18. August 2004 · Quelle: MAZ

Wir müssen wachsam sein”

Car­men Lange als neue Lei­t­erin des Todes­marschmu­se­ums eingeführt

WITTSTOCK (MAZ, Her­bert Jeske) Aufmärsche und kahle Schädel sind nur die sicht­baren Zeichen des Problems,
sagt Car­men Lange. Sie erin­nerte gestern im Below­er Wald auch an den
Bran­dan­schlag auf das Muse­um des Todes­marsches: “Gedenkstät­ten kön­nen nicht
immu­nisieren, spie­len aber eine wichtige Rolle bei der Präven­tion.” Carmen
Lange ist neue Muse­um­slei­t­erin im Below­er Wald. Gestern wurde sie offiziell
ins neue Amt eingeführt. 

Dabei soll Aufk­lärungsar­beit kün­ftig Schw­er­punkt im Muse­um sein. Günter
Morsch, Direk­tor der Stiftung Bran­den­bur­gis­che Gedenkstät­ten, wies auf die
beson­deren Bedin­gun­gen im Below­er Wald hin. Seines Wis­sens sei das Museum
das einzige in Europa, das sich mit Todesmärschen als Einzelpunkt
beschäftigt. Das Dra­ma und tat­säch­liche Aus­maß der Märsche sei erst in
let­zter Zeit bekan­nt gewor­den. Tausende kamen bei den Märschen kurz vor Ende
des Zweit­en Weltkrieges ums Leben und wur­den Opfer der Nazi-Verbrechen. 

Dass das Muse­um auch in der Region als wichtige Ein­rich­tung angenommen
werde, hät­ten die Demon­stra­tio­nen gegen Recht­sex­trem­is­mus nach dem
Bran­dan­schlag ein­dringlich gezeigt. Auch der im ver­gan­genen Jahr gegründete
Fördervere­in stütze die Muse­um­sar­beit: Morsch ver­sicherte, die Einrichtung
zu erhal­ten und die Bil­dungsar­beit zu erweit­ern. Dafür sei die Stelle der
Muse­um­sleitung mit His­torik­erin und Päd­a­gogin Lange gut besetzt. 

Car­men Lange (46), ver­heiratet und Mut­ter eines erwach­se­nen Sohnes war in
der KZ-Gedenkstätte Neuengamme unter anderem als Päd­a­gogin und Mitarbeiterin
bei Ausstel­lung­spro­jek­ten tätig, zulet­zt im benachbarten
Meck­len­burg-Vor­pom­mern, wo sie zurzeit lebt. Sie arbeit­ete mit Schülern,
Lehrern, organ­isierte unter anderem Stu­di­en­reisen in die Gedenkstätte
Auschwitz, Begeg­nun­gen mit Zeitzeu­gen und Ausstellungen. 

“Wir müssen wach­sam sein”, warnte sie gestern. Das Muse­um im Below­er Wald
sei beson­ders geeignet für päd­a­gogis­che Aufk­lärungsar­beit. Die, betonte
Car­men Lange, könne früh ein­set­zen: “Nicht erst bei Schülern von 15 oder 16
Jahren.” Aber auch Erwach­sene soll­ten ein­be­zo­gen wer­den: “Und ich werde mich
vor kein­er Diskus­sion scheuen.” 

Die erste größere Ver­anstal­tung ist bere­its am 3. Sep­tem­ber geplant. Über
100 Schüler aus Witt­stock, Pritzwalk und Meck­len­burg wer­den in einer
Stern­fahrt zum Muse­um radeln, um sich vor Ort mit der Geschichte des
Todes­marsches zu beschäfti­gen. Zwei Zeitzeu­gen aus Israel wer­den erwartet. 

Zur Ein­führung ins Amt waren gestern auch Dez­er­nentin Inge Scharn­we­ber als
Vertreterin des Land­kreis­es und der Witt­stock­er Bürg­er­meis­ter Lutz
Schei­de­mann gekom­men. “Dies ist auch Witt­stock­er Wald. Die Stadt fühlt sich
zuständig”, sagte Schei­de­mann. Es gehe darum, Recht­sex­trem­is­mus entschieden
ent­ge­gen zu treten. Er kündigte an, sobald finanziell möglich, auch die
Pflaster­straße zum Muse­um instand zu setzen.

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