17. November 2006 · Quelle: PNN

Wo demonstrieren sie?

Potsdam/ Seelow/ Halbe — Trotz der Ankündi­gung der recht­sex­tremen Organ­isatoren, ihr diesjähri­gen Marsch zum „Heldenge­denken“ durch Halbe rund 100 Kilo­me­ter nordöstlich nach Seelow zu ver­legen, ruft die Stadt Pots­dam weit­er zur Teil­nahme am morgi­gen „Tag der „Demokrat­en“ in Halbe auf. Dies betonte gestern auf PNN-Nach­frage Stadt­sprecherin Rita Haack: „Es geht bei dieser Demon­stra­tion darum, die Mehrheitsver­hält­nisse in diesem Land und die Stärke der Demokratie zu zeigen.“

Die Stadtver­wal­tung wird zu diesem Zweck nach eige­nen Angaben eine unbe­gren­zte Zahl kosten­los­er Busse für die rund ein­stündi­ge Fahrt nach Halbe stellen. Die Busse starten um 10.30 Uhr am Haupt­bahn­hof auf der Seite der Friedrich-Engels-Straße, die Rück­fahrt begin­nt um 18 Uhr. Bis gestern hat­ten sich bei der Stadt rund 180 Men­schen für die Fahrt angemeldet. Mit dabei sind viele Mit­glieder der Stadt­frak­tio­nen: Dabei zeigt die Teil­nehmerliste, dass vor allem SPD und PDS ihre promi­nen­teren Mit­glieder mobil­isieren konnten.

Auch Ober­bürg­er­meis­ter Jann Jakobs hat erneut sein Kom­men angekündigt, eben­so Sozial­beige­ord­nete Elona Müller und Jugen­damt­sleit­er Nor­bert Schweers. Der Frak­tion­schef der Pots­damer SPD, Mike Schu­bert, sah gestern gegenüber den PNN eben­so keinen Grund, sich von dem plöt­zlichen Ortswech­sel für das recht­sex­treme „Heldenge­denken“ ver­wirren zu lassen. „Wir soll­ten dieses Katz-und-Mausspiel nicht mit­machen“, sagte Schu­bert. Es sei schon ein Teil­er­folg, den recht­en Auf­marsch aus Halbe ver­trieben zu haben. Zudem gebe es genü­gend Demokrat­en, um auch die geplante Gegen­demon­stra­tion in Seelow zu einem Erfolg wer­den zu lassen.

In Seelow selb­st wer­den aus Pots­dam vor allem Mit­glieder der linken Szene der Stadt erwartet. Wenn „aufrechte Demokrat­en“ sich tat­säch­lich Neon­azis in den Weg stellen woll­ten, müssten sie dies nun in Seelow tun, so Tamás Blé­nessy von der AG Antifaschis­mus der Uni­ver­sität Pots­dam. Auch die AK Antifa Pots­dam rief gestern zur Fahrt nach Seelow auf. Der geplante „Tag der Demokrat­en“ sei nun noch unef­fek­tiv­er im Kampf gegen Recht­sex­trem­is­mus, so eine Sprecherin der linken Gruppe. Denn trotz solch­er Ver­anstal­tun­gen wie dem „Tag der Demokrat­en“ sei die Bere­itschaft in der Gesellschaft, bei recht­sex­tremen Über­grif­f­en einzu­greifen, weit­er­hin zu niedrig: „Antifaschis­mus ist für uns mehr als Bratwurstessen gegen Rechts.“ Wegen möglich­er Auss­chre­itun­gen kündigte die Polizei gestern an, Seelow als Schw­er­punkt ihrer Arbeit zu betrachten.

Ob die Pots­damer recht­sex­treme Szene in nen­nenswert­er Weise ins 125 Kilo­me­ter ent­fer­nt Seelow mobil­isieren kann, ist unklar. Die Köpfe der lokalen Szene, etwa der 23-jährige Oliv­er K. – Mit­be­grün­der der Anti-Antifa-Pots­dam – ver­büßen in der Jus­tizvol­lzugsanstalt in Bran­den­burg a.d. Hav­el zurzeit mehrjährige Haft­strafen wegen gewalt­täti­gen Überfällen.

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