3. Mai 2004 · Quelle: JAB

Wer am 8. Mai für Deutschland demonstriert, muss Scheiße sein!

Aufruf zu Antifa-Aktio­nen gegen die Nazide­mo in Belzig

Antifaschis­tis­che Aktio­nen

Belzig, 8. Mai, 19 Uhr

Checkt: 0162/6467652

Aufruf zum Aus­druck­en als Flug­blatt:

Down­load (PDF-Datei, 190 KB)

Der 8. Mai 1945 ste­ht sym­bol­isch
für die Befreiung Europas
von der nation­al­sozial­is­tis­chen
Bar­barei. Für mehrere Mil­lio­nen
KZ-Häftlinge, Zwangsar­bei­t­erIn­nen
und Kriegs­ge­fan­gene bedeutete dies
Frei­heit. Nach jahre­langem
unver­gle­ich­barem Ter­ror in den
Lagern, der Aus­beu­tung in
Wirtschaft und Kriegsin­dus­trie,
der Euthanasiepro­gramme und
der ras­sis­tis­chen
Men­schen­ver­suche, gren­zt es an
ein Wun­der, dass sie über­lebten,
während über 40 Mil­lio­nen
Men­schen dem kollek­tiv­en
Ver­nich­tungswahn der deutschen
Volks­ge­mein­schaft zum
Opfer fie­len.

“Deutsch­land denken, heißt
Auschwitz denken.” (Adorno)

Der Begriff Auschwitz ste­ht
für die Ermor­dung von
über sechs Mil­lio­nen
Juden in deutschen
Konzen­tra­tionslagern.

Wenn gle­ich auch in zahlre­ichen
anderen Län­dern anti­semi­tis­che
Strö­mungen existierten, die sich
eben­falls öffentlich und aktion­is­tisch,
wie beispiel­sweise durch
Pogrome o.ä. äußerten, so kann
man dies doch keineswegs mit
den Zustän­den im Drit­ten Reich
ver­gle­ichen bzw. gle­ich­set­zten.
Nur im nation­al­sozial­is­tis­chen
Deutsch­land kon­nte der
Anti­semitismus als Wah­n­mod­ell
für die große Masse der
Bevölkerung ein­er einzel­nen
Nation kon­sti­tu­tiv wer­den und
so das völkische
Ver­nich­tung­spro­jekt der
Deutschen an den Juden über­haupt
erst ermöglichen. Denn es
war keineswegs bloß eine kleine
NSDAP-Ver­brecherbande,
welche die deutsche
Bevölkerung für ihre Inter­essen
aus­nutzte. Hitler war kein
Dik­ta­tor, der die Deutschen
unter­drück­te und ihnen seinen
Willen aufzwang, er war der
Aus­druck des anti­semi­tis­chen
Wahns und des Bedürfniss­es der
Deutschen nach einem reinen,
zusam­mengeschweißten
Volk­skör­p­er. Und auch der indus­trielle
Massen­mord an den
Juden war kein Geheim­nis, son­dern
wurde von der Bevölkerung
Deutsch­lands selb­st durchge­führt.
Nie­mand wollte aus dem
Kollek­tiv auss­cheren,
auf­fäl­lig sein oder “undeutsch”,
denn man wusste was mit jenen
geschah, die nicht ins
Ein­heits­bild des deutschen
Volkes passten, mit den Juden,
den Homo­sex­uellen und
Kom­mu­nis­ten. Auschwitz passierte
in Deutsch­land und eben
nicht in Frankre­ich, Eng­land oder
den USA und ist somit als spez­i­fisch
deutsch zu begreifen.

Wenn also die Preußis­che
Aktions­front am 8. Mai unter
dem Mot­to “Schluss mit der
Befreiungslüge” demon­stri­ert,
nehmen sie einen pos­i­tiv­en
Bezug auf die nation­al­sozial­is­tis­chen
Ver­brechen, indem sie die
Ver­di­en­ste der Alli­ierten gezielt
verneinen. Dieser
Schul­ter­schluss wird umso deut­lich­er,
wenn man sich das
Pro­gramm der “Bewe­gung Neue
Ord­nung” ansieht, dass von
Belziger Neon­azis vor dem
Jugendzen­trum Pogo verteilt
wurde. So heißt es in § 3: “Wir
fordern die Wieder­her­stel­lung
des deutschen Staats­bürg­er­schaft­srechts
nach dem Prinzip
der Abstam­mung. Deutsch­er ist,
wer deutschen Blutes ist.”

