2. Juni 2006 · Quelle: Mut gegen rechte Gewalt

Was Medien besser machen können

Wann ist eine Tat ras­sis­tisch, frem­den­feindlich oder recht­sex­trem­istisch? Oder ein Opfer schwarz, weiß oder far­big? Oder ist das über­haupt rel­e­vant? Ein kleines Man­u­al.

Ein Leit­faden (nicht nur) für Jour­nal­is­ten zum kor­rek­ten sprach­lichen Umgang mit recht­sex­trem­istis­chen oder ras­sis­tisch motivierten Straftat­en.
Von Betrof­fe­nen erstellt.

Für Jour­nal­is­ten ist es nicht ein­fach, richtig einzuord­nen, wenn sich Über­griffe mit frem­den­feindlichem, ras­sis­tis­chem oder recht­sex­tremem Hin­ter­grund ereignet haben, selb­st wir beim MUT-Por­tal sind vor manch­er Fehlein­schätzung nicht gefeit, weil die Quel­len­lage oft nicht ganz ein­fach ist. In jedem Fall geht es aber um men­schen­feindliche Tat­en. Doch auch die Kat­e­gorisierung der Opfer fällt oft schw­er. Ein Schwarz­er? Weißer? Schwarzafrikan­er? Far­biger? Ja, welche Rolle spielt die Haut­farbe über­haupt?

Ger­ade Jour­nal­istin­nen und Jour­nal­is­ten als Mul­ti­p­lika­toren möcht­en wir dazu anre­gen, höch­ste Sorgfalt auf die Kor­rek­theit der Wort­wahl zu leg­en und sich zu bemühen, alle verse­hentlichen Stereo­typ­isierun­gen und Exo­tisierun­gen zu ver­mei­den. Mit ein­er Art der Berichter­stat­tung, die ohne Vor-Aus­gren­zung oder Beschöni­gung auskommt und stattdessen die Dinge, Hergänge und Men­schen dif­feren­ziert und wirk­lich objek­tiv benen­nt, kön­nen wir ras­sis­tis­chen Ten­den­zen sog­ar aktiv ent­ge­gen­wirken.

Hin­ter den nach­fol­gen­den Rat­ge­ber haben sich mehrere Part­ner gestellt:

— der braune mob e.V. – media-watch – schwarze deutsche in medi­en und öffentlichkeit (hier liegt das Copy­right).
ISD – Ini­tia­tive schwarze Men­schen in Deutsch­land e.V.
ADEFRA e.v. — schwarze Frauen in Deutsch­land
— Amadeu-Anto­nio-Stiftung
— mut-gegen-rechte-gewalt.de

VORBEMERKUNG: Bezüglich der Berichter­stat­tung über recht­sex­treme oder ras­sis­tisch motivierte Straftat­en ist in der deutschen Medi­en­land­schaft eine gewisse Unein­heitlichkeit im Sprachge­brauch festzustellen. Da diese am häu­fig­sten aus Hil­flosigkeit oder fehlen­den Infor­ma­tio­nen resul­tiert, find­en Sie unten ste­hend einige Begrif­flichkeit­en von Experin­nen und Experten, die Ihnen eine poli­tisch kor­rek­te Wort­wahl der Berichter­stat­tung über ras­sis­tisch oder frem­den­feindlich motivierte Straftat­en erläutert. Diese poli­tisch kor­rek­te Aus­druck­sweise stellt kein Novum dar, blieb bish­er jedoch bisweilen grob unberück­sichtigt — teils aus Infor­ma­tions­de­fiz­it, teils aus Desin­ter­esse. Ihre Ein­hal­tung sollte jedoch für Jour­nal­is­ten so selb­stver­ständlich sein wie alle anderen Begrif­flichkeit­en, die Min­der­heit­en und ihre Benen­nun­gen betr­e­f­fen. Unken­nt­nis führt oft zu verse­hentlich­er Ver­wen­dung unangemessen­er oder gar belei­di­gen­der Begriffe und zur Man­i­festierung des Gedankengutes, das man eigentlich bekämpfen will. Um dies kün­ftig zu ver­hin­dern und die Grund­lage für eine ras­sis­mus­freie Berichter­stat­tung zu schaf­fen, soll dieser Leit­faden aufk­lären.

