13. April 2005 · Quelle: MAZ

Wir kämpfen bis zuletzt”

Mit ein­er Kundge­bung will der Thäl­mann-Fre­un­deskreis am Sam­stag gegen den
geplanten Abriss des his­torischen KPD-Tagung­sortes in Ziegenhals
protestieren. Ihren Sprech­er Heinz Schmidt befragte Oliv­er Fis­ch­er über die
Zukun­ft der umstrit­te­nen Gedenkstätte. 

Der Abriss der Gedenkstätte scheint beschlossene Sache zu sein. Was
ver­sprechen Sie sich von dieser Demo? 

Schmidt: Moment. Die Sache ist noch lange nicht in Sack und Tüten. Es ist
nur eine Abriss­genehmi­gung mit Aufla­gen aus­ge­sprochen wor­den, bei der vom
Eigen­tümer eine Reg­istrierung und Umlagerung der Ausstel­lung ver­langt wird.
Das ist schon schlimm, aber der Eigen­tümer hat dage­gen Widerspruch
ein­gelegt. Damit ist der Bescheid aufge­hoben. Das Rin­gen geht also weiter,
nicht zulet­zt mit unser­er Protestdemonstration. 

Was haben Sie geplant? 

Schmidt: Wir tre­f­fen uns um 10 Uhr in der Königs-Wusterhausener
Bahn­hof­s­traße am Brun­nen und marschieren von dort zum Ehren­mal für die
Ver­fol­gten des Naziregimes. Von dort kön­nen die Teil­nehmer dann nach
Ziegen­hals fahren, wo eine zweite Ver­anstal­tung stat­tfind­en wird. 

Wen erwarten Sie dort? 

Schmidt: Es haben rang­ho­he Vertreter aller linken Parteien ihr Kommen
zuge­sagt. Hans Mod­row wird wahrschein­lich dort sein, soweit ich informiert
bin, kommt auch der Königs-Wuster­hausen­er Bürg­er­meis­ter Ste­fan Ludwig. 

Welche Schritte wer­den Sie darüber­hin­aus zur Ret­tung der Gedenkstätte
unternehmen? 

Schmidt: Wir haben dem Baudez­er­nen­ten des Kreis­es einen neuen Vorschlag
unter­bre­it­et, der gle­ichzeit­ig unsere Forderung nach Unan­tast­barkeit der
Gedenkstätte unterstreicht. 

Das heißt im Klartext? 

Schmidt: Wir beste­hen weit­er­hin darauf, dass die Gedenkstätte an dem
authen­tis­chen Ort bleibt. Dafür haben wir eine Lösung erar­beit­et, die den
Eigen­tümer erhe­blich bil­liger kom­men würde als eine Auslagerung. 

Und wie soll die aussehen? 

Schmidt: Die Teile, die unter Denkmalschutz und Umge­bungss­chutz stehen -
also der Raum selb­st sowie der Hof mit der Mauer — befind­en sich alle im
vorderen Teil der Anlage. Der muss ste­hen bleiben, alles andere wäre eine
Ver­nich­tung der Gedenkstätte. Den hin­teren Teil, der im Wesentlichen aus der
ehe­ma­li­gen HO-Gast­stätte beste­ht, kön­nte der Eigen­tümer aber abreißen und
dort wie geplant Häuser hinbauen. 

Daran dürfte er aber kein Inter­esse haben … 

Schmidt: Das ist wohl richtig. Aber die Entschei­dung liegt bei der Politik.
Wir wollen deshalb unseren Stand­punkt klar­ma­chen und alles Mögliche für den
Erhalt tun. Dabei wis­sen wir viele hin­ter uns. 

Wen? 

Schmidt: Natür­lich führende inter­na­tionale Antifaschis­ten. Aber auch
Promi­nente wie Täve Schur haben bere­its ihren Protest über die
Abriss­genehmi­gung bekundet. 

Aber angesichts der Entschei­dung, die bere­its ein­mal getrof­fen wurde:
Glauben Sie wirk­lich noch an einen Erfolg? 

Schmidt: Wir kämpfen bis zulet­zt. Die Schande wird jeden­falls nicht auf uns
fallen.

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