11. Juni 2008 · Quelle: Opferperspektive

Vorläufige Jahresstatistik 2007 von Opferberatungsstellen

Im Jahr 2007 erlangten die Beratungsstellen für Opfer rechts
motiviert­er Straf- und Gewalt­tat­en in den östlichen Bun­deslän­dern und
Berlin Ken­nt­nis von ins­ge­samt 861 rechts motivierten Gewalt­tat­en. Das
liegt deut­lich über den jew­eili­gen Werten für die Jahre 2003 bis 2005.
Lediglich im Ver­gle­ich zum Jahr 2006 (904) zeich­net sich ein leichter
Rück­gang ab. Allerd­ings ist zu erwarten, dass sich die Zahl der
Gewalt­tat­en für das Jahr 2007 durch Nach­mel­dun­gen noch erhöhen wird.

Wie in den Vor­jahren wur­den die meis­ten Fälle in Sach­sen gezählt (306,
2006: 242), wo eine deut­liche Zunahme doku­men­tiert wurde. Dem folgten
Sach­sen-Anhalt (151, 2006: 200), Bran­den­burg (137, 2006: 140), Berlin
(122, 2006: 171), Meck­len­burg-Vor­pom­mern (78, 2006: 103) und Thüringen
(67, 2006: 48). Es muss betont wer­den, dass die Zahlen Annäherungswerte
darstellen, da von ein­er hohen Dunkelz­if­fer auszuge­hen ist.

Von den 861 Angrif­f­en waren min­destens 1.869 Per­so­n­en betrof­fen. Bei 717
Fällen (84 Prozent) han­delte es sich um Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te. In 495
Fällen richtete sich die Gewalt gegen junge Men­schen aus linken und
alter­na­tiv­en Milieus. 265 Mal war Ras­sis­mus die Tat­mo­ti­va­tion. Die
Zahlen weisen auf eine deut­liche Zunahme rechts motiviert­er Gewalttaten
gegen andere soziokul­turelle Milieus hin. Die Opferberatungsstellen
sehen einen Zusam­men­hang zwis­chen region­al ver­ankerten rechtsextremen
Organ­i­sa­tion­sstruk­turen und einem hohen Niveau von Gewalttaten.

Die Beratungsstellen veröf­fentlichen seit 2003 ihre erhobe­nen Dat­en. Der
Fokus liegt dabei auf Gewalt­tat­en, nicht gezählt werden
Pro­pa­gan­dade­lik­te. Die zwis­chen den Beratungsstellen vereinheitlichte
Zählweise ori­en­tiert sich an den von der Polizei ver­wandten Kategorien
der »poli­tisch motivierten Krim­i­nal­ität – rechts«. Dif­feren­zen zu
polizeilichen Angaben ergeben sich zum einen durch unterschiedliche
Ein­schätzun­gen von Tathin­ter­grün­den; zum anderen zählen die
Beratungsstellen Fälle, von denen sie Ken­nt­nis erlan­gen, die jedoch
nicht angezeigt wur­den. Außer­dem erfassen die Beratungsstellen auch
Nöti­gun­gen und Bedro­hun­gen, wenn erhe­bliche Fol­gen für die Opfer zu
verze­ich­nen sind.

Die Dat­en wur­den von fol­gen­den Beratungsstellen erfasst:
• Reach Out (Berlin): www.reachoutberlin.de
• Opfer­per­spek­tive (Bran­den­burg): www.opferperspektive.de
• Lob­bi (Meck­len­burg-Vor­pom­mern): www.lobbi-mv.de
• Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt (Sach­sen-Anhalt):
www.mobile-opferberatung.de
• Beratungsstelle für Opfer recht­sex­tremer Gewalt im Multikulturellen
Zen­trum Dessau (Sach­sen-Anhalt): www.multikulti-dessau.de
AMAL (Sach­sen): www.amal-sachsen.de
RAA (Sach­sen): www.raa-sachsen.de
THO (Thürin­gen): www.opferhilfsdienst.de

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