10. November 2004 · Quelle: MAZ

Weichen für Synagoge gestellt

(MAZ, Mar­i­on Kauf­mann) INNENSTADT 66 Jahre nach der Pogrom­nacht soll die jüdis­che Gemeinde Pots­dam nun
defin­i­tiv eine neue Syn­a­goge bekom­men. “Wir rech­nen mit ein­er Entscheidung
in drei Monat­en”, sicherte Ober­bürg­er­meis­ter Jann Jakobs gestern am Rande
der Gedenk­feier am ehe­ma­li­gen Syn­a­gogen­stan­dort am Platz der Ein­heit zu. 

In der Nacht vom 9. auf den 10. Novem­ber 1938 war die Syn­a­goge von den
Nation­al­sozial­is­ten beschädigt und später von Bomben getrof­fen wor­den. Um an
den Beginn der Massen­ver­nich­tung der Juden im Drit­ten Reich zu erinnern,
ver­sam­melten sich gestern rund 40 Men­schen an der Gedenk­tafel, um Kränze und
Blu­men für die jüdis­chen Opfer des Nazi-Ter­rors niederzule­gen. “Das gesamte
deutsche Volk hat viel Leid hin­nehmen müssen. Dass es nun bald wieder eine
Syn­a­goge in Pots­dam geben wird, ist ein Trost”, so Michael Chvarts,
Vor­sitzen­der der jüdis­chen Gemeinde. 

“Aus Man­gel an dif­feren­ziertem Geschichts­be­wusst­sein ist die Narbe mit
sozial­is­tis­chen Baut­en verdeckt wor­den, aber geheilt ist die Wunde noch
lange nicht”, gab Jakobs zu ver­ste­hen. Eine neue Syn­a­goge mit
Gemein­dezen­trum sei ein wichtiger Schritt. Wo das jüdis­che Leben in Potsdam
aufer­ste­hen soll, ließ das Stad­to­ber­haupt noch offen. “Die Stadt und die
jüdis­che Gemeinde haben sich bere­its auf ein geeignetes Grundstück
ver­ständigt”, deutete Jakobs lediglich an, dass die Syn­a­goge in der
Innen­stadt liegen wird, der genaue Ort soll erst in drei Monat­en bekannt
geben wer­den. Ein Neubau jeden­falls schei­det aus. “Es han­delt sich um ein
Gebäude, das grundle­gend saniert wer­den muss”, so Jakobs. Zuvor war das
Are­al am Kanal 1 im Gespräch. 

“Eine Syn­a­goge ist mehr als ein Sym­bol. Sie ist ein Fun­da­ment für die rund
800 Juden, die in Pots­dam leben”, hob Rab­bin­er Nachum Pres­man die Bedeutung
eines neuen Gotte­shaus­es gestern abend her­vor. Wann die Gemeinde ihr neues
Heim beziehen kann, ist noch offen. “Bish­er waren alle unsere Schätzungen
falsch”, hofft Pres­man auf eine baldige Klärung aller Fra­gen. Dazu zählt
auch die Finanzierung. 

Die jüdis­che Gemeinde ist hoch ver­schuldet und forderte von der Stadt die
kosten­lose Bere­it­stel­lung eines Grund­stücks. “Die Gespräche darüber laufen
noch”, hielt sich Jakobs vage, kündigte aber ein baldiges Tre­f­fen mit
Min­ster­präsi­dent Matthias Platzeck (SPD) an.

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