— Aus­län­der­feindlich

Eine Tat ist aus­län­der­feindlich motiviert, wenn das Opfer keinen deutschen Pass besitzt, also Aus­län­der ist, und erkennbar und expliz­it die nicht-deutsche Kul­tur des Opfers die Moti­va­tion zu dem Über­griff ist. Dies gilt etwa für Opfer, die €päis­ch­er Abstam­mung sind oder für Über­griffe bei nicht-deutschen Kul­turver­anstal­tun­gen, etc. Eine Tat wird nicht als aus­län­der­feindlich beze­ich­net, wenn nicht die spez­i­fis­che nicht-deutsche Kul­tur der Grund des Über­griffes ist, son­dern die Haut­farbe des Opfers, etwa im Fall Ery­mas S. in Pots­dam.

— Ras­sis­tisch (motiviert)

Eine Tat ist ras­sis­tisch motiviert, wenn sie gegen Men­schen verübt wird, deren Haut­farbe eine andere ist als die der ausüben­den Täter UND mit ras­sis­tis­chen Belei­di­gun­gen ein­herge­ht. Dies gilt auch für Opfer, die Deutsche sind, wie z.B. im Fall Ery­mas S.Ausländerfeindlickeit und Ras­sis­mus sind keines­falls gle­ichzuset­zen, und keine Syn­onyme. Eine dif­feren­zierte Wort­wahl benen­nt diese ver­schiede­nen Hin­ter­gründe extrem­istis­ch­er Straftat­en genau und ermöglicht es so erst, die Wurzel des Übels zu disku­tieren und let­ztlich zu bekämpfen. Unter­stellt man beispiel­sweise Angrif­f­en gegen schwarze Deutsche pauschal eine“ausländerfeindliche” Moti­va­tion, so hat man bere­its unge­wollt den Fehler began­gen, zu kom­mu­nizieren, dass Schwarze Men­schen automa­tisch keine Deutschen sein kön­nen (und befind­et sich damit exakt im Gedankengut der NPD), und leugnet, dass Ras­sis­mus die Grund­lage in dem spez­i­fis­chen Fall ist. Dies dient vor allem dem Sta­tus Quo und ermöglicht es Recht­sex­tremen weit­er­hin, die Hin­ter­gründe ihrer Tat­en zu ver­harm­losen.

— Frem­den­feindlich

Dies gilt im sel­ben Maß für “frem­den­feindlich”. Frem­den­feindlich ist eine Tat nur, wenn sie gegen einen Frem­den verübt wurde, beispiel­sweise einen Touris­ten oder kür­zlich Zuge­zo­ge­nen. Ein Poli­tik­er oder Lehrer, der seit 20 Jahren in der Gegend wohnt, ist kein Fremder (und dies unab­hängig davon ob dieser nun die Deutsche Staats­bürg­er­schaft besitzt oder nicht) und sollte auch nicht so beze­ich­net wer­den. Der Aus­druck “frem­den­feindlich” birgt zudem die Gefahr, dass psy­chol­o­gisch der Reflex eines kausalen Zusam­men­hangs zwis­chen dem “fremd-sein” und der Tat beste­ht, d.h. dass unter­schwellig der Ein­druck entste­hen kann, dass die Tat verübt wurde weil jemand fremd war. In Wirk­lichkeit ist es jedoch selb­stver­ständlich so, dass eine Tat nicht verübt wird weil das Opfer eine bes­timmte Eigen­schaft oder Herkun­ft hat, son­dern weil der Täter eine bes­timmte Ein­stel­lung zu diesen Eigen­schaften des Opfers hat. Dies klingt nur auf den ersten Blick nach Wortk­lauberei. Würde statt “frem­den­feindlich”, das zunächst impliziert, dass jemand fremd ist und daher der Täter nur darauf reagiert , eine Begrif­flichkeit gewählt, die zweifels­frei alle Defizite dem Täter zuschreibt, kön­nte vieles in der gesellschaftlichen Diskus­sion dif­feren­ziert­er und sach­lich­er gestal­tet wer­den.

