24. Februar 2005 · Quelle: LR

Warum kein Mut zum eigenen Denkmal?

(LR, 22.2.) Die Diskus­sion um das Denkmal auf dem Geor­gen­berg dreht sich im Kreis. Es
gibt mehr als eine Opfer­gruppe infolge von Ter­ror und dik­ta­torischen Regimes
im 20. Jahrhun­dert. Sie alle sind zu betrauern.

Ihr Schick­sal soll nicht vergessen sein, und es darf keine Trauer und kein
Gedenken ersten, zweit­en und oder drit­ten Ranges geben. Alles richtig, und
das wird auch von keinem in dieser Diskus­sion in Abrede gestellt.

Aber warum, und das bet­rifft nun konkret die Sprem­berg­er Debat­te, warum
ver­fol­gt Egon Wochatz an der Spitze des Geor­gen­bergvere­ins so vehe­ment und
nach­drück­lich ger­ade die Verän­derung eines bere­its vorhan­de­nen Gedenksteins?
Warum sollen die Wider­stand­skämpfer gegen den Nation­al­sozial­is­mus unbe­d­ingt
ein rel­a­tivieren­des Gegengewicht bekom­men, dass sie selb­st diskred­i­tiert,
weil es sie — vom Vorschlagsträger beab­sichtig oder unbe­ab­sichtigt — in die
Nähe des Stal­in­is­mus rückt. Nicht zum ersten Mal haben Egon Wochatz und
Frank-Michael Schober erk­lärt, die Namen der Antifaschis­ten auf dem
Sprem­berg­er Stein seien in den 50er Jahren poli­tisch instru­men­tal­isiert
wor­den. Aber wir reden hier immer­hin über Men­schen, die über­wiegend ganz
bewusst ihr Leben in Gefahr bracht­en, weil sie ein Sys­tem bekämpfen woll­ten,
das eine plan­mäßige Men­schen­ver­nich­tung vor­bere­it­etet und durch­führte. Der
Mord an sechs Mil­lio­nen Juden (für die Sprem­berg­er Disku­tan­ten übri­gens
offen­bar immer noch keine erwäh­nenswerte Opfer­gruppe) war der furcht­barste
Aus­druck dieser Tötungs­maschiner­ie, aber auch das Ster­ben in den
Gestapo-Gefäng­nis­sen und Zuchthäusern und das der Sol­dat­en, die von Hitler
und seinem Stab gnaden­los in einem größen­wahnsin­ni­gen Krieg ver­heizt wur­den,
kom­men auf dieses Kon­to. Wer gegen all das auf­begehrt und sich zu wehren
ver­sucht hat, der hat wohl auch einen eige­nen Gedenkstein ver­di­ent, ohne
eine spätere gle­ich­macherische Aufrech­nung.

Für mich bleibt bis zum Schluss eine Frage im Raum ste­hen: Warum, wenn sich
so viele für eine namentliche Erin­nerung an die Opfer des Stal­in­is­mus
ein­set­zen, soll es für sie nicht das eigene Denkmal und den eige­nen Platz
für eine Tafel geben, den sie ver­di­enen. Das soll und darf nicht der
“Katzen­tisch” sein (so kön­nte man eher die Mit­nutzung ein­er bere­its
beste­hende Sock­el­rück­seite betra­cht­en), son­dern ein angemessen­er,
öffentlich­er und repräsentabler Ort des Gedenkens. Der Geor­gen­berg hätte
Platz genug für ein solch­es Pro­jekt. Aber auch das ehe­ma­lige Sprem­berg­er
Stasi-Haup­tquarti­er an der Drebkauer Straße wäre ein guter Ort, um daran zu
erin­nern, was Men­schen im Namen ein­er ange­blich besseren
Gesellschaft­sor­d­nung anderen Men­schen ange­tan haben. Auch hier, mit­ten in
Sprem­berg.

Biografien öffentlich machen

FDP stellt sich hin­ter den Ged­nek­stät­ten-Vorschlag

Der Sprem­berg­er Ortsver­band der FDP hat sich geschlossen hin­ter den
Vorschlag des CDU-Stadtverord­neten und Vor­sitzen­den des Geor­gen­bergvere­ins
Egon Wochatz zur Erweiterung der Denkmalan­lage auf dem Geor­gen­berg gestellt,
wie er den Stadtverord­neten bei ihrer näch­sten Sitzung am kom­menden Mittwoch
vor­liegt. Petra Weigel, Ortsvor­sitzende der FDP und Stadtverord­nete,
erläuterte den Mit­gliedern das von der Stadtver­wal­tung entwick­elte Konzept
zur Gestal­tung des Gedenkkom­plex­es. Die räum­liche Anord­nung wie auch die
namentliche Erwäh­nung der Per­so­n­en fand bei allen Mit­gliedern
uneingeschränk­te Zus­tim­mung. Mehrere Mit­glieder erk­lärten: “Man stellt die
bish­er auf den Gedenk­tafeln einge­meißel­ten Namen nicht in Frage. Daher solle
man dies auch nicht bei den jet­zi­gen Vorschlä­gen tun.” Volle Zus­tim­mung fand
der Vorschlag von Dr. Jür­gen Kan­tor, die Kurzbi­ografien in der lokalen
Presse, wie auch im Amts­blatt von Dr. Jür­gen Kan­tor, die Biografien in der
Presse zu veröf­fentlichen.

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Kundge­bung zum Inter­na­tionalen Tag zur Entkrim­i­nal­isierung von Schwanger­schaftsab­brüchen am 28. Sep­tem­ber um 11 Uhr auf dem Heron­platz (am Stadt­brun­nen) in Cot­tbus

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