7. Mai 2014 · Quelle: ARPU - Antifaschistischer Recherche_Potsdam//Umland

William, Cynic, Natürlich, Glaskammer, Handstreich

Portrait des Potsdamer Neonazimusikers Martin Rollberg

Mar­tin Roll­berg gehört spätestens seit dem Jahr 2006 zu den kon­tinuier­lich arbei­t­en­den Akteur_innen der Pots­damer Neon­az­imusik­szene. Mit seinen ver­schiede­nen Band­pro­jek­ten hat er sich in den ver­gan­genen Jahren in der Szene etabliert, sich einen (bzw. mehrere) Namen gemacht und der Bran­den­burg­er Lan­deshaupt­stadt somit mit zu ihrem heuti­gen Ruf inner­halb der deutschen Recht­sRock­szene ver­holfen. Ende 2012 heißt es dies­bezüglich beim Neon­azi­l­abel Rebel-Records: „Ganz Deutsch­land hört Recht­srock aus Pots­dam“. [1]
Das am 11. März 1985 geborene “Mul­ti­tal­ent” begann im Jahr 2004 seine musikalis­che Kar­riere und ori­en­tierte sich dabei, bis heute, inhaltlich fast auss­chließlich am Nation­al­sozial­is­mus und seinen Aus­prä­gun­gen nach 1945. Die von ihm besun­genen The­men reichen von Liedern über Kam­er­ad­schaft und Sol­da­ten­tum, der Ver­her­rlichung und Ver­harm­lo­sung des NS, Feind­bilder von poli­tis­chen Gegner_innen, anti­semi­tis­chen und ras­sis­tis­chen Pro­jek­tio­nen, bis hin zu emo­tionaleren und per­sön­licheren The­men wie Beziehun­gen und Vater­schaft. Er begann sein Musikpro­jekt als Einzelper­son. Dabei sang er und spielte alle Instru­mente für seine Songs selb­st ein. Seit 2008 ist er auch mit (s)einer Band auf Konz­erten unter­wegs. In let­zter Zeit ver­sucht er sich auch in Fotografie und Bild­bear­beitung.

Die Kar­riere eines Neon­azi-Musik­ers

Mar­tin Roll­berg veröf­fentlichte erst­mals Ende 2004 auf dem so genan­nten Sol­i­dar­ität Sam­pler den Titel “Zeig’ dich”. Zu dieser Zeit ori­en­tierte er sich klas­sis­cher­weise am in der Pots­damer Recht­sRock­szene gängi­gen R.A.C. (“Rock against Com­mu­nism”). Doch nicht nur musikalisch war Roll­berg zu dieser Zeit als Neon­azi erkennbar, auch äußer­lich ori­en­tierte er sich zu diesem Zeit­punkt am Neon­aziskin­head-Stil.
Im Jahr 2006 erschien dann seine erste Demo-CD mit dem Titel Die Söhne Pots­dams (DSP). Diese gab er nun unter dem Namen Cyn­ic, zusam­men mit der Band Redrum, das englisch Wort “mur­der” rück­wärts geschrieben, her­aus, in der er eben­falls spielte.

Im Jahr darauf fol­gte dann die zweite Aus­gabe der Die Söhne Pots­dams-Rei­he (DSP II) als Split-CD. Beteiligt daran waren auch die Pots­damer Bands Lost Souls und Blood­shed. Let­ztere ist eines der Band­pro­jek­te von Uwe Men­zel, in dem auch Roll­berg mit­spielt. Das Pots­damer Recht­sRock-Urgestein Men­zel (Geboren 1973) erprobte sich im Alter von 20 Jahren als Musik­er und wurde später mit sein­er Band Prois­senheads, in der er bis 2001 aktiv war, bekan­nt. In der Neon­aziszene trägt er den Spitz­na­men Uwocaust. Die begrif­fliche Nähe zum Holo­caust ist bewusst gewählt und später in seinem Künstler_innennamen aufge­gan­gen. Unter dem Namen Uwocaust und alte Fre­unde gibt er seit 2009 zudem zahlre­iche Songs auf bish­er drei Alben, ein­er EP und mehreren Split-CDs sowie Sam­plern her­aus.

