort erlebt, dass recht­sex­tremes Denken schon nor­mal gewor­den ist. Sog­ar Schüler, die sich als SPD-nahe beze­ich­nen, sagen Sätze wie: ´deutsche Arbeit­splätze nur für Deutsche ´. Das ist aber die Argu­men­ta­tion der NPD ” , so Wilk­ing. Die Auss­chuss­mit­glieder zeigten sich erschüt­tert und zum Teil über­rascht von den Aus­führun­gen. “Das ist das erste Mal, dass ich so aus­führlich darüber höre ” , sagte Chris­tiane Zim­mer­mann (Bünd­nis­grüne). Und Auss­chussvor­sitzen­der Lothar Vogel­er (PDS) meinte, dass man solche Dinge wohl nur mit­bekom­men würde, wenn man Kinder in dem Alter habe. “Wir haben fest­gestellt, dass das Lebens­ge­fühl in der Stadt bei Erwach­se­nen ein ganz anderes ist als bei Jugendlichen ” , bestätigte Wilk­ing. Berndt Gubatz (Gemein­de­frak­tion) ergänzte, dass Jugendliche ihren Eltern gar nicht viel erzählten und mit solchen Prob­le­men meist allein fer­tig wer­den woll­ten. Uwe Jeschke vom Jugend­club Kraftquell ent­geg­nete, dass in der im ver­gan­genen Jahr gegrün­de­ten Arbeits­ge­mein­schaft Jugend schon einiges bekan­nt würde, “aber es kann sein, dass die Kom­mu­nika­tion nach außen nicht so funk­tion­iert ” , so Jeschke. Das soll jet­zt anders wer­den. Die MBT-Mitar­beit­er appel­lierten an die Abge­ord­neten, sich in den Frak­tio­nen mit dem The­ma zu befassen. “Wir ste­hen für Anfra­gen zur Ver­fü­gung, auch um Ideen zu entwick­eln, was man in konkreten Fällen tun kann ” , sagte Schilling.

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