“frem­den­feindlich” wird eben­falls noch oft als ver­meintlich­es Syn­onym für die Vok­a­bel “ras­sis­tisch” ver­wen­det. Dies geschieht teil­weise, weil die Vok­a­bel “ras­sis­tisch” als zu stark emp­fun­den wird. Ras­sis­tis­che Gewalt­tat­en soll­ten jedoch drin­gend beim Namen genan­nt wer­den, damit ras­sis­tis­che Impulse wirk­sam bekämpft wer­den kön­nen. Deutsche oder Men­schen, die in der Region leben, kön­nen nicht aus Frem­den­feindlichkeit zu Opfern wer­den.

— Recht­sex­trem­istisch

Eine Tat hat einen recht­sex­trem­istis­chen Hin­ter­grund, wenn die Täter dies beken­nen oder expliz­it recht­sex­trem-poli­tis­ches Gedankengut äussern und sich in spez­i­fis­chen Vere­ini­gun­gen organ­isieren. Eine Tat aus purem “per­sön­lichem” Ras­sis­mus ist keine recht­sex­trem­istis­che Tat und kann daher nicht recht­sex­trem­istis­chen Bewe­gun­gen zuge­ord­net wer­den, son­dern auss­chliesslich den pri­vat­en ras­sis­tis­chen Ein­stel­lun­gen des Täters. Die Idee, alle ras­sis­tisch, frem­den­feindlich oder aus­län­der­feindlich motivierten Gewalt­tat­en pauschal Recht­sex­tremen zuzuord­nen hat zur Folge, dass die Main­stream-Gesellschaft aufhört, sich mit eige­nen alltäglichen aus­län­der­feindlichen oder ras­sis­tis­chen Ten­den­zen auseinan­derzuset­zen, da diese Tat­en exo­tis­chen Grup­pierun­gen zugeschoben und damit ver­bal aus der “gewöhn­lichen” Gesellschaft ent­fer­nt wer­den. Auch dies dient jedoch lei­der wieder nur dem Sta­tus Quo: man geht gegen “Nazis” auf die Straße, reagiert jedoch weit­er­hin kaum, wenn der­ar­tige Ten­den­zen jen­seits eines organ­isierten poli­tis­chen Rah­men­pro­grammes auf­tauchen: im All­t­ag und mit­ten in der Gesellschaft.

— Neo-Nazi

Siehe “recht­sex­trem­istisch”. Die Tat eines “Nor­ma­los” ohne aus­re­ichen­den recherchegestützten Hin­ter­grund organ­isierten Recht­sex­tremen Grup­pierun­gen zuzuschieben, heisst, sie in der Mitte der Gesellschaft, wo sie geschehen ist, auszublenden und eine Ver­drän­gung zu ermöglic
hen.

— Schwarzafrikan­er

Der Begriff “Schwarzafrikan­er” ist außeror­dentlich irreführend. Diese Vok­a­bel sagt nichts aus, ausser­dass nicht über die Herkun­ft des Beze­ich­neten recher­chiert wurde und dient auss­chließlich der Stereo­typ­isierung des Opfers. Zur Erläuterung: Wenn die Per­son beispiel­sweise Deutsch­er ist, ist eine Herkun­ft­srecherche auch nicht zum Ver­ständ­nis der Nachricht nötig, son­dern nur die Tat­sache, dass er oder sie schwarz ist und auf­grund­dessen Opfer eines ras­sis­tis­chen Anschlages wurde. In anderen Fällen wäre es etwa eine ver­meldenswerte Nachricht, zu bericht­en, aus welchem Land die Per­son genau kommt (Afri­ka ist kein Land und als Herkun­ft­sangabe nicht aus­re­ichend). In Artikeln oder Bericht­en, in denen die Vok­a­bel “Schwarzafrikan­er” ver­wen­det wird, fällt oft auf, dass dies auch gle­ichzeit­ig als einzige “Beschrei­bung” der benan­nten Per­son genü­gen soll. Dies ist selb­stver­ständlich ungenü­gend. Die Zuschrei­bung ein­er Haut­farbe wird heute nicht mehr als aus­re­ichende Beschrei­bung ein­er Per­son emp­fun­den.

