4. Juni 2004 · Quelle: MAZ

Vor dem großen Knall

Sein in den Gedenkstein ein­ge­lassenes Pro­fil hat schon reich­lich Staub ange­set­zt, Spin­nen haben ihre Net­ze zwis­chen Augen­brauen und Nase ges­pan­nt: Karl Marx, Erfind­er des nach ihm benan­nten Marx­is­mus. Nun kön­nte die Ver­wahrlosung des bär­ti­gen Rev­o­lu­tion­sphilosophen ein Ende haben. Die
Marx­is­tisch-Lenin­is­tis­che Arbeit­er­partei Deutsch­lands (MLPD) will einen Brück­enkopf in Bran­den­burg grün­den. Eine Pio­nier­gruppe um die Berlin­er Grund­schullehrerin Car­o­la Franke bemüht sich um den Auf­bau ein­er Parteior­gan­i­sa­tion in der Havel­stadt. Der Grund: Auf ihrem “siebten Parteitag” hat die 1982 in West­deutsch­land gegrün­dete Partei kür­zlich
beschlossen, ver­stärkt in die Kom­munen zu gehen.

Die aber haben, so scheint es, im Moment andere Sor­gen als eine Unter­ver­sorgung mit maois­tisch ange­haucht­en Klassenkampf­parteien. Nicht ein­mal drei Neu­mit­glieder haben die Wer­ber bis­lang gefun­den — so viele sind aber zur Eröff­nung ein­er Orts­gruppe nötig. “Es gibt großes Inter­esse, aber viele Leute haben gesagt, sie seien im Urlaub oder hät­ten Spätschicht”, sagt die Päd­a­gogin. Am Pro­gramm, so ist Franke überzeugt, kann es nicht liegen. “Die Leute auf der Straße sagen, irgend­wann werde es einen großen Knall
geben”, hat die 50-Jährige beim Verteilen von Handzetteln und bei Besuchen an der Haustür beobachtet.

Einen kleinen Knall haben Franke und ihre Genossen schon beim Streik im ver­gan­genen Jahr ver­nom­men. Da standen Partei-Aktivis­ten vor dem Getriebe­w­erk und sprachen den für die 35 Stun­den-Woche streik­enden Arbeit­ern Mut zu. Dabei möchte die MLPD dur­chaus noch weniger arbeit­en, näm­lich genau sechs Stun­den täglich — bei vollem Lohnaus­gle­ich. Man dürfe sich nicht immer mit dem Min­i­mum zufrieden geben, sagt Franke. Dass die 35-Stun­den-Ini­tia­tive scheit­erte, find­et die Marx­istin trotz­dem bedauer­lich. Die Gew­erkschaft sei
“genau in dem Moment eingeknickt, als der Streik Wirkung zeigte, als es richtig weh tat”.

Den­noch warnt Franke davor, die “Rolle der Arbeit­er in den Monopol­be­trieben zu unter­schätzen”. Die Massen seien lern­fähig. Dass Arbeit­er selb­st in ein­er ehe­ma­li­gen Hochburg des Pro­le­tari­ats wie Bran­den­burg nur noch eine Min­der­heit stellen, ficht sie nicht an. Call-Cen­ter-Mitar­beit­er seien
mod­erne Arbeit­er.

Anhänger will die Marx- und-Lenin-Partei auch aus den Rei­hen der PDS rekru­tieren. “Viele PDS-Mit­glieder sind sehr unzufrieden, weil ihre Partei — wo sie in der Regierung ist — Kitaschließun­gen und Büchergeld­kürzun­gen mit­trägt”, sagt Franke. Sie habe zwar “Achtung und Respekt vor den alten
Genossen”, man wolle sich aber vor allem um Jün­gere küm­mern.

Am kom­menden Fre­itagabend nun lädt die Partei in die Luck­en­berg­er Schule ein. Einen Anreiz gibt es auf jeden Fall: Freigetränke und einen “kleinen Imbiss”.

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