Am 07. Feb­ru­ar 2008 kam es im Zuge von Ermit­tlun­gen gegen Mar­tin Roll­berg und seinen Band­kol­le­gen von Redrum zu Haus­durch­suchun­gen bei ihm, einem Band­kol­le­gen und ihres gemein­samen Prober­aums in Bergholz-Rehbrücke. Laut LKA wur­den dabei DVDs, CDs und mehrere Com­put­er sowie mehrere Patro­nen für ein Stur­mgewehr beschlagnahmt. Grund für die Durch­suchun­gen war ein volksver­het­zen­der Cov­er­song der Neon­azi-Band Landser. Der von Redrum gecoverte Song, laut einem Urteil des Amts­gerichts Pin­neberg erfüllt er den Tatbe­stand der Volksver­het­zung, befand sich auf der DVD, die unter anderem bei Mar­tin Roll­berg beschlagnahmt wurde. [2]
Im August 2008 erschien das erste Album von Mar­tin Roll­berg als Cyn­ic mit dem Titel Wach endlich auf. Außer­dem steuerte er zwei Titel für den Berlin-Bran­den­burg 2-Sam­pler bei. Seit diesen Veröf­fentlichun­gen gilt er inner­halb der Neon­aziszene als „fes­ter Bestandteil der höher­w­er­ti­gen Rock­szene“, wie es beim Recht­sRock Blog Punikoff heißt. [3]

Am 31. Okto­ber 2008 spielte Cyn­ic zusam­men mit der Pots­damer Recht­sRock-Band Preussen­stolz und zwei weit­eren Bands in Gen­thin vor ca. 100 Neon­azis ein Konz­ert in der Tanzbar Neue Welt, welch­es als Pri­vat­feier getarnt wurde und mit einem Polizeiein­satz endete. [4] Ein weit­er­er Auftritt fand am 18. Juli 2009 in Berlin mit den Bands White Law (UK) und Pro­pa­gan­da (Hor­b/Baden-Wür­rtem­berg) statt. Im gle­ichen Jahr ist Roll­berg dann mit Cyn­ic und Blood­shed erneut auf dem Die Söhne Pots­dams-Sam­pler (DSP III) zu hören. Erst­mals sind auch die Nachwuchsmusiker_innen von Preussen­stolz auf der Veröf­fentlichung vertreten. [5]

Im Grün­dungs­jahr 2007 der Band Preussen­stolz gab Roll­berg den anderen Mit­gliedern Hil­festel­lung beim Erler­nen ihrer Musikin­stru­mente. Anfänglich über­nahm er sog­ar den Gesang für die Band. Bei einem ihrer ersten Konz­erte im Novem­ber 2007 sang William, wie Roll­bergs Pseu­do­nym in der Recht­sRock­szene lautet, für Preussen­stolz.

Drei Jahre später, im Jahr 2010, erschien dann das zweite Album von Cyn­ic mit dem Namen Rock. In diesem präsen­tieren sich Cyn­ic nun­mehr mit mit­tler­weile fünf Band­mit­gliedern.
Anfang 2011 erstellte Mar­tin Roll­berg dann einen Youtube-Kanal mit dem Namen DSP1933. Da Roll­berg das Ange­bot auf dem Chan­nel, im Gegen­satz zu anderen DSP-Akteur_in­nen, mit seinen Pro­jek­ten klar dominiert, er diesen für seine Pro­mo­tion und son­stige Selb­st­darstel­lung nutzt und er bei allen vier Aus­gaben der DSP-Rei­he als Cyn­ic vertreten war, kön­nen Die Söhne Pots­dams erkennbar als sein Pro­jekt gel­ten.
Im März sorgte Roll­berg dann mit einem für die Recht­sRock­szene eher ungewöhn­lichen Pro­jekt für Auf­se­hen. Unter dem Pseu­do­nym Natür­lich veröf­fentlichte er eine CD, die in der Presse unter dem Begriff “NS-Hip-Hop” ver­han­delt wurde. Die mit men­schen­ver­ach­t­en­den Inhal­ten im Sprechge­sang einge­sun­genen Haus-Maus-Reime haben jedoch aus ras­sis­muskri­tis­ch­er Per­spek­tive mit Hip-Hop, als ursprünglich schwarz­er und wider­ständi­ger Sub­kul­tur depriv­i­legiert­er Schicht­en, unge­fähr soviel zu tun wie Roll­berg und emanzi­pa­torische Rhymes.
Eben­falls 2011 platzierte er noch zwei Songs auf dem Sam­pler Trib­ute to Triebtäter, der als Erin­nerung an die Süd­deutsche Recht­sRock Band Triebtäter veröf­fentlicht wurde.