Möchte man geson­dert darstellen, dass es sich bei dem Opfer um einen Schwarzen han­delt — was sich im Fall der Berichter­stat­tung über ras­sis­tisch motiverte Angriffe ja anbi­etet- so ist die kor­rek­te Wort­wahl “Schwarz­er” oder “schwarz­er Deutsch­er” wen nötig. Viele andere Medi­en (“Tagess­chau” uva.) haben dies bere­its erkan­nt und ver­fahren in der Wort­wahl ihrer Berichter­stat­tung entsprechend bewusst objek­tiv und stereo­type­n­frei, erk­lären etwa, dass das Opfer Fran­zose ist, und auch wer: “Fam­i­lien­vater und Gast­wirt…” Ähn­lich wie bei “frem­den­feindlich” ist Vor­sicht geboten wenn der genaue eth­nis­che oder biografis­che Hin­ter­grund des Opfers dargestellt wird. “…XY wurde geschla­gen weil er aus Afri­ka kommt” ist keine dif­feren­zierte oder wahrheits­gemäße Aus­sage. Da es Men­schen aller Haut­far­ben gibt, die gebür­tig aus Afri­ka kom­men, ist die Moti­va­tion für die Tat nicht auf die Herkun­ft des Opfers zurück­zuführen, son­dern auf die Haut­farbe. Wird beson­der­er Augen­merk auf die spez­i­fis­che Herkun­ft des Opfers gelegt, befind­en wir uns ausser­dem schnell wieder in der verz­er­ren­den Sit­u­a­tion, dass es rel­e­vant zu sein scheint, woher etwaige Vor­fahren kom­men und damit eine vere­se­hentliche Verknüp­fung von Herkun­ft und der Tat als Reak­tion entste­ht. Rel­e­vanz für ras­sis­tisch motivierte Tat­en hat auss­chliesslich die Haut­farbe des Opfers, nicht dessen Herkun­ft.

— Schwarz­er

Die poli­tisch kor­rek­te Beze­ich­nung für Schwarze Men­schen ist: Schwarze Men­schen. Nach den jour­nal­is­tis­chen Richtlin­ien des Presser­ates wird die Haut­farbe nur genan­nt, wenn sie zum Ver­ständ­nis der Nachricht unmit­tel­bar notwendig ist.

— „Far­biger”

Die “Ini­tia­tive Schwarze Men­schen in Deutsch­land”, der deutsche “Afri­ka-Rat” und ADEFRA (Schwarze Frauen in Deutsch­land ), aus­nahm­s­los alle Experten­grup­pierun­gen und auf diesem Gebi­et tätige Medienor­gan­i­sa­tio­nen sind sich einig: Es gibt keine “Far­bigen”. Dieses sprach­liche Relikt aus der Kolo­nialzeit wurde in Deutsch­land in den fün­fziger Jahren als Ersatz begriff für das als ein­deutig ras­sis­tisch erkan­nte „N‑Wort” geläu­fig, und wird aus Unwis­senheit heute noch oft in Medi­en dafür benutzt, schwarze Men­schen mit einem unnöti­gen und exo­tisieren­den Euphemis­mus zu bele­gen. Zum einen auf­grund der stark kolo­nialen Kon­no­ta­tio­nen, zum anderen wegen des klar erkennbaren euphemistis­chen Hin­ter­grunds (schwarze Men­schen fühlen sich zu recht belei­digt, wenn jemand beschöni­gen möchte dass sie schwarz sind, ganz als sei dies etwas unan­genehmes) und auch weil “far­big” impliziert, dass “Weiß” die Norm sei, sollte auf diese Vok­a­bel verzichtet wer­den. Darüber hin­aus führt das Wort zu kein­er schlüs­si­gen Beschrei­bung, auss­er dass es sich nicht um eine weiße Per­son han­delt, da diese von dieser Zuschrei­bung aus­geschlossen sind. In welchem Grad der Abstu­fung “schwarz” die Haut­farbe ein­er Per­son genau ist, ist wed­er für das Ver­ständ­nis eines nachricht­en­rel­e­van­ten Her­gangs notwendig noch beste­ht dieser “Abstu­fungs-Drang” offen­sichtlich bei allen anderen Haut­far­ben, für die es Euphemis­men wie “Far­biger” auch gar nicht gibt, vgl. Pak­ista­nis, Inder, Asi­at­en, Weisse usw. Deswe­gen ist es aus Grün­den der Pro­fes­sion­al­ität und Objek­tiv­ität geboten, nach dem Gle­ich­heit­sprinzip zu ver­fahren: wenn Por­tugiesen, Nor­weger und Stéphanie von Mona­co ange­blich gle­icher­massen “weiss” sind (zu wieviel Prozent dies in Wirk­lichkeit der Fall ist, wird ja auch nicht als rel­e­vant betra­chtet), dann ist ein schwarz­er Junge aus Sach­sen “schwarz”.

Bei etwaigen ini­tialen Ein­wän­den oder Schwierigkeit­en, dies per­sön­lich nachvol­lziehen zu kön­nen, bit­ten wir Sie (wie in allen übri­gen Fällen) nichts­destotrotz, zu berück­sichti­gen, dass die Mehrzahl oben genan­nter Organ­i­sa­tio­nen “far­big” als äusserst unhöfliche Beze­ich­nung ein­stuft, und schon allein deshalb im Sinne des fairen Miteinan­ders eine Vok­a­bel gewählt wer­den soll, von der nicht bekan­nt ist, dass Sie von den Beze­ich­neten größ­ten­teils als diminuierend wahrgenom­men wird (siehe “Zige­uner” vs “Roma/Sinti”).

Dies gilt selb­stver­ständlich in noch höherem Maße für unangemessene Ver­gle­iche aus dem Bere­ich der Lebens­mit­telin­dus­trie oder Holzver­ar­beitung (“cappuchinofarben”/“ebenholzfarben” etc.). Bei weißen Men­schen kann in ser­iös­er Berichter­stat­tung bish­er glück­licher­weise darauf verzichtet wer­den, die genaue Far­buance mit Zuhil­fe­nahme von Gegen­stän­den zu beschreiben; und dies sollte — ger­ade vor gewalt­tätigem Hin­ter­grund- selb­stver­ständlich auch bei allen anderen Haut­far­ben unterbleiben.

— Weiss­er

Bei ras­sis­tisch motivierten Gewalt­tat­en, die weisse Men­schen an schwarzen Men­schen verüben, kann auch die Haut­farbe des Täters erk­lärend genan­nt wer­den. Deutsche sind nicht automa­tisch weiss, daher macht die Nachricht, dass zwei Män­ner einen weit­eren Mann ange­grif­f­en haben, und dass dies aus ras­sis­tis­chen Grün­den geschah, nur dann einen Sinn, wenn der Unter­schied der Haut­far­ben genan­nt wird. Pauschal in diesen Fällen — wie es in unser­er Pres­se­land­schaft derzeit meist noch geschieht- auss­chliesslich die Haut­farbe der Opfer anzugeben, mag Gewohn­heit sein, ist jedoch nicht wirk­lich logisch — und in anderen Län­dern im übri­gen keines­falls üblich; dort wer­den stets entwed­er alle Haut­far­ben und Herkün­fte genan­nt — oder keine. Auch hier nach dem Gle­ich­heit­sprinzip zu ver­fahren sollte zumin­d­est ein­mal in Erwä­gung gezo­gen wer­den.

— „Rasse”

Lei­der ist dies heute anscheinend noch nicht allen Jour­nal­is­ten bekan­nt, und so find­et sich dieser Über­rest aus der Nazi-Zeit noch erschreck­end regelmäßig in “gewöhn­lichen” zeit­genös­sis­chen Pub­lika­tio­nen wieder: Der Begriff „Rasse” fällt keines­falls unter eine poli­tisch kor­rek­te und wer­tungs- und diskri­m­inierungs­freie Aus­druck­sweise son­dern ist nach heutiger wis­senschaftlich­er Sicht (teil­weise) den Irrun­gen und (über­wiegend) der ras­sis­tis­chen Pro­pa­gan­da kolo­nialer und Nazi-Regimes zuzuord­nen und rück­stand­s­los über­holt und wider­legt wor­den. (Siehe auch: anhän­gende Erk­lärung der UNESCO zu diesem The­ma.) Die his­torischen Ver­suche Men­schen, der­art zu klas­si­fizieren, wur­den bekan­nter­maßen prak­tiziert, um ihnen bes­timmte Eigen­schaften zuzuschreiben und daraus eine Herrschaftsstruk­tur zu entwick­eln.

