29. März 2014 · Quelle: Kombinat Fortschritt

Wittenberge Nazifrei!

Interviw mit dem antifaschistischen Bündnis "NoNazisWittenberge"

Am 5. April soll, nur einen Katzen­sprung von der Lan­des­gren­ze MVs ent­fer­nt, in Wit­ten­berge (Nord­bran­den­burg) ein Neon­azi­auf­marsch stat­tfind­en. Es ist der erste Ver­such dieser Art in der Region und wir sprachen mit Vertreter_innen des antifaschis­tis­chen Bünd­niss­es “NoN­azisWit­ten­berge”, welch­es zu Gege­nak­tiv­itäten an dem Tag mobil­isiert.

Kom­Fort:
Hal­lo, schön das wir es noch geschafft haben uns so kurz vor eurem Tag X zu tre­f­fen. Wisst ihr schon Genaueres über die Pläne der Nazis?

NoN­azisWBGE:
Die Neon­azis haben zwis­chen 12 – 24 Uhr eine Demon­stra­tion in Wit­ten­berge angemeldet. Die genaue Route ist noch nicht bekan­nt. Allerd­ings ist sich­er, dass die Neon­azis nicht durch die Innen­stadt marschieren wer­den.

Kom­Fort:
Welche Nazi­grup­pen rufen denn zu dem Auf­marsch auf? Mit wie vie­len Neon­azis wird gerech­net?

NoN­azisWBGE:
Zum Auf­marsch mobil­isieren die Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland (FKNRP) und die Freien Aktivis­ten Wit­ten­berge, wobei zweit­ere als Gruppe nicht existiert. Es ist für uns ersichtlich, dass die FKNRP bei der Mobil­isierung und Durch­führung fed­er­führend sind. Solche Aufmärsche haben bei den FKNRP Tra­di­tion. Zwis­chen 2009 und 2012 haben sie mehrere Aufmärsche mit bis zu 300 Neon­azis im benach­barten Neu­rup­pin und Witt­stock (Dosse) ver­anstal­tet. Doch seit die let­zten Aufmärsche block­iert wer­den kon­nten, ist es in der Region ruhig gewor­den. In der Regel bekom­men die FKNRP 250–300 Neon­azis mobil­isiert. Wit­ten­berge ist jedoch ein verkehrstech­nis­ch­er Knoten­punkt, sodass wir damit rech­nen das die Zahl der Demonstrant_innen steigen kön­nte.

Kom­Fort:
Block­aden sind ein gutes Stich­wort. Wie ihr ja ger­ade erwäh­nt habt, wur­den mehrere Aufmärsche in den let­zten Jahren in Bran­den­burg durch Block­aden ver­hin­dert. Wir denken da an Bernau, Frank­furt (Oder) und erst im Feb­ru­ar an Cot­tbus. Wollt ihr euch mit eurem Protest da ein­rei­hen?

NoN­azisWBGE:
Ja auch wir haben vor durch Men­schen­block­aden den Auf­marsch zu ver­hin­dern. Wie schon angek­lun­gen scheinen Block­aden in Bran­den­burg der effek­tivste Weg die Straße dicht zu machen. Zusam­men mit den Bünd­nis “Wit­ten­berge Naz­ifrei” wollen wir uns den Nazis wieder­set­zen. Der Aufruf von “Wit­ten­berge Naz­ifrei” wird über­re­gion­al von führen­den Politiker_innen und Organ­i­sa­tio­nen sowie zahlre­ichen Einzelper­so­n­en unter­stützt. Beispiel­sweise durch den Jus­tizmin­is­ter Hel­mut Markov.

Kom­Fort:
Und welche anderen Aktio­nen sind an dem Tag in der Stadt noch geplant?

NoN­azisWBGE:
Die Innen­stadt ist durch Ver­anstal­tun­gen an dem Tag belegt. In der Bahn­straße gibt es ein Bürg­er­fest unter dem Mot­to “Schön­er Leben ohne Nazis”, im Rathausvier­tel einen Tol­er­an­zlauf und ein Straßen­fußball­turnier auf dem Paul-Lincke-Platz.

Kom­Fort:
Das klingt ja schon mal vielfältig und soviel Platz bleibt den Nazis dann somit ja auch nicht mehr. Auf eur­er Web­seite find­en sich viele Ter­mine zu Infover­anstal­tun­gen. Erzählt doch, wie läuft die Mobil­isierung denn bis­lang?

