14. März 2002 · Quelle: MAZ / BZ / MoPo

Wir stecken eure Bude an”

Erneute Angriffe auf Fam­i­lie in Bas­dorf

Seit einem Jahr gibt es immer wieder Attack­en

 

(Märkische All­ge­meine) Eine deutsch-türkische Fam­i­lie in Bas­dorf (Barn­im) ist erneut von ver­mut­lich aus­län­der­feindlichen Tätern bedro­ht wor­den. Ein Aut­o­fahrer und ein Motor­rad­fahrer hät­ten die Mut­ter und die drei Töchter gefährdet, hieß es gestern. Der Aut­o­fahrer fuhr vor einem Geschäft bewusst auf die Frauen zu und kam erst kurz vor der Schaufen­ster­scheibe zum Ste­hen. Wenig später steuerte ein Motor­rad­fahrer die Mut­ter an, die zur Seite sprin­gen musste. Die Fam­i­lie lebt seit einem Jahr in Bas­dorf und wird immer wieder attack­iert.

 

Frem­den­feindliche Attacke in Bas­dorf

BASDORF (Berlin­er Mor­gen­post) Wie die Polizei gestern mit­teilte, haben am Dien­stagabend ein Auto- und ein Motor­rad­fahrer die Mut­ter und ihre drei Töchter ver­mut­lich vorsät­zlich ange­grif­f­en. Zunächst war nach Angaben der Frau ein Aut­o­fahrer auf sie und ihre Kinder zuge­fahren. Frau und Kinder ret­teten sich durch einen Sprung zur Seite. Wenig später fuhr ein Motor­rad von hin­ten auf die Fam­i­lie zu. Wiederum kon­nte die Frau sich nur durch einen Sprung ret­ten.

 

Die Polizei ermit­telte einen 17-jähri­gen Bas­dor­fer als mut­maßlichen Motor­rad­fahrer. Das Auto gehört einem 22-jähri­gen Berlin­er, der bish­er eben­falls nicht polizeilich in Erschei­n­ung getreten ist. Die Polizei schließt aus­län­der­feindliche Hin­ter­gründe für die Anschläge nicht aus. Die Fam­i­lie mit ins­ge­samt fünf Kindern lebt seit etwa einem Jahr in Bas­dorf. Sei­ther ist sie immer wieder Opfer von Anfein­dun­gen gewor­den.

 

“Wir steck­en eure Bude an”

Eine deutsch-türkische Fam­i­lie wird bedro­ht — obwohl die Polizei bere­its Son­der­streifen ein­set­zte

 

BASDORF (Jens Blankennagel/Berliner Zeitung) Immer wieder wurde eine siebenköp­fige deutsch-türkische Fam­i­lie in den ver­gan­genen Monat­en in Bas­dorf (Barn­im) beschimpft und bedro­ht. Nach­dem die aus­län­der­feindlichen Über­griffe jet­zt ihren vor­läu­fi­gen Höhep­unkt erre­icht haben, ste­ht die Fam­i­lie unter per­ma­nen­tem Polizeis­chutz: Am Dien­stag hat­te die Mut­ter, Mar­ti­na C., bei der Polizei gemeldet, dass sie und drei ihrer Töchter am Vor­abend an einem Geschäft vor­beige­gan­gen waren, als ein Ford auf sie zugerast sei. “Der Wagen kam erst kurz vor dem Schaufen­ster zum Ste­hen”, sagte der Eber­swalder Polizeis­prech­er Toralf Rein­hardt. “Die vier mussten zur Seite sprin­gen, um nicht ange­fahren zu wer­den.”
Tem­po bewusst erhöht

 

Die Mut­ter und ihre Kinder waren geschockt und liefen nach Hause. Auf der Straße vor ihrem Haus kam von hin­ten ein Motor­rad ange­fahren. “Der Fahrer hat offen­bar bewusst das Tem­po erhöht, als er auf sie zufuhr”, sagte Rein­hardt. Wieder kon­nten sich die vier nur durch einen Sprung zur Seite ret­ten.

 

Durch die Aus­sagen von Opfern und Zeu­gen kon­nte die Polizei die Täter ermit­teln. Es han­delt sich um einen 22-jähri­gen Berlin­er und einen 17-jähri­gen Bas­dor­fer. Bei­de sind wed­er vorbe­straft noch polizeibekan­nt. “Wir wer­fen ihnen gefährlichen Ein­griff in den Straßen­verkehr vor”, sagte Michael Neff von der Staat­san­waltschaft Frank­furt (Oder). Bere­its kom­mende Woche will er gegen sie Ver­fahren ein­leit­en. “Nichts ist wirk­samer als eine schnelle Strafe nach der Tat.”

 

Obwohl die Täter sich noch nicht geäußert haben, gehen die Ermit­tler auch dies­mal von einem frem­den­feindlichen Motiv aus. Erst am Son­ntag hat­ten zwei Täter das Haus der Fam­i­lie ange­grif­f­en und die Rol­l­lä­den beschädigt. Als die Mut­ter den Vor­fall anzeigte, berichtete sie auch, dass eine ihrer Töchter im Feb­ru­ar auf ein­er Skater­bahn beschimpft wor­den war. Als die Mut­ter ihr zu Hil­fe eilte, sagte ein Mann laut Polizeibericht, dass bald eine Par­ty mit vie­len “rechts­gerichteten Leuten” stat­tfind­en und dass dies der “let­zte gemein­same Tag für die Fam­i­lie” sein werde.

 

“Wir nehmen diese Vor­fälle sehr ernst”, sagte Rein­hardt. Deshalb der erhöhte Polizeis­chutz. Schon vorher patrouil­lierten zur Abschreck­ung Polizis­ten in der Nähe des Haus­es. “Das darf aber kein Nor­malzu­s­tand in ein­er demokratis­chen Gesellschaft sein”, sagte er.

 

Kurz nach­dem die Fam­i­lie im ver­gan­genen Som­mer nach Bas­dorf gezo­gen war, hat­ten sich die aus­län­der­feindlichen Straftat­en im Ort gehäuft. Sechs Anzeigen wur­den erstat­tet: wegen Bedro­hung, Nöti­gung, Sachbeschädi­gung und Ver­wen­dung von Nazi-Sym­bol­en. So wur­den Hak­enkreuze in den Lack des Fam­i­lien­au­tos ger­itzt. Immer wieder wurde die Fam­i­lie mit Sprüchen wie “Wenn ihr nicht wegzieht, steck­en wir euch die Bude an” angepö­belt. Ein­mal ging ein Jugendlich­er mit seinem Hund an Mar­ti­na C. und ein­er Tochter vor­bei. Der Mann sagte: “Der Hund hat heute schon genug Türken gefressen, aber Türken haben sowieso nichts im Hirn.” Er wurde wegen Volksver­het­zung und Belei­di­gung verurteilt.

 

“Wir sind ger­ade bei solchen Fällen sen­si­bil­isiert”, sagte Staat­san­walt Neff. Allerd­ings mussten drei Ver­fahren eingestellt wer­den. Ein Täter war ein stra­fun­mündi­ges Kind, in den anderen Fällen reicht­en die Beweise nicht aus.

 

Schon im Herb­st zeigten sich viele Bas­dor­fer in ein­er öffentlichen Diskuss­sion­srunde betrof­fen. In den Schulen rede­ten die Lehrer über Gewalt und Aus­län­der­feindlichkeit. “Es hat­te geholfen”, sagte Rein­hardt. “Schein­bar nur vor­läu­fig. Nur bis zum Woch­enende.”

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