Dieser, sowie weit­ere Punk­te
kön­nten fast wortwörtlich aus
dem NSDAP — Parteipro­gramm
vom Anfang der 20er Jahre über­nom­men
wor­den sein. Wer also
am 8. Mai, der für
das Ende des nation­al­sozial­is­tis­chen
Ter­rors ste­ht,
für Deutsch­land demon­stri­ert,
ord­net sich
unmit­tel­bar in die Rei­he
der von den Deutschen
began­genen Ver­brechen ein
Als Kon­se­quenz aus dem 2.
Weltkrieg ist es fol­glich notwendig
den alli­ierten Sol­dat­en den
größten Dank ent­ge­gen­brin­gen.
Sie waren es, die im Dien­ste
des Human­is­mus das über­ran­nte
Europa vom nation­al­sozial­is­tis­chen
Wahn befre­it­en und die
deutsche Volks­ge­mein­schaft von
der Vol­len­dung ihrer
“Endlö­sung”, dem Mord der €päis­chen
Juden, abhiel­ten.
Gedenken wir also den britis­chen
Sol­dat­en, die die ersten
waren, die durch ihre Luftan­griffe aktive
Kampfhand­lun­gen gegen Nazideutsch­land
durch­führten und so die Grund­lage für dessen
Ende legten.

Gedenken wir der franzö­sis­chen Resis­tance, die
der Men­schheit ein­drucksvoll bewies, wie sehr
bewaffneter Wider­stand gegen das nation­al­sozial­is­tis­che
Sys­tem möglich war. Gedenken wir auch
den franzö­sis­chen Sol­dat­en, die nach ihrer
Befreiung von der Okku­pa­tion durch
Hitlerdeutsch­land dieses weit­er­hin bekämpften.
Gedenken wir der helden­haften Roten Armee, die
im großen vater­ländis­chen Krieg mehr als 20
Mil­lio­nen Opfer zu bekla­gen hat­te und die 1943
in Stal­in­grad nach­haltig die Unbe­sieg­barkeit der
deutschen Armee wider­legte und durch ihren
schnellen Vor­marsch Mil­lio­nen von KZ — Häftlin­gen
vor dem sicheren Tod bewahrte.

Gedenken wir nicht zulet­zt den Vere­inigten
Staat­en von Ameri­ka für ihren Beitrag im antifaschis­tis­chen
Befreiungskampf. Sie waren es, die
die Sow­je­tu­nion ab 1941 durch Rohstoff und
Waren­liefer­un­gen unter­stützten. Sie waren es, die
zusam­men mit Großbri­tan­nien und Kana­da den DDay
her­beiführten und so die zweite Front
gegen Hitlerdeutsch­land eröffneten, was den
Vor­marsch der Roten Armee erhe­blich unter­stützte.
Im Schwur von Buchen­wald, der tra­di­tionellen
Kamp­fansage an den Faschis­mus, ist kein “Nie
wieder Krieg” zu find­en. Eine Appease­ment -
Hal­tung gegenüber der total­en Unmen­schlichkeit
zeugt vom nicht ver­stande­nen Prinzip nation­al­sozial­is­tis­chen
Wahns: Die Ver­nich­tung alles
Ander­sar­tigem, d.h. von allem was nicht zum
Volk­skör­p­er passt.

Am 8. Mai ist ein “Nie wieder Krieg” stets fehl am
Platz, es gilt ein “Kampf dem Faschis­mus auf allen
Ebe­nen mit allen Mit­teln” als Losung ein­er ernst
gemein­ten, antifaschis­tis­chen Überzeu­gung zu
artikulieren.

Deswe­gen rufen wir zu einem offen­siv­en Protest
auf die Straße.

Dank an die allierten Befreier!

Erin­nern heißt Kämpfen!

JAB: Jugen­dan­tifa Belzig

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