NoN­azisWBGE:
Im Großen und Ganzen läuft die Mobil­isierung ganz gut. Auch wir wollen uns die gute Anbindung der Stadt zu Eigen machen und hat­ten daher den Gedanken über­re­gion­al zu Gege­nak­tiv­itäten zu mobil­isieren. Um die Leute abzu­holen ver­anstal­ten wir Info-Ver­anstal­tun­gen in fünf Bun­deslän­dern in den Städten, wo es antifaschis­tis­che Struk­turen gibt. Und das Inter­esse ist groß! Unsere Fly­er und Plakate sind fast ver­grif­f­en.

Kom­Fort:
Und mit wievie­len Teilnehmer_innen am Gegen­protest rech­net ihr?

NoN­azisWBGE:
Das kön­nen wir im Moment nicht sagen. Wir hof­fen jedoch, dass Viele unserem Aufruf fol­gen und das wir gemein­sam die Neon­azis Schachmatt set­zen.

Kom­Fort:
Fernab von der Gegen­mo­bi wür­den wir gerne noch mal auf die Neon­azis einge­hen. Wie hat sich die lokale Naziszene in den ver­gan­genen Jahren entwick­elt?

NoN­azisWBGE:
Ähn­lich wie andere Städte in Bran­den­burg war Wit­ten­berge ger­ade in den 90er Jahren kein unbeschriebenes Blatt. 1991 war es beson­ders bru­tal: mehrere Dutzend rechte Jugendliche stürmten ein Wohn­heim und war­fen zwei Nami­bier aus dem 4. Stock. Sie über­lebten nur knapp. 2001 wurde Klaus-Dieter Harms durch Neon­azis in sein­er eige­nen Woh­nung tot­ge­treten. Das Gericht stellte anschließend fest, dass die bei­den Täter den gehbe­hin­derten Alko­holkranken als ver­ach­tungswürdi­gen Men­schen betra­chtet und aus „Mord­lust“ gehan­delt hät­ten. In jüng­ster Zeit häufen sich nächtliche Aktio­nen in Wit­ten­berge. Neben zahlre­ichen Pro­pa­gan­dade­lik­ten fan­den hier spon­tane Aufmärsche mit bis zu 200 Neon­azis statt. 2010 gab es einen bewaffneten Über­fall auf ein alter­na­tives Wohn­pro­jekt im benach­barten Per­leberg und 2013 einen tätlichen Angriff auf einen Döner­im­biss.

Kom­Fort:
Und welche Bedeu­tung hat der Auf­marsch eur­er Mei­n­ung nach für die Region?

NoN­azisWBGE:
Der FKNRP ver­suchen schon seit eini­gen Jahren ihr Ein­flussge­bi­et zu erweit­ern. Seit ihre Aufmärsche jedoch 2012 mehrfach block­iert wur­den, hat dies stark an ihren Selb­st­be­wusst­sein gekratzt. Wir gehen davon aus, dass der Auf­marsch neuen Antrieb liefern soll. Und wie der jüng­ste Über­fall zeigt, scheint die Demon­stra­tion auch in die Szene zu wirken. Fernab davon, dass jed­er Auf­marsch ver­hin­dert wer­den muss, ist es in diesem Fall wichtig, dem Vor­drin­gen in die Region ent­ge­gen­zuwirken.

Kom­Fort:
Möchtet ihr zum Schluss noch etwas an die Leser_innen los wer­den?

NoN­azisWBGE:
Der Tre­ff­punkt zu Gege­nak­tiv­itäten ist um 9 Uhr am Bahn­hof Wit­ten­berge. Alle wichti­gen Infos find­et ihr auf unser­er Seite nonaziswittenberge.blogsport.de und auf wittenbergenazifrei.tk. Die Aktion­skarte sowie Info-Tele­fon­num­mer wer­den einige Tage vor dem Auf­marsch veröf­fentlicht. Achtet daher auf Ankündi­gun­gen. Anson­sten: erscheint zahlre­ich!

Kom­Fort:
Ok, wir sind ges­pan­nt und drück­en euch und allen die am 5. April unter­wegs sind die Dau­men.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Neu­rup­pin — Gestern wurde der bekan­nte Neon­azi Sandy L. vor dem Landgericht Neu­rup­pin wegen mehrerer rechter Gewalt­tat­en zu ein­er Haft­strafe von 2 Jahren und 4 Monat­en verurteilt. Der Mitangeklagte Raiko K. erhielt eine Frei­heit­strafe von 9 Monat­en,
In ver­schiede­nen Gemein­den im West­en Bran­den­burgs wur­den am Fre­itag­mor­gen mehrere flüchtlings­feindliche Plakate an Ort­sein­gangss­childern fest­gestellt.

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot