24. Mai 2002 · Quelle: Apabiz

Wehrsport und Heimatschutz

Seit Monat­en gibt es in der bran­den­bur­gis­chen Kle­in­stadt Fürsten­berg Ärg­er im
dor­ti­gen Heimatvere­in. Dessen Mit­glied Uwe Jür­gens war nicht nur mehrfach mit seiner
extrem recht­en Welt­sicht unan­genehm aufge­fall­en. Dem Arzt für Allgemeinmedizin
scheint auch an der weit­ge­hen­den Über­nahme des Vere­ins gele­gen. Uwe Jür­gens ist
schon in den Achtzigern poli­tisch aktiv gewe­sen: Als Leit­er ein­er neonazistischen
Wehrsportgruppe. 

Für Empörung über den Fürsten­berg­er Heimatvere­in hin­aus sorgte Ende vergangenen
Jahres eine von Uwe Jür­gens ver­bre­it­ete Broschüre »Ver­gan­gen­heit — ein­mal anders
gese­hen«, die den recht­sex­tremen Geschicht­sre­vi­sion­is­mus des Ver­fassers deutlich
macht: »Einem Schüler ist drin­gend abzu­rat­en, seinem Lehrer die hier abgehandelten
Gedanken mitzuteilen: Als “Recht­sex­tremer” wäre seine Abschlussprü­fung gefährdet.
(…) Der Nebel alli­iert­er Umerziehung lichtet sich, die von dama­li­gen Feindstaaten
einge­set­zten Leute samt ihren Nach­fol­gern wer­den irgend­wann abgewählt sein; und dann
wird auch für unsere Jugend der Weg frei, zu erken­nen, wer ehe­mals der Feind und wer
der Urhe­ber aller späteren Lei­den und Ver­brechen gewe­sen ist.« (1)

Auch in den Heimatkalen­der des Vere­ins redigierte Jür­gens, der Satz und Druck des
Kalen­ders über­nom­men hat­te, seine Sicht der Geschichte hinein. Da der
Recht­sex­trem­ist schon drei Jahre zuvor wegen »umstrit­ten­er Äußerun­gen« aufgefallen
war, kündigte der Vere­insvor­stand im Dezem­ber 2001 den Auss­chluss Jür­gens an. Doch
auf das Ende von Jür­gens” heimatlichen Aktiv­itäten warten die Vereinsmitglieder
bish­er vergeblich. 

Uwe Jür­gens: Kein Unbekannter

Uwe Jür­gens war Anfang der Neun­ziger Jahre aus dem nieder­säch­sis­chen Bergen bei
Celle nach Fürsten­berg gezo­gen. Der Umzug been­dete vor­läu­fig die Aktiv­itäten der
noch heute als Vere­in einge­tra­ge­nen Nothil­fetech­nis­chen Übungs- und
Bere­itschaftsstaffel (NÜB). Hin­ter dem nichtssagen­den Namen ver­birgt sich eine
Wehrsport­gruppe, als deren Leit­er Jür­gens fungierte. Die 1978 gegrün­dete NÜB
entwick­elte sich »bis 1984 zu ein­er der größten Wehrsport­grup­pen der Bundesrepublik
mit 40 Mit­gliedern und einem weit­eren Umfeld von über 200 Per­so­n­en aus der
neon­azis­tis­chen Szene. (…) Zu seinem Fuhrpark gehörten 20–25 mit Funkgeräten
aus­gerüstete Fahrzeuge (…) Auf einem Grund­stück in Suroide bei Bergen, welches
Jür­gens gehörte, fan­den in den Jahren 1979 — 1987 regelmäßig die Wehrsportübungen
der Nazis statt.« (2)

Während dieser Zeit hat­te Jür­gens Kon­tak­te zu Mit­gliedern der heute verbotenen
Wik­ing Jugend (WJ) und der eben­falls ver­bote­nen Aktions­front Nationaler Sozialisten
(ANS). Let­ztere waren vor allem in Ham­burg aktiv, unter ihnen der noch heute
bekan­nte Chris­t­ian Worch. Seine dama­lige Vere­ins­führung beschrieb Jür­gens so: »Bei
uns im Vere­in, da gibt es natür­lich keine Demokratie. Bei Wahlen und alles das, was
nach dem Gesetz in einem Vere­in sein muß, das wird nur pro for­ma gemacht. Die letzte
Entschei­dung, die habe ich.« (3)

Heimatvere­in geentert

Der offen­sichtlich über­forderte Vor­stand des Fürsten­berg­er Heimatvere­ins hat
inzwis­chen seinen Hut genom­men. Anfang März erk­lärte der Vereins-Vorsitzende
Korsin­s­ki sich außer Stande, einen Auss­chluss gegen Jür­gens wegen
vere­inss­chädi­gen­den Ver­hal­tens zu erwirken. Zudem nah­men »einige jün­gere Leute aus
dem Raum Meck­len­burg-Stre­litz« an der Ver­samm­lung teil. Sie »bat­en auch um Aufnahme,
hat­ten damit Stimm­recht«, berichtet die Märkische All­ge­meine Zeitung vom 5. März.
Die neuen Mit­glieder seien ein­deutig in den Kreis um Uwe Jür­gens einzuord­nen, so der
ehe­ma­lige Vor­sitzende zur MAZ.
Auf der jüng­sten Vere­inssitzung am 20. April wurde nun ein neuer Vor­stand unter dem
Jour­nal­is­ten Her­rn Ernst bestellt, Frau Jür­gens ist zur Kassen­wartin gewählt worden.
Die Jür­gens-Kri­tik­er scheinen sich gän­zlich aus dem Vere­in ver­ab­schiedet zu haben. 


Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift “Mon­i­tor”, die vom Antifaschis­tis­chen Pressearchiv Berlin her­aus­gegeben wird. Autor: Ulli Jentsch.

1) Jür­gens, Uwe: »Ver­gan­gen­heit — ein­mal anders gesehen«.

Fürsten­berg o.J., S.3.
2) Celler Antifa Nachricht­en, Nr. 1/99, S.4.

3) stern vom 12. Novem­ber 1981, S. 288.

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