18. Juni 2003 · Quelle: Ruppiner Anzeiger

Wittstock: Mangelndes Problembewustsein beim Rechtsextremismus

WITTSTOCK Witt­stocks Super­in­ten­dent Heinz-Joachim Lohmann hat sich bei ein­er Tagung des lan­desweit­en Aktions­bünd­niss­es gegen Gewalt, Recht­sex­trem­is­mus und Frem­den­feindlichkeit in Pots­dam über man­geldes Engage­ment der Witt­stock­er gegen recht­sradikale Umtriebe beklagt. „Es ist zwar schön, wenn zu Anti-NPD-Demon­stra­tio­nen ein paar Hun­dert Leute kom­men, aber schade, dass sich anson­sten nur wenige mit dem Prob­lem auseinan­der set­zen“, sagte Lohmann.

In den ver­gan­genen Wochen und Monat­en war Witt­stock wegen recht­sex­tremer Straftat­en und mehrere NPD-Demon­stra­tio­nen immer wieder neg­a­tiv in Erschei­n­ung ger­at­en. Gefragt wurde Lohmann in Pots­dam, warum sich die Recht­en aus­gerech­net in sein­er Stadt sam­meln. „Witt­stock liegt verkehrs­gün­stig. Das nahe Auto­bah­n­dreieck und die nahe Lan­des­gren­ze zu Meck­len­burg-Vor­pom­mern machen die Stadt als Demon­stra­tionsort attrak­tiv“, so Lohmann. Außer­dem fehle es in Witt­stock an ein­er Alter­na­tivkul­tur, wie sie es beispiel­sweise in Neu­rup­pin gebe. „Die Nazis haben hier mehr Platz.“

Bran­den­burgs Ver­fas­sungss­chutz Mario Hüllen wies auch darauf hin, dass mit Mario Schulze ein­er der engagiertesten NPD-Kad­er in der Stadt lebt. „Sie haben Pech, dass der hier wohnt. Er stellt mehr auf die Beine, als die NPD-Mit­glieder in anderen Gegen­den.“ Die Neon­azi-Szene lebe im Moment vor allem vom Engage­ment einzel­ner Pro­tag­o­nis­ten. Wo die fehlen, sei es ruhig.

Lohmann sieht in der Konzen­tra­tion rechter Umtriebe aber kein reines Witt­stock­er Phänomen. „Das ist ein Prob­lem der ganzen Prig­nitz und der Ost­prig­nitz. Zurzeit stellen wir fest, dass die Szene sich mehr nach Kyritz ori­en­tiert“, so Lohmann. Ursache dafür seien die auch laut­en Gegen­demon­stra­tio­nen in Witt­stock. Einige Male hat­te Lohmann die Nazi-Demos mit Glock­en­geläut aus der Kirche gestört, ein anderes mit einem Posaunen­chor. Dieser kreative Wider­stand zeige mitunter seine pos­i­tive Wirkung.

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