Das Jahr 2012 war, was den Out­put von Ton­trägern ange­ht, ein äußerst pro­duk­tives Jahr für Mar­tin Roll­berg. Es erschien die vierte Aus­gabe sein­er Die Söhne Pots­dams-Rei­he (DSP IV). Dies­mal steuerten, neben Cyn­ic, erneut Preussen­stolz und Redrum Songs bei. Neu dabei waren Uwocaust und alte Fre­unde und die Band Strong­side.

In Folge eines Rechtsstre­its mit ein­er gle­ich­nami­gen Band änderte Mar­tin Roll­berg seinen Kün­stler­na­men von Cyn­ic zu Hand­stre­ich. Dieser Name wurde im neon­azis­tis­chen Inter­net­fo­rum Thi­azi nach einem Aufruf zur Namensfind­ung angenom­men. Roll­berg führte zwis­chen­zeitlich auch den Namen Glaskam­mer. Eine phonetis­che und begrif­fliche Nähe zur “Gaskam­mer” wird dabei nicht zufäl­lig gewe­sen sein.
Im März veröf­fentlichte er dann unter dem neuen Namen Hand­stre­ich erst eine Pro­mo-CD und anschließend sein drittes Album Wet­t­lauf gegen die Zeit.
Neben seinen CD-Pro­jek­ten schaffte Roll­berg es den­noch auch, Konz­erte zu spie­len. Ein Auftritt führte ihn beispiel­sweise am 05. Mai 2012 nach Leine­felde (Thürin­gen) zum soge­nan­nten Eichs­felder Heimattag der NPD. Dort spielt er Gitarre in der Band Täter­volk und wurde von dieser bei seinen Songs begleit­et.

Im Jahr 2013 veröf­fentlichte Roll­berg zusam­men mit dem süd­deutschen Neon­az­imusik­er Dis­szen­siert, der zuvor eben­falls einen Namenswech­sel auf­grund eines ähn­lichen Rechtsstre­its hat­te, das gemein­same CD-Pro­jekt Dis­szen­siert­er Hand­stre­ich beim Neon­azi­l­abel Old­school Records. Hier­bei wur­den sie von den bei­den Szene­größen Michael Reg­n­er, Sänger der als krim­inelle Vere­ini­gung ver­bote­nen Band Landser, und Mar­ci, dem Sänger der Neon­az­iband Täter­volk, gesan­glich unter­stützt.
Seine aktueller Out­put ist auf dem im Jan­u­ar 2014 erschiene­nen Sam­pler Sol­i­dar­ität V zu hören. Auch hier spielte er wieder gemein­sam mit der Band Täter­volk, für die er schon vorher über den DSP-Kanal mit einem Pro­mo-Snip­pet Wer­bung für deren dem­nächst erscheinende CD Musikkrieg machte.
Zusam­men mit sein­er Band arbeit­et Roll­berg zur Zeit als Hand­stre­ich an einem neuen Album, das er unter anderem mit einem Video aus dem Auf­nahmes­tu­dio über seinen Youtube-Kanal bewirbt.

Mar­tin Roll­berg aka Mar­ti Mil­house und William-Art

Anfang 2014 inten­sivierte Roll­berg eben­falls seine Ver­suche sich kün­st­lerisch, über die Musik hin­aus zu betäti­gen. Seit kurzem ist er unter dem Pseu­do­nym Mar­ti Mil­house Pho­tog­ra­phy [6] auf der Inter­net­seite mod­el-kartei [7] zu find­en. Dort präsen­tiert er einige sein­er Arbeit­en und sucht nach Aufträ­gen. Unter dem sel­ben Pseu­do­nym führt er auch eine Face­book-Seite, auf der er eben­falls seine Fotos hochlädt und für sich Wer­bung macht. Bei ein­er der fotografierten Per­so­n­en han­delt es sich um die bekan­nte Pots­damer Neon­azistin Melanie B. Eine weit­ere Face­book-Präsenz, auf der zum Teil diesel­ben Fotos veröf­fentlicht wer­den, läuft unter dem Namen Roll­berg Pho­tog­ra­phy [8] und zeigt sowohl seine als auch die Bilder seines Brud­ers L. Roll­berg.

