8. Februar 2005 · Quelle: Tagesspiegel

Wo der Gen-Mais wächst

Die Hälfte der deutschen Anbau­fläche ist in Bran­den­burg geplant.

(Thorsten Met­zn­er; Tagesspiegel) Pots­dam — In Bran­den­burg sind 22 großflächige Gen­mais-Felder mit ein­er Anbau­fläche von rund 475 Hek­tar geplant. Damit liegt die Hälfte der Anbau­fläche von gen­tech­nisch manip­ulierten Pflanzen in der Bun­desre­pub­lik (950 Hek­tar an 92 Stan­dorten) in Bran­den­burg. Das geht aus dem neuen Stan­dortreg­is­ter der Bun­desregierung für den Anbau von Gen­pro­duk­ten her­vor. Darin wer­den – eine Folge des jet­zt in Kraft getrete­nen Gen­tech­nik-Geset­zes – erst­mals die Felder veröf­fentlicht, für die der Anbau von Gen-Mais beantragt wurde. Es han­delt sich unter anderem um Flächen in Guben (Lausitz), Seelow, Gusow, Neu­treb­bin (alles Märkisch- Oder­land) und Lieben­walde (Ober­hav­el). Das Erb­ma­te­r­i­al der Pflanzen ist so verän­dert, dass sie ein für Schädlinge, aber auch andere Insek­ten, tödlich­es Gift pro­duzieren – ein Patent der Fir­ma Monsanto. 

Zwar gehöre diese Trans­parenz zu ein­er offe­nen Gesellschaft, sagte Bauern­präsi­dent Udo Fol­gart, zugle­ich SPD- Land­tagsab­ge­ord­neter. Den­noch hoffe er, dass die neue Offen­heit nicht von mil­i­tan­ten Gen­tech­nik-Geg­n­ern aus­genutzt werde. “Nach den Erfahrun­gen der Ver­gan­gen­heit kann man Anschläge lei­der nicht auss­chließen”, so Fol­gart. Ähn­liche Sor­gen gibt es auch im Lan­desmin­is­teri­um für Ver­brauch­er­schutz und ländliche Entwick­lung. Sprech­er Jens-Uwe Schade erin­nert daran, dass “Ver­suchs­felder regelmäßig zer­stört” wor­den sind. Ziel solch­er Aktio­nen waren die bere­its bekan­nten Ver­suchs­felder in Pots­dam- Golm, in Berge (Prig­nitz) und in Dahms­dorf (Tel­tow-Fläming).

“Man ver­hin­dert Gen­tech­nik aber nicht, wenn man Felder plattmacht”, sagt Peter Rudolph, der Gen­tech­nik-Ver­ant­wortliche im Min­is­teri­um. Er ist zugle­ich “Koex­is­tenz-Beauf­tragter”, der zwis­chen herkömm­lich­er Land­wirtschaft und den Gen­tech­nik-Land­wirten ver­mit­telt. Denn tra­di­tionelle Land­wirte und Biobauern sor­gen sich, dass ihre Felder durch den Pol­len­flug von benach­barten Genpflanzen verseucht wer­den kön­nten. Zwar wer­den um Gen-Felder Schutz­zo­nen aus­gewiesen, doch prak­tis­che Erfahrun­gen über deren Wirkung gibt es bis­lang kaum. 

Gen­tech­nik-Geg­n­er rufen bere­its zu Protesten auf. Das lan­desweit operierende “Barn­imer Aktions­bünd­nis gegen Gen­tech­nik” hat die neue Karte der Gen-Äck­er sofort auf sein­er Inter­net­seite veröf­fentlicht. “Um Wider­stand zu pla­nen, stellen wir euch Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung.” Noch sei es möglich, dass die Land­wirte ihren Plan rück­gängig machen. Auf der Home­page wird ohne Dis­tanzierung auch über zer­störte Frei­land­ver­suchs­felder berichtet. 

Die Orts­beschrei­bun­gen der nun bekan­nt gewor­de­nen neuen Stan­dorte sind bis­lang noch all­ge­mein, was sich jedoch dem­nächst ändern wird. Auf der Home­page des Bun­desver­brauch­er­schutzmin­is­teri­ums kann man den Antrag herun­ter­laden, um die per­so­n­en­be­zo­ge­nen Dat­en des Betreibers oder Ackerbe­sitzers zu erhal­ten. Wozu das führen kann, hat die Pots­damer Biotech­fir­ma Solav­ista erlebt, die im Prig­nitzer Dorf Berge seit eini­gen Jahren einen Frei­land­ver­such mit Gen- Kartof­feln betreibt. Auf der Karte des Barn­imer Aktions­bünd­niss­es kann man schon seit län­gerem die Flurkarte mit der exak­ten Ack­er-Lage ein­se­hen. “Sie stammt aus unserem Genehmi­gungsantrag”, sagt Solav­ista-Geschäfts­führerin Mar­ti­na Döring. Das Feld sei bere­its zer­stört wor­den und mehrfach Schau­platz von Protes­tak­tio­nen gewesen. 

Die Liste der Anbau­flächen im Netz: 

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