14. November 2008 · Quelle: gegenrede.info

Wer Hinz & Kunz nicht Ken(n)t

Pin­now (ipr) Am 4. Novem­ber 2008 wurde auf den Seit­en des “Nationalen Net­z­tage­buch­es” der NPD Barn­im-Uck­er­mark für einen Trick­film mit dem Titel “Gib mir die Welt plus 5 Prozent” des Vere­ins “Neue Impulse” gewor­ben. Passend zur aktuellen Finanz­mark­tkrise gibt der Film vor, “das unent­deck­te Geheim­nis des Banken- und Geld­we­sens” zu lüften.

Grund­lage des Trick­films ist eine Geschichte des Aus­traliers Lar­ry Han­ni­gan von 1971, die als Basiswis­sen über unser Geld- und Zins-Sys­tem ange­priesen wird. Über­set­zt, redak­tionell bear­beit­et und ver­trieben wurde diese Geschichte vom Gold­schmied Fabi­an im Jahre 2006 von Michael Kent. Sie richtete sich an Tauschringe und Ini­tia­toren von Region­al­währun­gen.

Die Ver­schwörung der Illu­mi­nati

Was die Geschichte für die Anti­semiten der NPD inter­es­sant macht, ist die Fig­ur des Gold­schmieds Fabi­an, was lediglich als ein Syn­onym für Jude zu ver­ste­hen ist. Lar­ry Han­ni­gan selb­st bezieht sich mit sein­er Geschichte auf die Rolle der Lon­don­er Gold­schmiede als Kred­it­ge­ber englis­ch­er Könige im 16. und 17. Jahrhun­dert. In die Ide­olo­gie der NPD passt auch eine kurze Pas­sage, die das Banken­we­sen als eine Ver­schwörung von Gold­schmieden beschreibt:

“Gold­schmiede aus anderen Teilen des Lan­des waren inter­essiert an seinem Erfolg, und Fabi­an berief ein Tre­f­fen der Gold­schmiede ein, das bere­its unter Geheimhal­tung stattzufind­en hat­te. Schließlich durfte der Schwindel nicht an die Öffentlichkeit gelan­gen, wenn die Sache weit­er­hin funk­tion­ieren sollte. Nach etlichem Abwä­gen wurde eine Logen­brud­er­schaft gegrün­det und die Mit­glieder auf absolutes Stillschweigen verei­digt. Sie nan­nten sich die ´Erleuchteten´ – und die neu ´erleuchteten´ Gold­schmiede began­nen nun in allen Teilen des Lan­des nach Fabi­ans Anweisun­gen Geld zu ver­lei­hen.”

Die Geschichte erre­ichte vor zwei Jahren die Uck­er­mark per E‑Mail-Verteil­er eines Tauschrings. Es gehört zum Konzept von Michael Kent, ihm wichtige Inhalte über die unter­schiedlich­sten E‑Mail-Verteil­er unter die Leute zu brin­gen.

“Wir laden Sie her­zlich ein, diesen Text bre­it­flächig zu verteilen. Min­destens eine Mil­lion Men­schen im deutschsprachi­gen Raum sollen in Ken­nt­nis dieses Artikels kom­men. Zielset­zung dieser Aktion ist, einen Bewusst­seinss­chub in der Bevölkerung in Gang zu set­zen, der nicht nur unsere gegen­wär­tige Zin­swirtschaft als Kon­trol­linstru­ment weniger “Auser­wählter” erkennbar wer­den lässt, son­dern die Weichen für ein men­schen­fre­undlich­es, gerecht­es Geldsys­tem stellen soll.”


Kent alias Hinz


Michael Kent, der eigentlich Hinz heißt, ist der Her­aus­ge­ber der “Kent-Depesche”, die wöchentlich erscheint und in der alter­na­tiv-eso­ter­ischen Szene der Uck­er­mark grassiert.

Her­aus­gegeben wird die “Kent Depesche”, die auch als Mag­a­zin “mehr wis­sen — bess­er leben” bekan­nt ist, im Sabine Hinz Ver­lag. Unter den Schlag­worten “mehr wis­sen — bess­er leben, Büch­er, Nahrungsergänzun­gen, Sem­i­nare, Wohlfühl­pro­duk­te” vertreibt seine Frau Sabine Hinz Pro­duk­te, die Prob­leme lösen helfen, die Michel Kent mit seinen Tex­ten schafft.

Bere­its 1994 berichtete die Wochen­zeitschrift “Die Zeit” über die Aktiv­itäten von Michael Hinz. Damals soll er der Ini­tia­tor zahlre­ich­er Prowofi-Fir­men gewe­sen sein. Prowofi ste­ht für “Pro­fes­sionelle Woh­nungs­find­er”. Über Hinz schrieb “Die Zeit”:

“Woh­nungs­ber­atung nach dem Muster Prowofi gibt es bun­desweit, und über­all wächst der Arg­wohn. Die Geschäfts­führerin des Mieter­vere­ins Stuttgart und Umge­bung, Ange­li­ka Braut­meier, beobachtet das pro­fes­sionelle Woh­nungs­find­en in ihrer Stadt schon seit vier Jahren.

