6. September 2004 · Quelle: MOZ

Wahlkampf von Platzeck in Frankfurt (Oder) gestört

Wenn das Wet­ter im Wahlkampf Bedeu­tung hätte, dann gäbe es für die
Frank­furter SPD beste Aus­sicht­en. Denn zu deren Wahlkam­phöhep­unkt am
Sonnabend gab es Sonne satt. Mit Min­is­ter­präsi­dent Matthias Platzeck hatte
man einen wichti­gen Sym­pa­thi­eträger geholt und mit City musikalisch
promi­nente Unter­stützung. Doch dann wurde, was so schön gedacht, von einem
Polizeiein­satz über­schat­tet. Demon­stran­ten gegen die Asylpoli­tik störten die
Kundgebung. 

Es ließ sich an wie ein gemütlich­er Fam­i­li­en­nach­mit­tag. Musikschüler und
Line Dancer sorgten für zunehmend gute Stim­mung. Kinder eroberten die
Hüpf­burg. Es gab rote Fassbrause… 

Nur die Polizis­ten ring­sum ließen ahnen, dass es sich eben nicht um ein
reines Fam­i­lien­fest han­delte, son­dern um eine poli­tis­che Ver­anstal­tung, bei
der auch für eventuelle Angriffe Vor­sorge getra­gen wer­den muss. Das
Auf­stellen eines Sicher­heitss­childes auf der Bühne aber kom­men­tierte eine
Dame im Café mit den Worten: “Ach, bei uns kom­men doch keine Eierwerfer.”
Und tat­säch­lich wurde Matthias Platzeck bei seinem Erscheinen überaus
fre­undlich begrüßt. Er schüt­telte Hände und gab Autogramme. 

Inzwis­chen waren Jochen Runge und weit­ere junge Leute, u. a. vom Verein
Utopia, mit ihren Plakat­en gegen die gegen­wär­tige Asylpoli­tik auf den Platz
vor der Bühne gekom­men. Der Min­is­ter­präsi­dent ging zu ihnen und versicherte
ihnen, dass erste Schritte für einen men­schlicheren Umgang mit Asylbewerbern
in Bran­den­burg gegan­gen wür­den. So wie in Frank­furt, wo erst kür­zlich die
Stadtverord­neten beschlossen hat­ten, Asyl­be­wer­ber und Migranten in Wohnungen
unterzubrin­gen. “Gut””, meinte Runge, “aber das reicht nicht. Es muss
mehr getan werden”. 

Die Demon­stran­ten gaben sich mit dem Gespräch nicht zufrieden, verdrängten
die Free Time Line Dancer vor der Bühne und störten mit ihren Rufen, die zum
Teil stark belei­di­gen­den Charak­ter hat­ten, erhe­blich die Kundge­bung. Immer
wieder wurde an ihre Tol­er­anz appel­liert. “Wir haben zur Wende um die
Ver­samm­lungs­frei­heit und das Recht auf freie Mei­n­ungsäußerung gekämpft”,
sagte Bürg­er­meis­terin Kat­ja Wolle. Und Pohl und Platzeck ergänzten, dass zur
Demokratie auch gehöre, auf die Mei­n­ung des anderen zu hören. Erst nach
Ein­schre­it­en der Polizei zogen die Demon­stran­ten ab und kon­nte Platzeck
seine Wahlkampfrede halten. 

Dicht gedrängt standen dann die Frank­furter, als City auf die Bühne kam.
Beim Berlin-Song der Band und Hits wie Casablan­ca, Wo die Pal­men sich
verneigen und natür­lich Am Fen­ster wurde mit­ge­sun­gen und vor der Bühne
getanzt. 

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