Ras­sis­mus in sein­er heuti­gen Def­i­n­i­tion schliesst bere­its mit ein: „der Glaube, dass Men­schen auf­grund ihrer genetisch bed­ingten eth­nis­chen Merk­male bes­timmte Prädis­po­si­tio­nen jed­wed­er Art haben oder sich in „Rassen” ein­teilen lassen”.
Häu­fig entste­hen Ver­wech­slun­gen oder wörtliche Über­set­zun­gen durch den Begriff „race”, der im englis­chen Sprachge­brauch wert­frei ver­wen­det wer­den kann. Es han­delt sich
jedoch um einen Irrtum, dass die direk­te Über­set­zung von „race” ins Deutsche das Wort „Rasse” sei oder genau das­selbe meine. Aus biol­o­gis­ch­er, his­torisch­er und lin­guis­tis­ch­er Sicht, sind diese bei­den Wörter keine Syn­onyme (son­dern: „Rasse” und „breed”), und das deutsche „Rasse” ‑auch mit den edel­sten Hin­tergedanken ange­wandt- ungeeignet, als Beschrei­bung der ver­schiede­nen Erschei­n­ungs­for­men von Men­schen zu dienen.

Zur Beze­ich­nung ver­schieden­er genetisch-eth­nis­ch­er Hin­ter­gründe ohne genaue Beschrei­bung dient heute im Deutschen auss­chließlich der Begriff „Haut­farbe”.

Über diesen Leit­faden hin­aus

Weit­ere Rat­ge­ber­pakete wer­den nach und nach im Rah­men des Pro­jek­ts ´Medi­en mit Mut´ der mut-gegen-rechte-gewalt-Redak­tion erar­beit­et und dann hier vor- und zur Diskus­sion gestellt. Die an dieser Veröf­fentlichung Beteiligten, insebeson­der ´der­braunemob´ und andere Ein­rich­tun­gen bieten auch an: Work­shops “Nachricht­en ohne Ras­sis­mus”, “Ras­sis­mus­freie Berichter­stat­tung”, “Sprache ohne Ras­sis­mus” für Redaktionen/ Schlussredaktionen/ freie AutorIn­nen.

Vor­bildlich: Son­der­beila­gen
von Weserkuri­er
und Säch­sis­ch­er Zeitung

Auch ver­weisen wir gerne auf Rat­ge­ber ander­er Redak­tio­nen, die es lei­der noch viel zu sel­ten gibt. Der Weser-Kuri­er in Bre­men und die Säch­sis­che Zeitung in Dres­den bilden da eine lobenswerte Aus­nahme, sie haben für ihre Leser­schaft kleine Hand­büch­er zum The­ma Recht­sex­trem­is­mus veröf­fentlicht. Der Weser-Kuri­er macht dies sog­ar regelmäßig und finanziert überdies eine (redak­tionell unab­hängige) Schülerzeitung zum The­ma. Die taz wiederum hat der Aktion ´Schule ohne Ras­sis­mus´ eine Son­der­beilage finanziert und die Jugend­presse Deutsch­land e.V. erar­beit­et derzeit gemein­sam mit der MUT-Redak­tion und ein­er Rei­he Schülerzeitun­gen aus dem gesamten Bun­des­ge­bi­et eine bun­desweit ver­triebene Jugendzeitung zum The­ma. Sie wird im Spät­som­mer erscheinen.

Wenn Sie Kri­tik, Fra­gen oder Anre­gun­gen haben, mailen Sie bitte an:
mut@amadeu-antonio-stiftung.de

Mehr Infos bei: derbraunemob.info >klick

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