Die Prowofi-Idee stammt von einem Mann namens Michael Hinz. Er hat in Stuttgart, so behauptet er in sein­er Wer­be­broschüre, drei Jahre lang den Woh­nungs­markt erforscht. Hinz stellt darin auch fest, daß es kein Prob­lem sei, Woh­nungsange­bote zu erhal­ten, son­dern umgekehrt, daß es ´die schwierig­ste Auf­gabe´ für den Ver­mi­eter sei, ´gute Inter­essen­ten zu find­en´.

Von Stuttgart aus zog diese Idee Kreise. Den Angaben Ange­li­ka Braut­meiers zufolge verkauft Hinz die Lizenz für die Anwen­dung seines Knowhow für jew­eils 15 000 Mark an Prowofi-Büros in anderen Städten. Diese arbeit­en dann selb­ständig als Einzelun­ternehmen. Hinz selb­st hat sich nach Angaben des Mieter­vere­ins aus der Leitung des Stuttgarter Prowofi-Büros zurück­ge­zo­gen. …

Der Stuttgarter Mieter­vere­in und andere Mieter­schützer spekulieren auf­grund all ihrer Erfahrun­gen seit langem, es han­dle sich bei Prowofi um eine Tarnor­gan­i­sa­tion der Sci­en­tol­ogy-Sek­te. So sei etwa der Prowofi-Erfind­er Michael Hinz Kassen­wart bei Sci­en­tol­ogy, sagt die Mieter­ber­a­terin Braut­meier. Auch die Arbeits­gruppe Sci­en­tol­ogy des Ham­burg­er Sen­ats hat bere­its mehrere mit Prowofi-Unter­la­gen gefüllte Aktenord­ner angelegt.”

Heute spricht er mit seinen Schriften und seinen Web­seit­en (www.psychopolitik.de) gezielt Kri­tik­er der Schul­medi­zin ins­beson­dere aus den Bere­ichen Psy­chi­a­triekri­tik, Ritalinkri­tik und Impfkri­tik sowie Kri­tik­er des staatlichen Schul- und Erziehungswe­sens und Selb­sthil­fe­grup­pen mit unter­schiedlich­er Zielset­zung an. Er förderte zwis­chen­zeitlich auch die soge­nan­nte “Neue Medi­zin” heute “Neue Ger­man­is­che Medi­zin” des Dr. Geerd Hamer, dem in der BRD schon vor Jahren die Appro­ba­tion als Arzt ent­zo­gen wurde.

Ver­fas­sungss­chutz

Der Baden-Würt­tem­ber­gis­che Ver­fas­sungss­chutz beobachtet schon seit Jahren die Aktiv­itäten des Ehep­aares Hinz. So heißt es im Baden-Würt­tem­ber­gis­chen Ver­fas­sungss­chutzbericht des Jahres 2005 unter der Über­schrift “Son­stige Anwer­bev­er­suche” der Sci­en­tol­ogy Organ­i­sa­tion (SO), das Ver­schiedene SO-Anhänger aus dem Raum Stuttgart sowie die KVPM Stuttgart das Net­zw­erk “Neue Impulse” nutzten, das sich vor­wiegend mit Alter­na­tivmedi­zin und Ver­schwörungs­the­o­rien beschäftigt, um für sci­en­tol­o­gis­che Ideen zu wer­ben. Und weit­er heißt es:

“Dabei wur­den über das Inter­net, durch Ver­anstal­tun­gen und über die Pub­lika­tion mit dem Titel “Mehr wis­sen bess­er leben” (´Kent-Depesche´) unter­schiedliche The­men im Bere­ich Alter­na­tivmedi­zin und Poli­tik aufge­grif­f­en, um Kon­tak­te zu knüpfen. Anschließend wur­den diese genutzt, um teils offen für Sci­en­tol­ogy zu wer­ben.

Die ´Kent-Depesche´ wird von Sci­en­tolo­gen im Eigen­ver­lag her­aus­gegeben. Ihre Her­aus­ge­ber unter­hal­ten auch Kon­tak­te in das recht­sex­trem­istis­che Milieu. In der Online-Fas­sung der ´Kent-Depesche´ befind­en sich Links zu ´befre­un­de­ten Mag­a­zi­nen´, unter denen sich die recht­sex­trem­istis­chen ´Unab­hängi­gen Nachricht­en´ (UN) befind­en.”

Der Link zu den befre­un­de­ten “Unab­hängi­gen Nachricht­en” existiert allerd­ings heute nicht mehr. Dafür taucht die Michael Kent-Pro­duk­tion “Gib mir die Welt plus 5 Prozent” im “Nationalen Net­z­tage­buch” auf und junge diskus­sions­freudi­ge Recht­sex­trem­is­ten aus Tem­plin, die von der NPD als V‑Mann-Partei sprechen, erk­lären einem die Finanzwelt anhand dieses Zeichen­trick­films.

Die Textvor­lage zum Film find­et sich hier.

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