Die Fotos, die Mar­tin Roll­berg, aka William, macht, wer­den zum Teil von ihm selb­st bear­beit­et und unter dem Namen William-Art auf die Face­book-Seite sein­er Band Hand­stre­ich gestellt. [9]

Eine Dekade Roll­berg-Recht­srock

Seit min­destens zehn Jahren macht und veröf­fentlicht Mar­tin Roll­berg nun Recht­sRock und kon­nte sich in dieser Zeit ungestört und unerkan­nt in Pots­dam bewe­gen. Als Ein-Per­so­n­en-Pro­jekt ges­tartet, kon­nte er in kurz­er Zeit seinen Ein­fluss und Bedeu­tung für die Pots­damer und bun­desweite neon­azis­tis­che Musik­szene enorm aus­bauen. Dies zeigen unter anderem seine Kol­lab­o­ra­tio­nen mit ver­schiede­nen Musikpro­jek­ten, seine zahlre­ichen Beiträge für Recht­sRock-Sam­pler, drei veröf­fentlichte Alben und mehrere Songs für Split-Alben. Auch seine Men­tor-Rolle für die Nachwuchsmusiker_innen von Preussen­stolz verdeut­licht seine wichtige Stel­lung in der regionalen neon­azis­tis­chen Musik­szene.
Bish­er unter bürg­er­lichen Namen unbekan­nt, kon­nte er über min­destens 10 Jahre unbeschw­ert seine Pro­jek­te ver­fol­gen. Es ist höch­ste Zeit, dass sich dies ändert und andere Sait­en für Mar­tin Roll­berg aufge­zo­gen wer­den.

Disko­grafie:
2004 Sam­pler “Sol­i­dar­ität” als Cyn­ic
2006 Demo-CD “DSP” Cyn­ic, Redrum
2007 Split-CD “DSP II” von Cyn­ic, Lost Souls, Blood­shed
2008 Album “Wach endlich auf” von Cyn­ic
2008 Sam­pler “Berlin-Bran­den­burg 2? – als Pots­damer
2009 Split-CD “DSP III” von Cyn­ic, Preussen­stolz, Blood­shed
2010 Album “Rock” von Cyn­ic
2011 CD von Natür­lich
2011 Sam­pler “Trib­ute to Triebtäter” als Cyn­ic
2012 Sam­pler “DSP IV2 von Cyn­ic, Preussen­stolz, Redrum, Uwocaust und alte Fre­unde, Strong­side
2012 Hand­stre­ich – Pro­mo-CD
2012 Album “Wet­t­lauf gegen die Zeit” von Hand­stre­ich
2012 Sam­pler “Sol­i­dar­ität IV” als Hand­stre­ich
2013 EP “Tra­di­tio schlägt jeden Trend” von Dis­szen­siert­er Hand­stre­ich
2014 Sam­pler “Sol­i­dar­ität V” als Hand­stre­ich & Täter­volk

[1] http://www.rebel-records.com/index.php?section=schallplatten&ur=P
[2] http://www.pnn.de/potsdam/9559/ – erschienen am 08. Feb­ru­ar 2008
[3] http://punikoff.wordpress.com/2012/08/22/handstreich-promo2012/
[4] http://arpu.blogsport.eu/2011/02/26/neonazistisch-musikalisches-treiben-in-potsdam/
[5] http://arpu.blogsport.eu/2011/02/26/neonazistisch-musikalisches-treiben-in-potsdam/
[6] https://www.facebook.com/MartiMilhousePhotograhpy
[7] http://www.model-kartei.de/portfolios/photographer/336482/marti-milhouse-photography/
[8] https://www.facebook.com/RollbergPhoto
[9] https://www.facebook.com/pages/Handstreich-Offizielle-Bandseite/247550388685266

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